Vogtlandkreis: Landkreis räumt Rückstau bei Kontaktverfolgung ein

Immer mehr Infektionsfälle im Vogtland bringen das Gesundheitsamt an seine Grenzen. Die Zahl der Quarantänefälle ist so hoch wie noch nie. Das Amt will an Weihnachten und rund um den Jahreswechsel durcharbeiten, um den Stau in den Griff zu bekommen - mit Hilfe der Bundeswehr.

Plauen.

Weil die Anzahl positiv auf Corona getesteter Vogtländer zuletzt deutlich gestiegen war, ist es im Gesundheitsamt des Vogtlandkreises zu einem Rückstau bei der Ermittlung und Kontaktverfolgung gekommen. Dies räumte Uwe Heinl, Pressesprecher des Landratsamtes, am Montag in einer Medieninformation ein. Details zum Umfang des Rückstaus nannte er nicht.

Laut Kreisbehörde befanden sich am Montag 1236 Personen im Vogtland nach einem positiven Coronatest in Quarantäne - so viele wie nie seit Auftreten des Virus im Landkreis. Am Freitag hatte diese Zahl noch bei 1055 gelegen. Das bedeutet einen Anstieg von fast 200 aktiven Fällen über das Wochenende. Für Samstag und Sonntag veröffentlicht das Landratsamt keine aktuellen Zahlen. 134 Personen starben seit dem Frühjahr im Vogtland an oder mit Corona.

Um den Rückstau in den Griff zu bekommen, will das Gesundheitsamt auch an den Weihnachtstagen und rund um den Jahreswechsel durcharbeiten. "Dazu werden Mitarbeiter aus anderen Ämtern ihre Kolleginnen und Kollegen im Gesundheitsamt unterstützen. Zusätzlich werden Mitarbeiter der Bundeswehr zum Einsatz kommen. Ziel von uns allen muss es sein, Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren", erklärte Kreissprecher Heinl. Anspruch sei und bleibe es, positiv getestete Personen so rasch wie möglich zu informieren.

Gleichzeitig machte die Landkreisverwaltung darauf aufmerksam, sich im Falle eines von einem Arzt oder Labor bekanntgegebenen positiven Testergebnisses vorsorglich in Eigen-Quarantäne zu begeben, bis die endgültige Test-Information vorliegt.

Personen, die durch ihren Hausarzt oder in einer Corona-Ambulanz positiv getestet wurden, werden gebeten, sich umgehend telefonisch im Gesundheitsamt in Plauen unter Ruf 03741 300-3570 zu melden oder die Kreisbehörde via E-Mail an corona@vogtlandkreis.de zu kontaktieren.

"Freie Presse"-Leser hatten zuletzt berichtet, dass sie selbst als nahe Kontaktpersonen von infizierten Vogtländern zuletzt aus dem Gesundheitsamt keine Informationen erhalten hätten. Das Gesundheitsamt sei zudem schlecht zu erreichen gewesen.

Noch vor anderthalb Wochen hatte es bei einem Besuch von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zur Situation im Gesundheitsamt geheißen: "Noch schaffen wir es."

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11 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 5
    2
    BuboBubo
    21.12.2020

    Ich gehe davon aus, dass jeder im Gesundheitsamt - inklusive der Helfer - tut, was möglich ist. Warum geht trotzdem einiges schief? - Ich stelle mir die Arbeit dort momentan so vor wie zur Jahrhundertflut an einem Hochwasserdeich, durch den es überall durchsickert. Nicht mehr beherrschbar. Als Privilegierter, der über den Jahreswechsel weder arbeiten kann noch muss, möchte ich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Gesundheitsamt Dank und Anerkennung für ihren Einsatz aussprechen. Das gilt nicht nur für den Vogtlandkreis, sondern für das ganze Land, denn es gibt bekanntlich Regionen, wo die Deiche schon am Brechen sind. Alle, die hier arbeiten und mithelfen, haben sich Weihnachten und Silvester bestimmt anders vorgestellt. Ich wünsche ihnen Kraft und Durchhaltevermögen und, um mit unserem Karzl zu sprechen: Ä bissl Gaahd un Hahmlichkeit nei in eier Laahm!