Die hässliche Seite des Rallyesports

Der tödliche Unfall bei der Sachsen-Rallye schockiert die Motorsportfans der Region. Sie trauern um Kai Günther aus Lößnitz und seinen Beifahrer.

Kirchberg/Lößnitz.

Die Bremsspuren an der Unfallstelle enden in einem Meer aus Blumen und Kerzen. An einem Baum zwischen Leutersbach und Lauterhofen bei Kirchberg (Landkreis Zwickau) haben am Freitagabend zwei Menschen bei einem tragischen Unglück auf der ersten Wertungsprüfung der 15. AvD-Sachsen-Rallye ihr Leben gelassen. Fahrer Kai Günther (48) aus Lößnitz verstarb noch an der Unfallstelle. Sein Co-Pilot Sebastian Walker (44) aus Trittau in Schleswig-Holstein wurde mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus geflogen, wo auch er kurz darauf seinen schweren Verletzungen erlag.

Die Rallye wurde daraufhin nach der zweiten Wertungsprüfung in der Zwickauer Innenstadt, die zum Zeitpunkt der Todesnachricht schon begonnen hatte, abgebrochen. Für Ruben Zeltner, fünffacher Gesamtsieger der Sachsen-Rallye aus Lichtenstein, war das die einzig richtige Entscheidung. "Bei mir war sowieso klar, dass ich nicht weiterfahre. Aber auch alle Fahrerkollegen haben sich sofort so entschieden. Das ist die hässliche Seite unseres geliebten Sports. Mit einem Mal sieht man wieder, wie gefährlich das sein kann", sagte der 60-Jährige.

Kai Günther war nicht nur Fahrer, sondern mit seiner Stollberger Firma Foliluchs auch Sponsor in der Rallyeszene, unter anderem beim Porsche-Team von Ruben Zeltner. "Ich bin in Gedanken bei Kai und seiner Familie", sagte Zeltner. Große Betroffenheit herrschte auch beim mehrfachen deutschen Rallyemeister Carsten Mohe aus Crottendorf, der viele seiner Erfolge mit Sebastian Walker als Co-Pilot eingefahren hatte und mit Kai Günther befreundet war. "Es ist eine Tragödie. Zwei liebe Freunde haben ihr Leben verloren. Wir sind am Boden zerstört und trauern mit den Ehefrauen und Kindern sowie den Familien und Freunden", so der 46-Jährige.

Neben Kai Günthers Team Westsachsen Motorsport aus Meerane hatte bereits am Freitagabend auch der Fußball-Drittligist FSV Zwickau auf seiner Internetseite kondoliert. Der tödlich Verunglückte war langjähriger Sponsor des FSV und ehemaliges Aufsichtsratsmitglied. Deshalb war Zwickau zum Sachsenpokalfinale am Samstag in Chemnitz mit Trauerflor aufgelaufen.

Nachdem es bei der Sachsen-Rallye bereits im Jahr 2006 zwei Todesopfer gegeben hatte, haben die Ereignisse vom Freitag eine kontroverse Diskussion in den sozialen Medien ausgelöst. Unabhängig davon will der Veranstalter aber auch 2020 wieder die Rallye in der Region austragen. "Solange wir in Zwickau willkommen sind, werden wir auch wieder da sein", erklärte Andreas Nowack, einer der Geschäftsführer des Automobilclubs von Deutschland (AvD). "Die Teilnehmer sind sich der Gefahren in unserem Sport bewusst. Die Rettungskette hat funktioniert, nur leider Gottes waren die Helfer am Ende machtlos", sagte Pressesprecher Mathias Mahrholz im Gespräch mit der "Freien Presse".

Bei dem Unfall am Freitag war Kai Günther im Renault Clio auf einer engen Straße durch den Wald an einer abschüssigen Stelle erst nach links von der Fahrbahn abgekommen und dann gegen einen Baum auf der gegenüberliegenden Seite geprallt. Die Sachsen-Rallye gehört zu den Rennen der Deutschen Rallyemeisterschaft.

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