Störche im Vogtland erneut ohne Nachwuchs

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Während im Landkreis Zwickau in diesem Jahr mit 30 geschlüpften Störchen ein neuer Rekord verzeichnet wurde, sieht es im Vogtlandkreis mau aus. Woran liegt das?

Weischlitz.

Schon das fünfte Jahr in Folge hat das Weißstorchenpaar in Weischlitz keine Jungen aufgezogen. Auch in Wallengrün, dort nisten Störche auf einem alten Betriebsschornstein, gab es keinen Nachwuchs.

Die Weischlitzer Störche beobachtet Ornithologe Werner Limmer schon seit 30 Jahren. Er sagt: "Dieses Jahr kamen die Störche erst im Mai und damit fünf Wochen später als in den anderen Jahren. Ich war schon sehr froh, dass die Störche überhaupt noch gekommen sind. Für eine Brut war es zu spät. Das Paar hat zwar ein paar Tage lang Brutverhalten gezeigt, dann aber wieder aufgehört." Offensichtlich können die Störche ganz genau einschätzen, wann sich eine Brut lohnt, so Limmer. Über die Ursachen für den ausgebliebenen Nachwuchs in den Vorjahren kann Limmer allerdings nur spekulieren. Auch die Gründe für die verspätete Ankunft bleiben letztendlich das Geheimnis der Vögel. Limmer vermutet, dass die Zugvögel wegen extremer Wetterlagen nicht fliegen konnten. "Starkregen oder Stürme zwingen die Vögel am Boden zu bleiben", so der Ornithologe. "Seine" Störche nehmen höchstwahrscheinlich auf ihrem Flug in das Winter- oder Sommerquartier die so genannte längere Westroute. "Sie fliegen über den Bosporus. Diese Vermutung liegt nahe, weil die Weischlitzer Störche im Vergleich zu Artgenossen, welche die Ostroute nutzen, immer sehr spät ankommen", so Limmer. Die Ostroute führe über Spanien. Je nachdem, ob die Störche in Nord- oder Südafrika überwintern, legen sie Strecken zwischen 4000 und 10.000 Kilometern zurück. Auf so einer langen Strecke könne viel passieren: "Das Nahrungsangebot kann zu gering sein. Stromleitungen werden oft zu tödlichen Hindernissen. Die Vögel können mit Umweltgiften in Kontakt kommen oder sie werden abgeschossen, auch das gibt es", erklärt Werner Limmer. Der Vogelkundler kann deshalb auch nicht mit Sicherheit sagen, wie viele Jahre immer dasselbe Brutpaar nach Weischlitz kommt oder inwiefern ein oder beide Partner wechseln: "Da wir die Vögel nicht beringen, wissen wir das nicht genau."

Meist entscheide das Nahrungsangebot über erfolgreiche Bruten. Die Weischlitzer Störche suchen nach Mäusen und Insekten auf den Wiesen rund um den Ort, fliegen aber auch bis zu zehn Kilometer lange Strecken bis Neundorf, Straßberg oder Rößnitz. "Außerdem bieten die Elsterauen Nahrung. Besonders nach Überschwemmungen, wie wir sie zuletzt hatten, finden die Vögel dort Fressbares, denn sie ernähren sich auch von toten Fischen", berichtet der Vogelkundler.

Für die Weißstörche geht in diesen Tagen ihr Aufenthalt im Brutgebiet schon wieder zu Ende. "Meist fliegen sie im August wieder in ihr Überwinterungsquartier. Solange die Weißstörche jedes Jahr wiederkommen, besteht auch die Hoffnung, dass sie brüten", sagt Limmer.

Das Vogtland biete leider keinen optimalen Lebensraum für Weißstörche, deshalb gebe es auch nur so wenige Brutpaare, erklärt Michael Thoß, der Leiter der Arbeitsgruppe Ornithologie und Vogelschutz in Auerbach. Etwas besser gestalte sich die Situation bei den Schwarzstörchen. Vier bis sechs Brutpaare sind den Vogelkundlern bekannt. Ihre Horste, die die Vögel im Wald auf hohen Bäumen bauen, haben besonderen Schutz. "Schwarzstörche reagieren während der Brut sehr empfindlich auf Störungen. Waldbesitzer sollten in dieser Zeit deshalb auf alle Arbeiten im Wald verzichten, auch auf Wegebau", berichtet Michael Thoß. Schwarzstörche bewohnen oft viele Jahre denselben Horst. Sie seien auf saubere Fließgewässer angewiesen. "Da sich die Wasserqualität im Vogtland verbessert hat, gibt es auch mehr Schwarzstörche", so Thoß.

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