Auf Gruppe zugerast: Gericht fällt Urteil

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Eine junge Frau ist vom Amtsgericht zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil sie vor einer Berufsschule eine Gruppe junger Leute gefährdet hatte. Dennoch bleibt die 24-Jährige auf freiem Fuß.

Plauen.

Der Fall hatte eine ganze Berufsschule in Plauen in Unruhe versetzt: Im Sommer vergangenen Jahres hatte eine 24-jährige Vogtländerin versucht, ihre damalige Lebensgefährtin vor der Einrichtung zur Rede zu stellen, weil man mal wieder miteinander Streit hatte. Weil ihre Freundin schon ins Gebäude der Schule geflüchtet war, fuhr die 24-Jährige in ihrer Wut mit ihrem Auto auf den Fußweg, um dort mit erhöhtem Tempo auf eine Gruppe junger Leute zuzufahren - alles Mitschüler und Mitschülerinnen ihrer Lebensgefährtin. Nur eineinhalb Meter vor der Gruppe stoppte sie den Wagen, verletzt wurde bei der Aktion niemand.

Nur wenige Wochen nach diesem Vorfall hatte die junge Frau versucht, mit ihrem Auto ein anderes Fahrzeug zum Anhalten zu zwingen, in dem ihre Freundin auf dem Beifahrersitz saß. Der Versuch schlug fehl, beide Autos krachten ineinander. Auch dabei gab es glücklicherweise keine Verletzten.

Beide Vorfälle brachten die 24-jährige Vogtländerin auf die Anklagebank des Amtsgerichts, in beiden Fällen warf ihr die Staatsanwaltschaft den Straftatbestand des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr vor. Zeugen der Vorfälle schilderten vor Gericht Details einer toxischen Beziehung zwischen den beiden Frauen. Immer wieder soll die Ältere ihrer jüngeren Freundin zugesetzt haben, sie nicht aus der Wohnung gelassen und ihr aufgelauert haben. "Das hat auch an der Schule hohe Wellen geschlagen", sagte eine Lehrerin der Berufsschule vor Gericht. Eine Mitschülerin schilderte den Moment, als das Auto auf die Gruppe zufuhr, mit diesen Worten: "Ich hatte wirklich Angst, dass sie uns anfährt."

Die Staatsanwältin warf der jungen Frau vor, ihr Auto als Waffe eingesetzt zu haben und forderte eine eineinhalbjährige Gefängnisstrafe. Die Verteidigerin der Angeklagten, die Plauener Rechtsanwältin Babett Reichardt, plädierte hingegen für mehr Augenmaß bei der Bewertung der Vorkommnisse. Ihre Mandantin habe "keine Absicht gehabt, jemanden zu gefährden oder zu verletzen", sagte sie. Das Gericht indes folgte in seinem Urteil den Ausführungen der Staatsanwaltschaft: eineinhalb Jahre Haft, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Damit bleibt die 24-Jährige auf freiem Fuß, muss aber 100 Arbeitsstunden in einer gemeinnützigen Einrichtung ableisten. Wann sie je wieder Auto fahren darf, ist offen: Ihr Führerschein bleibt bis auf Weiteres durch die Behörden eingezogen.

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