Vogtland-Team so groß wie lange nicht

Fünf Männer aus der Region sind bei der Vierschanzentournee der Skispringer im Einsatz gewesen. Ihre Aufgaben waren dabei allerdings sehr unterschiedlicher Art.

Klingenthal.

Vogtländer bei der Vierschanzentournee? Spontan fällt einem da natürlich Manfred Deckert ein, der diesen ganz besonderen Skisprung-Wettkampf 1982 gewonnen hat. Oder aber man denkt an Sportler wie Matthias Buse, Henry Glaß und Klaus Ostwald, die dort Tagessiege feiern durften. Das ist über 35 Jahre her, Geschichte. Springer aus dem Vogtland spielen bei der Tournee schon lange keine Rolle mehr, sieht man einmal von Richard Freitag ab, der bis 2007 in Klingenthal trainierte. Und doch war die Region in diesem Winter bei der Tournee so stark vertreten wie seit ewigen Zeiten nicht mehr. Gleich fünf Vogtländer trugen hinter den Kulissen ihr Scherflein zum Gelingen bei.

Da wäre zu einem der Klingenthaler Michael Groß, der seit fünf Jahren zum Kampfrichterteam beim Auftaktspringen in Oberstdorf gehört. Dort und in Garmisch-Partenkirchen erstmals mit im Boot war die Klingenthaler Firma J&J Media von Jeremy Ziron und Jannick Saunus. Die lieferte - unterstützt vom Tirpersdorfer Moritz Gräßler - bei den Fernsehübertragungen die Drohnenbilder von den Wettkämpfen. Fünfter Vogtländer im Bunde ist Marcus Stark, ebenfalls ein Klingenthaler, der in Oberstdorf und Innsbruck im Einsatz war.

"Ich arbeite seit zwei Jahren nebenberuflich für eine Firma, die mit ihrer Technik derartige große Sportveranstaltungen absichert. Wir sind dort für die Weitenmessung zuständig, für die Startampel, die Informationsmonitore, die Windmessung und solche Dinge. Wir liefern zum Beispiel auch die Info-Grafiken für die Fernsehübertragungen. Ich selbst bin als Techniker im Einsatz", schildert Stark. Hauptberuflich ist der Mühlleithener beim Kreissportbund Vogtland in Plauen als Koordinator für die Sportjugend tätig. Für den Einsatz bei der Vierschanzentournee nahm er extra Urlaub.

Die Kontakte zu der Firma rühren noch aus den Zeiten, als Stark bei der Absicherung der Weltcup-Wettbewerbe in der Vogtland-Arena mitwirkte. "Wir sind seitdem eigentlich immer in Verbindung geblieben, auch nachdem ich meine Tätigkeit beim Kreissportbund in Plauen aufnahm", erzählt Marcus Stark.

Vier bis fünf Wettbewerbe sind es pro Jahr, die Stark als freier Mitarbeiter betreut, zumeist in Europa. Neben der Vierschanzentournee zählt dazu auch die Raw-Air-Tour zum Abschluss der Weltcup-Saison in Norwegen, wo er auch dieses Jahr wieder dabei sein möchte. 2019 flog er im Sommer sogar zu einem Skispringen nach Japan, doch das wird wohl eine Ausnahme bleiben.

Bei solch großen Wettkämpfen zählt Marcus Starks Truppe mit ihren zwei Tonnen Technik zu den ersten, die an der Schanze aufschlagen, und zu den letzten, die dort ihre Zelte abbauen. "Deswegen sind wir bei der Vierschanzentournee mit zwei Teams im Einsatz. Das Springen in Garmisch und die Qualifikation in Innsbruck liegen ja nur einen Tag auseinander, das würden wir mit Auf- und Abbau gar nicht schaffen."

Zumal Corona in diesem Jahr die Abläufe noch erschwerte. "Wir wurden schon vor der Anreise auf das Virus getestet, ohne einen negativen Test wäre wir gar nicht hingekommen. Vom 27. Dezember bis 3. Januar wurden wir dann ständig wieder getestet, soweit ich weiß, gab es allein in Oberstdorf vor dem Wettkampf 480 Tests insgesamt", schildert Marcus Stark. Auch auf das Einhalten der nötigen Distanz und das Tragen eines Mund- und Nasen-Schutzes hätten die Ordnungskräfte penibel geachtet und gelegentlich auch mal einen ordentlichen Rüffel verteilt, wenn es einer oder eine nicht ganz so genau nahm.

Die allermeisten nehmen das ohne großes Murren in Kauf. "Wir sind doch alle froh, dass unser Sport weitergehen kann." Marcus Stark kann diesen Umständen sogar einige positive Seiten abgewinnen. "Man entschleunigt in gewisser Weise. Rumhetzen geht mit FFP2-Mundschutz nicht."

So richtig mannschaftlich geschlossen sind die fünf Vogtländer bei der Tournee natürlich dann doch nicht aufgetreten. "Jeder hat seine Aufgabe, da läuft man sich nicht dauernd über den Weg", sagt der Klingenthaler. Für einen kleinen Schwatz, zum Beispiel mit Michael Groß am Schanzenturm in Oberstdorf, findet sich aber allemal ein bisschen Zeit.

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