Vogel des Jahres ist im Vogtland ein Exot

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Die wenigsten Vogtländer dürften schon einen Wiedehopf, den Vogel des Jahres 2022, beobachtet haben. Der wärmeliebende Insektenfresser hält es wie die meisten Touristen: Er ist immer nur ein paar Tage zu Gast.

Auerbach.

Der Wiedehopf, der Vogel des Jahres 2022, ist im Vogtland ein seltener Gast. Wohnen mag er hier überhaupt nicht. Es ist ihm schlichtweg zu kalt. Der lustig ausschauenden Vogel mit dem bunten Gefieder und der aufrichtbaren und dann besonders markanten Federhaube brütet in Deutschland nur in besonders warmen Gegenden, so am Oberrhein in den milden Weinbaugebieten, aber auch in der Lausitz. Die vogtländischen Ornithologen und Naturbeobachter kennen den Vogel mit der Punk-Haube nur als Gast auf der Durchreise.

Besonders zu gefallen scheint es ihm in der Rodewischer Randsiedlung. In einem Garten hat er schon zwei Mal Station gemacht. Voriges Jahr konnte Steffen Thoß aus Ellefeld, der sich in seiner Freizeit sowohl mit Entomologie als auch mit Ornithologie beschäftigt, gelungene Fotos schießen. Sein Vater, der Leiter der Auerbacher Ortsgruppe Ornithologie und Vogelschutz, Michael Thoß, sagt: "Meist kann man den Wiedehopf nur einzeln beobachten." Seine lange Flugstrecke nach Afrika nehme er nicht im Schwarm, sondern solo in Angriff. In dem Rodewischer Garten an der Randsiedlung hielt sich ein Wiedehopf 2016 sogar eine ganze Woche lang auf und suchte im Komposthaufen und in der Wiese mit seinem langen Schnabel nach Insekten. Voriges Jahr waren es sogar zwei Vögel, die auf ihrer Durchreise in der Randsiedlung Station machten. Wiedehopf-Beobachtungen sind für vogtländische Ornithologen etwas Besonderes. Ein bis zwei Beobachtungen pro Jahre waren bis vor kurzem der Durchschnitt. 2019 und 2020 stieg die Zahl dann plötzlich auf 13 bis 16 Beobachtungen. Neben dem Garten in Rodewisch gibt es auch Sichtungen aus Reumtengrün, dem Plauener, dem Oelsnitzer und dem Reichenbacher Umland. Auch aus Zaulsdorf im Oberen Vogtland gibt es eine Beobachtung. Michael Thoß kann sich das nur mit dem Erfolg des Artenschutzprogrammes in der Lausitz erklären. Vielleicht seien verstärkt Vögel aus dieser Region im Vogtland auf der Durchreise.

Nicht immer seien es Ornithologen, die den Vogel sichten. Weil der Vogel sehr auffällig aussieht und nicht verwechselt werden kann, gibt es auch immer wieder Hinweise aus der Bevölkerung", so Michael Thoß. Allerdings können weder Fachleute noch Laien auf Anhieb die männlichen und die weiblichen Tiere unterscheiden, denn diese sehen sich sehr ähnlich. Zu den typischen Merkmalen des Wiedehopfs gehört ein übel riechendes Sekret, dass die jungen Vögel aus einer Drüse ausscheiden, um Feinde abzuwehren, daher auch der Ausspruch "du stinkst wie ein Wiedehopf". Solche Erlebnisse bleiben den vogtländischen Beobachtern erspart, denn gebrütet hat bisher kein einziger Wiedehopf im Vogtland.

Den Vogel des Jahres findet der Naturschutzbund Deutschland seit zwei Jahren durch eine öffentliche Wahl. Fünf Vögel, die stellvertretend für den Artenrückgang stehen, standen diesmal zur Auswahl. Für Thoß eine gelungene Form der Öffentlichkeitsarbeit. "Immerhin haben sich knapp 143.000 Personen an der Abstimmung beteiligt. Auf diese Art und Weise wird die Bevölkerung stärker mit eingebunden."