Erneut Protest gegen Corona-Auflagen in Plauen

Plauen.

Ohne offizielle Statements, Plakate oder Wortmeldungen hat am Samstagnachmittag in Plauen erneut eine Aktion gegen Coronaauflagen stattgefunden, die von den Initiatoren als Spaziergang bezeichnet wird. Die Veranstaltung verlief friedlich. Rund 200 bis 250 Teilnehmer, darunter zahlreiche Familien mit Kindern, schlossen sich bei leichtem Nieselregen dem Zug an, der sich fünf Minuten nach 15 Uhr vom Wendedenkmal im Stadtzentrum aus Richtung Altmarkt unter rhythmischem Klatschen in Bewegung setzte.

Am Wendedenkmal hatte bereits kurz zuvor der Runde Tisch für Demokratie, Toleranz und Zivilcourage im Vogtlandkreis zu einer angemeldeten Versammlung Position bezogen, mit der die Initiatoren an die Verabschiedung des Grundgesetzes vor 71 Jahren erinnerten. Auf einem Spruchband hieß es "Happy Birthday Grundgesetz", auf einem weiteren Plakat "Wir sind gesprächsbereit". Auf bunten Regenschirmen hatten die 20 bis 25 Teilnehmer verschiedene Artikel mit den im Grundgesetz verbrieften Grundrechten aufgemalt. Zu den Teilnehmern gehörten Vertreter der Partei Die Linke, der SPD, der Grünen und der Satirepartei Die Partei. Auf Seiten der Spaziergänger hielten sich zeitweise der Landtagsabgeordnete Frank Schaufel (AfD) und erneut auch Vertreter der rechtsextremistischen Partei Der Dritte Weg auf. Die Partei steht wegen verfassungsfeindlicher Bestrebungen unter behördlicher Beobachtung.

Für den Spaziergang war in Chatgruppen und sozialen Netzwerken mobilisiert worden. Auf dem Altmarkt angekommen, gab es erneut rhythmisches Klatschen und kurz auch "Freiheit"- und "Wir sind das Volk"-Rufe. Nach einer runden halben Stunde gingen die Teilnehmer auseinander. Angemeldet war die inzwischen dritte samstägliche Versammlung dieser Art laut Kreisbehörde erneut nicht. Vertreter des Landratsamtes beobachteten das Geschehen. Auch die Polizei war mit mehreren Beamten und Einsatzwagen vor Ort. Sie nahm Personalien von drei der Teilnehmer auf, die als mutmaßliche Initiatoren der unangemeldeten Versammlung gelten. (fp)


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6Kommentare
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  • 6
    1
    Alcapone
    24.05.2020

    #in-plauen.de, erster Ansatz; allerdings bedarf das einer umfassenden Weiterentwicklung. Ein online-gelbe Seiten wird da nicht reichen. Wirtschaftsförderung, Akteure, Entwickler, (Bürger) müssen sich da kreativ zusammenschweißen.

  • 6
    2
    ths1
    24.05.2020

    @BuboB: Gute Idee! Und für jede Demo-Teilnahme gibt es dann Treuerpunkte vom Händler des Vertrauens.

  • 6
    5
    BuboBubo
    24.05.2020

    @Alcapone: Eigentlich gibt es schon gute Ansätze - zum Beispiel die Plattform in-plauen.de, die bereits allerhand Adressen vorweist. Ob sich aus solchen Prototypen ein funktionierendes Netzwerk entwickeln kann, wird von der Kooperationsbereitschaft der Akteure, einer effektiven Unterstützung durch die Kommune und vor allem dem Willen der Bürger, etwas gegen die Verödung ihrer Stadt tun zu wollen, abhängen. Hilfreich wäre auch, wenn der Staat faire Rahmenbedingungen schaffen würde - indem zum Beispiel die weltweit agierenden Versandhändler genau so zur Kasse bittet wie den Einzelhandel vor Ort.
    Der größte Feind solcher Projekte ist jedoch der Egoismus, und der feiert gerade.

  • 13
    4
    Alcapone
    24.05.2020

    @BuboB: das ist in der Tat die entscheidende Frage jenseits von allen sog. Spaziergängern, Verschwörungstheoretikern, Nazis, ... Wie nutzt Plauen diese Krise positiv nach vorn? Der Einzelhandel müsste seinen Mehrwert gegenüber Amazon deutlich herausstellen und neue Wege zum „ran an den Kunden“ finden. Ich würde mir auch mehr regionale Vermarktung wünschen, statt große Ketten, da könnten sich Erzeuger zusammentun. Die Stadt könnte vielleicht lokale Startups unterstützen.

  • 14
    7
    BuboBubo
    23.05.2020

    Ich finde, Plauen sollte das als Chance sehen. Jahrelang hat das Stadtmarketing versucht, die Bahnhofstraße zu beleben. Viel Geld wurde in die wirklich lustigen Vater&Sohn-Skulpturen und in widerständige Spielgeräte investiert.
    Anonyme Aktivisten legen jetzt per Telegram & Co. kostenlos noch eins drauf. Die Straße füllt sich. Bingo!
    Jetzt müssen nur noch die Händler die Gunst der Stunde erkennen. Denn wer rechterhand mit dem Grundgesetz wedelt, hat links immer noch ein Händchen für ´nen Döner oder eine Bratwurstsemmel frei. Hinderlicher Mundschutz wäre ohnehin kein Problem. Also: Positiv denken, ran an die Kunden!

  • 12
    11
    Alcapone
    23.05.2020

    Wenn es keine Statements etc. gab woher weiß die FP, dass hier Leute gegen Corona-Auflagen demonstieren. Vielleicht haben sie heute auch für gutes Wetter demonstriert oder ihnen geht es um etwas ganz anderes wie Stimmung zu erzeugen, vielleicht sind es auch ganz einsame Menschen, die mal etwas Kuscheln wollen beim Spazieren.