Zu robust für den Fußballplatz

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American Football findet in Deutschland immer mehr Anhänger. Lucas Kölbel, Vereinschef der Vogtland Rebels, musste einst erst in Lübeck landen, ehe er den Weg zum ledernen Ei fand.

Treuen.

Aktuell sind die American-Football-Spieler der Vogtland Rebels zum Zuschauen verdammt. In der Nacht von Sonntag auf Montag wäre dies beim 55. Super Bowl, dem Finale der amerikanischen Profiliga NFL, sowieso der Fall gewesen. Doch die Corona-Verordnungen schränken selbst die Zuschauerrolle ein. "In den vergangenen Jahren haben wir den Super Bowl als eine Art offenen Teamabend gestaltet. Jeder hatte noch ein, zwei Personen im Schlepptau", berichtet der Vereinsvorsitzende Lucas Kölbel.

Auf 150 Mitglieder ist der Verein seit seiner Gründung 2014 angewachsen. Der Einzugsbereich reicht vom Vogtland und Westsachsen bis nach Thüringen. Die Rebels, die ihre Spiele in Treuen austragen, profitieren auch von dem Aufschwung, den die Sportart durch die regelmäßigen Liveübertragen im deutschen TV erfährt. "Generell haben sich die Mitglieder- und Vereinszahlen im Verband seitdem verdoppelt", so Kölbel. Bei seinem Einstieg sah die Sache noch anders aus. "American Football war immer ein Thema, aber es war lange Zeit nicht greifbar," sagt der 33-Jährige.

Und so startete der aus Netzschkau stammende Kölbel seine Sportkarriere auf dem Fußballfeld. Das änderte sich erst, als er im Rahmen seiner Ausbildung bei der Bundespolizei vor knapp zehn Jahren in Lübeck landete. "Dort gab es mit den Cougars einen Footballverein, und ich wollte es unbedingt mal ausprobieren. Beim Training habe ich sofort Blut geleckt", sagt Kölbel. In seiner ersten Saison spielte er in der zweiten Mannschaft, ehe er ins Zweitliga-Team wechselte. Als Fullback sollte er dort unter anderem dem Ballträger Mike Davis den Weg frei blocken - wobei ihm sein Mitspieler fast mehr Probleme bereitete als die Gegenspieler. "Mike war pfeilschnell und hat mich oft überholt, bevor er auf den ersten Gegner getroffen ist", sagt Kölbel.

Nach dem Ende der Ausbildung versuchte sich der Netzschkauer, der mittlerweile in Zwickau wohnt, noch einmal im Fußball. 2013/14 lief er in der Vogtlandklasse für den SV Coschütz auf. Doch körperlich war er längst zu robust für den Fußballplatz geworden. "Gefühlt habe ich in jedem Spiel Gelb gesehen. Ich war genervt, dass ich mit meinen knapp 90 Kilogramm rumstand, und wenn ein Spieler mit 60 Kilogramm an mir abgeklatscht ist, wurde es gepfiffen", erklärt Kölbel. So traf es sich ganz gut, dass Jörg Munko Anfang 2014 aus seiner Idee ernst machte, und zum Football-Training ins Vogtland rief. Kölbel schloss sich mit seiner Erfahrung an, und am 13. März 2014 wurden die Vogtland Rebels offiziell gegründet.

Dort ist Kölbel als Vorsitzender und Trainer aktiv. Die Football-Schuhe schnürt er sich nur noch, wenn Not am Mann ist. Die erste Mannschaft spielt mittlerweile in der Oberliga. Zumindest theoretisch. Coronabedingt fiel die Spielzeit 2020 aus. Dafür debütierte das A-Jugend-Team auf dem Rasen. Ansonsten konnten die Rebels nicht viel machen. "Corona wird auch Auswirkungen auf die kommende Saison haben. Normalerweise hätten wir seit Oktober am Kraftaufbau gearbeitet und würden uns jetzt um Taktik und Spielzüge kümmern", sagt Kölbel. Dass die Spieler die Treue halten, davon geht der Vereinschef aus. "Sobald wir trainieren dürfen, werden wir auf uns aufmerksam machen und ein paar Aktionen starten." Doch zuvor wartet noch der Super Bowl, bei dem Kölbel ein spannendes Spiel vorhersagt: "Ich denke, dass Tampa Bay in Führung geht, es Kansas City dann am Ende aber noch dreht."

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