Der Neue tritt sein Amt an

Nach einer Woche lockeren Aufgalopps haben die Zwickauer Zweitliga-Handballerinnen im Sportforum "Sojus 31" Eckersbach gestern Abend ihre erste Übungseinheit unter der Leitung von Rüdiger Bones absolviert.

Zwickau.

Die Handballerinnen des BSV Sachsen müssen sich umstellen. Und die Ohren spitzen. Denn Rüdiger Bones, der neue Trainer, spricht sehr schnell. In einem Dialekt, der auf seine lange Tätigkeit in Berlin und Potsdam hindeutet. Der 58-Jährige dankte Manuela Splinter und Carolin Büchl, unter deren Regie die erste Trainingswoche ablief. "Die sind zufrieden gewesen. Alle haben ordentlich mitgezogen."

Seinen Schützlingen wünscht Rüdiger Bones vor allem eine verletzungsfreie Vorbereitung. Beim Training wird er in Gruppen arbeiten, die rotieren. "Es wird sich viel im Schnelligkeits-Ausdauerbereich abspielen", kündigt der Trainer an. Die Ergebnisse der bei Dr. Alexander Zuber absolvierten Athletik- und Krafttests haben ihm Aufschluss über die Stärken und Schwächen der einzelnen Spielerinnen gegeben. Mit ausgereichten Fragebögen und persönlichen Gesprächen will er alle in den kommenden Tagen individuell besser kennenlernen. "Wir können bei jedem noch was herausholen." Sein Ziel: Die etwas umformierte Mannschaft soll sich ein Gesicht erarbeiten und an die sehr guten Leistungen der Rückrunde anknüpfen.

Bis auf Torhüterin Magdalena Bosneac (Neagoe), die noch im Urlaub weilt, und Neuzugang Julia Redder, die vom Thüringer HC mit Doppelspielrecht ausgestattet ist, waren gestern alle anwesend. Rüdiger Bones ließ sein Team mit Ball erstmal fünf Minuten einlaufen, ehe sich die Mädels auf dem Parkett verrenken mussten - bei Dehnungs- und Kraftübungen, die ziemlich alle Muskelgruppen arg beanspruchten. Zum Abschluss gab es draußen Intervall-Läufe auf der Laufbahn.

Vor der Mannschaft liegen sieben Wochen harter, schweißtreibender Vorbereitung. Auf dem Programm stehen mehrere Testvergleiche sowie die Teilnahme an drei Turnieren: am 11./12. August in Melsungen, am 18. August in Markranstädt (Mitgas-Cup) und am 25./26. August in Ludwigsburg (Lotto-Cup). Zum Saisonauftakt empfängt der Vorjahressiebente der 2. Bundesliga am 8.September, 17 Uhr, in der Sporthalle Neuplanitz den Aufsteiger HSG Gedern/Nidda, Vizemeister der 3. Liga Ost. Eine Woche zuvor muss der BSV in der ersten Runde des DHB-Pokals beim SC Markranstädt ran. Das erste Auswärtsspiel bestreitet Zwickau am 15. September bei der SG H2Ku Herrenberg.

Ehe es losging, hatten sich die Spielerinnen vor dem Halleneingang versammelt, wo Teammanager Ronny Mittag aus der Schiebetür eines Kleintransporters Erwärmungs-, Präsentations- und Reisekleidung ausreichte. Derweil hielt der BSV-Vorstand im Foyer eine Beratung ab. Präsident Winfried Hermann, der später beim Training zuschaute, hat seine Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass mit Rüdiger Bones auf dem Trainerposten endlich Kontinuität einziehen möge.


Häufiges Kommen und Gehen in Neuplanitz: Drei BSV-Trainer haben selbst um Vertragsauflösung gebeten, zwei sind von ihren Aufgaben entbunden worden

Jiri Tancos trat im Juli 2014 die Nachfolger von Norman Rentsch an, der ein Angebot des damaligen Bundesligisten HC Leipzig angenommen hatte. Obwohl der BSV auf Platz 4 gut im Rennen lag, bat der Tscheche vor dem Start in die Rückrunde um die Vertragsauflösung. Er heuerte beim ZHC Grubenlampe an. Nach drei Jahren in Zwickau kehrte er 2017 zur HSG Freiberg zurück.


Daniela Filip, die 2014 vom HC Neustadt/Sebnitz als Sportliche Leiterin des oberen Nachwuchsbereiches zum BSV kam, übernahm im Januar 2015 die "Erste". Im Juni 2015 bat Filip um die vorzeitige Aufhebung ihres Vertrages, um beim damaligen Erstliga-Absteiger Trier anheuern zu können. Danach war sie in Marienberg und bis Juni 2018 beim Frankfurter HC tätig. 


Karsten Knöfler kam 2015 vom SSV Dornbirn Schoren (Österreich) an die Mulde. Beim BSV war nach 21 Spieltagen Schluss für ihn. Als Zwickau noch zwei Punkte vorm Abstiegsplatz stand, wurde Knöfler von seinen Aufgaben entbunden. Später betreute er die A-Jugend des ThSV Eisenach und bis Januar 2018 die Frauen des HC Rödertal, Aufrücker in die 1. Bundesliga.


Andy Palm hatte im August 2015 beim BSV zunächst die zweite Frauenmannschaft und die B-Jugend unter seinen Fittichen. Im März 2016 löste er Karsten Knöfler als Trainer der ersten Vertretung ab. Ende Februar 2017 wurde er selbst von seinen Aufgaben entbunden. Danach betreute er den Zweitligisten DJK/MJC Trier, der ihn Ende März von seinem Posten freistellte.


Marko Brezic nahm vor einem Jahr am Spielfeldrand den Platz von Interimstrainerin Corina Cupcea ein, die das Team zum Klassenerhalt geführt hatte. Der Kroate hielt dem Druck jedoch nicht stand. Als Zwickau nach sieben Spieltagen auf einen Abstiegsplatz abgerutscht war, bat er um Auflösung seines Vertrages. Erneut musste Corina Cupcea als Feuerwehrfrau einspringen. (tc)


Kommentar: Messlatte hängt hoch

Nach den bitteren Erfahrungen der vergangenen Jahre fragen sich die Zwickauer Handballanhänger: Wird der Neue bis Saisonende durchhalten? Denn der Cheftrainerstuhl des BSV Sachsen ist seit dem Weggang von Norman Rentsch eher ein Schleudersessel gewesen. Darum hätten sich viele über eine Rückkehr des Erfolgsgaranten gefreut. Die Hoffnung erfüllte sich nicht. Der 38-Jährige, der bis zur Insolvenz den HC Leipzig unter seine Fittichen hatte und für einige Monate als Berater bei den Muldestädterinnen tätig war, gab einem Angebot des Erstbundesligisten Borussia Dortmund den Vorzug.

Nach der Ära Rentsch hielten es seine Nachfolger nicht lange beim BSV aus. Obwohl Vereinspräsident Winfried Hermann bei deren Vorstellung stets geglaubt hatte, einen guten Griff getan zu haben. Corina Cupcea, die zuletzt übergangsweise aushalf und den Zweitligisten nicht nur zum Klassenerhalt führte, sondern mit einer starken Rückrunde die Messlatte sehr hoch gehängt hat, kann aus beruflichen Gründen nicht weitermachen. Nun hat Rüdiger Bones die Verantwortung übernommen. Nach dem häufigen Kommen und Gehen der jüngsten Vergangenheit ist ihm ein längerfristiges Engagement zu wünschen.

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