Sturm "Sabine" im Vogtland: Umgestürzte Bäume, Bahn-Stopp und Stromausfall

Das Orkantief hat in der Nacht zum Montag das Vogtland überquert. Einige Dächer und Autos wurden beschädigt. Die Schadensbilanz am Tag danach fällt dennoch glimpflich aus.

Plauen.

Überschaubar sind die Auswirkungen von Sturmtief "Sabine" im Vogtlandkreis. Die Vogtlandbahn stoppte den Bahnverkehr von Sonntagabend bis Montagmittag. Einige Strecken sind noch gesperrt, es kommt zu Verspätungen und Zugausfällen. Rund 1200 Kunden des Versorgers Mitnetz Strom hatten im Vogtlandkreis Stromausfälle zu beklagen. Mehrere Bäume stürzten um und beschädigten in Auerbach und Tiefenbrunn parkende Autos. Zudem wurden Hausdächer in Plauen und Netzschkau teils oder ganz abgerissen. 

Die Polizei bilanziert: Laut Polizeidirektion Zwickau gingen von Sonntagabend bis Montagvormittag 40 Anrufe zu den Folgen des Sturms ein. Bei 18 Anlässen rückten Beamte aus. Anlässe waren vor allem umgefallene oder entwurzelte Bäume, die Straßen blockierten oder Sachschäden verursachten. Verletzt wurde niemand. 

Der Rettungszweckverband "Südwestsachsen" fasst zusammen: Seit Beginn des Sturmtiefs "Sabine" registrierte die Integrierte Regionalleitstelle Zwickau bis 14.30 Uhr am Montag insgesamt 335 Einsätze der Feuerwehr. Davon 157 im Vogtlandkreis. Der Schwerpunkt der Einsätze lag im Beseitigen von umgestürzten Bäumen. 

Die Vogtlandbahn: Bereits am Sonntagabend hatte die Länderbahn den Betrieb eingestellt. Dazu zählten auch alle Verbindungen der Vogtlandbahn. Alles lief geordnet ab, betonte Unternehmenssprecher Jörg Puchmüller: "Alle Fahrgäste und die Länderbahn-Mitarbeiter kamen sicher an ihre Zielorte." Es wurden keine Triebwagen oder Züge beschädigt. Laut Bahnunternehmen sind aber Schäden an der Infrastruktur entstanden. Der Sturm hat eine Reihe von Baumstürzen in allen Netzen verursacht, so die Länderbahn nach einem ersten Überblick der Sturmschäden am Montag. Gegen 8 Uhr begannen im Vogtland Erkundungsfahrten mit Sägetrupps an Bord, teilte Puchmüller mit. "Diese schätzen den Zustand der Strecken ein und beräumen die Gleisanlagen", erklärte er. Feuerwehr, THW und DB Netz unterstützen dabei. Am Nachmittag teilte Puchmüller mir, dass die Länderbahn-Verkehre in Sachsen seit mittags wieder aufgenommen worden seien. "Die Züge des trilex fahren auf allen Strecken, jedoch aufgrund des anhaltend starken Windes aus Sicherheitsgründen mit verminderter Geschwindigkeit", erklärte er. Aufgrund dessen komme es zu großen Verspätungen und vereinzelten Zugausfällen. Die Vogtlandbahn-Strecken zwischen Zwickau, Falkenstein und dem tschechischen Kraslice sowie zwischen Greiz und Gera sind laut Sprecher weiterhin aufgrund zahlreicher Baumstürze gesperrt. Auf den anderen Strecken fahren die Züge, allerdings auch hier mit verminderter Geschwindigkeit und entsprechenden Verspätungen. Durch die anhaltende Starkwindlage kann es erneut zu Beeinträchtigungen kommen, so Puchmüller: "Der morgige Betriebsstart wird in Sachsen zunächst mit Erkundungsfahrten ohne Fahrgäste starten."

Stromausfälle: Im Netzgebiet von Mitnetz Strom hat das Tief für einige Stromausfälle gesorgt. Wie die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom mbH am Montag mitteilte, waren gegen 5.10 Uhr rund 6500 Kunden ohne Strom. Am stärksten betroffen waren die Landkreise Mittelsachsen (2800 Kunden) sowie der Vogtlandkreis (1200 Kunden) Schwerpunkte waren in der Region Untertriebel, Ebersbach bei Eichigt, Süßebach, Großzöbern, Engelhardtsgrün, Pirk, Dröda, Ottengrün, Obertriebel, Burkhardtsgrün, Wiedersberg, Sachsgrün, Troschenreuth, Zettlarsgrün, Blosenberg, Bobenneukirchen und Heinersgrün. Grund waren vor allem herunterfallende Äste und umfallende Bäume. Mitnetz-Mitarbeiter seien mit Hochdruck dabei, die Störungen zu beheben, so Evelyn Zaruba von der Mitteldeutschen Netzgesellschaft Strom. Gegen 10 Uhr waren laut Zaruba noch rund 500 Kunden ohne Strom. Derzeit seien es rund 230 Kunden in Bösenbrunn und Untertriebel. Hauptursache für die Stromausfälle seien umgestürzte Bäume sowie herabfallende Äste, die Leitungen herunterrissen. Auch für Oelsnitz teilten die Stadtwerke Stromausfälle mit. In Hartmannsgrün hätten umgestürzte Bäume die Freileitung im oberen Ortsteil beschädigt - 20 Haushalte seien zeitweise betroffen gewesen. Auch im unteren Bereich der Hofer Straße sei es zu Schäden an der Freileitung gekommen. Die Feuerwehr sicherte die Leitung. Die Arbeiten dauerten bis in die Mittagsstunden. 

Beschädigte Autos: In Auerbach hat die Leitstelle laut Stadtverwaltung am Montagmorgen trotz glimpflicher Lage nach dem Sturm eine Sonderlage ausgerufen. "Wir halten jetzt mit 30 Kameraden die Stellung und koordinieren die Lage. Acht Einsätze mit umgestürzten Bäumen haben uns in der Nacht beschäftigt. Personenschäden gab es keine. Am Feldschlösschen wurden aber vier dort geparkte Pkw durch einen Baum fast vollständig demoliert", berichtete Auerbachs Wehrleiter Nico Voigtländer. Nach Polizeiangaben handelte es sich um einen Kia, einen Skoda, einen VW sowie einen Mercedes-Kleintransporter. Sachschaden: rund 20.000 Euro. Auch im oberen Vogtland, in Tiefenbrunn, erwischte es ein Auto: Es wurde von einer umgestürzten Birke demoliert. 

Abgedeckte Häuser: An der Hegelstraße in Plauen hat der Sturm ein Wohnhaus abgedeckt. Feuerwehrleute waren im Einsatz. Ein Teil des Flachdachs wurde durch eine Windbö abgedeckt. Seit etwa 11 Uhr ist laut der Hausverwaltung Wilhelm, vertreten durch die Regio Hausverwaltung, die Feuerwehr am Haus im Einsatz. "Was dort lose hängt, wird runtergenommen. Was unten liegt, wird entsorgt", erklärte die Regio Hausverwaltung. Nun müsse eine neue Dämmung aufgebracht werden, hieß es auf Anfrage. Niemand sei verletzt worden, die Mieter könnten in der Wohnung bleiben. Den Netzschkauer Kindergarten Märchenland traf es schlimmer: Dort riss der Orkan das Dach ab. Wie Bürgermeister Mike Purfürst (Gewerbeverein) der "Freien Presse" mitteilte, geschah dies zur Mittagszeit. "Zum Glück wurde dabei niemand verletzt", so Purfürst. "Es waren zu diesem Zeitpunkt rund 65 Kinder anwesend. Das sind weniger als sonst. Dies liegt an der Urlaubs- und Ferienzeit." Das Gebäude an der Elsterberger Straße wurde sofort evakuiert. Die meisten Kinder sind mittlerweile von ihren Eltern abgeholt worden. Die anderen Mädchen und Jungen wurden provisorisch im Gebäude der Feuerwehr untergebracht. Das Kita-Gebäude kann bis auf Weiteres nicht mehr genutzt werden. Wie Bürgermeister Purfürst mitteilte, sollen die Kinder nach Möglichkeit vorerst in der Kita Schloßpark betreut werden. Auch die Feuerwehr selbst blieb nicht verschont: Sturm "Sabine" nahm das Dach des Gerätehauses der freiwilligen Feuerwehr Unterheinsdorf mit. Das teilten die Kameraden auf Facebook mit.

Straßensperrungen: Aufgrund von Sturmschäden wurde die K 7830 zwischen Hammerbrücke und Tannenbergsthal gegen 6 Uhr am Montag zeitweise gesperrt. Das teilte der Rettungszweckverband Südwestsachsen mit. Gegen 7.30 Uhr wurde die Sperrung nach Verbandsangaben wieder aufgehoben. Für Lkws gesperrt wurde laut Verband wegen Sturmschäden auch die Göltzschtalstraße (S 295) zwischen Weidig und Gasthaus Waldfrieden, wo es aktuell ohnehin Einschränkungen aufgrund von Holzernte und Böschungssicherung gibt. 

Wälder: Revierleiter und Förster im Forstbezirk Adorf verschaffen sich einen ersten Überblick über die Schäden im Staatswald im Vogtland. Bis Dienstagmorgen 8 Uhr erwartet Fortsbezirksleitern Hansi-Heike Lerche eine Lageeinschätzung. "Wir haben enorme Schäden befürchtet. Es sieht aber glücklicherweise so aus, als seien die Schäden weit geringer als nach den Stürmen Herwart und Friederike", sagte sie auf Nachfrage. Die Verantwortliche rechnet insbesondere mit Brüchen und Nachwürfen auf den bisherigen Freiflächen nach den vergangenen Sturm- und Borkenkäferschäden sowie an Waldrändern. Priorität haben aber Brüche und Schäden an Straßenrändern. Aktuell werden dort Bäume beseitigt. Neue Schäden auch im Forstbezirk Plauen: Nach ersten Schätzungen rechnet Sachsenforst im Landeswald mit 3000 Festmeter Schadholz, im Kommunal- und Privatwald sogar mit 5000 Festmeter. "Es handelt sich nicht um Flächenwürfe, sondern um einzelne Bäume an bereits durch Borkenkäfer- und Sturmschäden betroffenen Freiflächen", erklärt Sprecherin Ines Bimberg. Zum Teil sind Bäume nur angekippt, die jetzt beseitigt werden müssen. Vorrang hat die Wege- und Verkehrssicherung. "Es ist im Moment nicht ungefährlich im Wald", betont Bimberg. Bis zum Wochenende will der Forstbezirk eine Sturm-Bilanz aufstellen.

Skilifte und Eisbahn zu: Touristen und Wintersportler müssen mit Einschränkungen leben: Die Lifte in der Skiwelt Schöneck stehen am Montag still. Aktuell sei kein Liftbetrieb möglich, da alle Feuerwehren und Einsatzkräfte im Einsatz sind, teilten die Betreiber mit. Das Betreten der Wälder aufgrund von Windbruch und gegebenenfalls noch umstürzende Bäume sei untersagt. Die Eisbahn im vogtländischen Oelsnitz bleibt wetterbedingt am Montag bis 13 Uhr geschlossen. Das teilten die Betreiber auf der Facebook-Seite der Freizeiteinrichtung mit.

Friedhof geschlossen: In Reichenbach hat aufgrund der Wetterlage und vermehrten Sturmbruchs auf den städtischen Friedhöfen die Friedhofsverwaltung die Ruhestätten in Reichenbach und den Ortsteilen geschlossen. Das teilte Stadtsprecherin Heike Keßler mit. Sollte sich die Wetterlage nicht bessern, so Keßler, würden die Friedhöfe auch die folgenden Tage geschlossen bleiben. Nähere Infos gibt es bei der Friedhofsverwaltung unter Telefon 03765-21617.

Das sagen Wetter-Experten: Laut Deutschem Wetterdienst hatte sich das Sturmtief "Sabine" in Sachsen gegen 9.30 Uhr erst einmal beruhigt. Der Deutsche Wetterdienst hatte kurz vor 6 Uhr am Montagmorgen seine Unwetterwarnung für Sachsen vor schwerem Gewitter aufgehoben. Bis in den Dienstag hinein seien Sturmböen (Windstärke 9) wahrscheinlich, in Verbindung mit Gewittern auch schwere Sturmböen (WS 10) sowie einzelne orkanartige Böen (WS 11). (nd/nij/em/hagr/nie/gb)

Im Video: "Sabines" Spuren in Auerbach (Video: David Rötzschke):

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