Vogtland Philharmonie verkürzt Sommerpause

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Flexibel durch die Krise: Das Orchester aus Greiz und Reicheenbach geht mit zwei Konzerten an der Göltzschtalbrücke in den (Kurz-)Urlaub.

Plauen/Reichenbach.

Die Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach legt in der Corona-Krise noch mehr an Flexibilität zu. Um die aktuell niedrigen Inzidenzwerte zu nutzen, verkürzt Intendant Stefan Fraas die Sommerpause. Statt der üblichen vier bis fünf Wochen soll der Betrieb in diesem Sommer nur drei Wochen ruhen. Der Urlaubsplan für die 65 Musiker wurde variiert und gestaffelt, um mehr Konzerttermine zu ermöglichen. Wenn auch nicht mit "voller Kapelle", so doch in kleineren Besetzungen. "Das ist ein Bekenntnis der Musiker: Wir werden jetzt gebraucht", betont Stefan Fraas. Von keinem Musiker habe er anderes vernommen.

Denn wer weiß schon, welche neuen Corona-Beschränkungen im Herbst warten. Dementsprechend wurde der Neustart, mit gedeckelten Besucherzahlen, genutzt. Fünf Sinfoniekonzerte in einer Woche - alle ausverkauft. Im Plauener Parktheater durften nahezu 1000 Besucher "Classics unter Sternen" erleben. Trotz Corona hofft Fraas auf 140 Konzerte in der Saison 2021/22 - fast so viele wie vor der Krise. "Alles ist fragil, aber die Menschen sind hungrig auf Kultur." Das Live-Erlebnis, der soziale Aspekt der Begegnung, der lange Verzicht: Viele Gäste erleben die Rückkehr der Kultur tief berührt und emotional.

Der Intendant muss mit der Situation pragmatisch umgehen. Der schwer planbaren Gesamtlage entsprechend gibt es diesmal kein Jahresprogramm der Vogtland Philharmonie. Stattdessen informiert das Orchester in ungewissen Zeiten auf der Homepage und über Flyer, wie den gerade herausgegebenen für die Monate August/September. Mit dem Erfolgsformat "Sounds of Hollywood" am 16. und 17. Juli an der Göltzschtalbrücke in Netzschkau geht es in die verkürzte Pause, mit dem Eröffnungskonzert der Schleizer Bachwoche am 15. August startet die Konzertsaison 2021/22.

Doch was machen Musiker in Kurzarbeit? Reicht es, sich mit 25Prozent verbliebener Arbeitszeit in Form zu halten? Natürlich probt jeder zu Hause, doch es ging in der Corona-Zwangspause immer auch um das Zusammenspiel. "Das muss gepflegt werden", sagt Fraas. Deshalb wurde das gemeinsame Musizieren auch während der Kurzarbeit nach Kräften und Möglichkeiten praktiziert. "Deshalb starten wir jetzt nicht von null auf 100, sondern von 40 auf 100." In der Zwangspause nutzten die Musiker die Freiräume auch für CD- und Videoaufnahmen, für Filmmusik und andere Projekte.

In normalen Jahren gehört die Vogtland Philharmonie zu den Orchestern, die besonders viel Geld einspielen. So erlebten im Rekordjahr 2016 insgesamt 103.000 Gäste 149 Konzerte, das Orchester holte fast eine Million Euro herein. Den Einnahmeverlust durch Corona beziffert Stefan Fraas auf rund 800.000 Euro. Dank staatlicher Hilfen behält die Vogtland Philharmonie den Kopf über Wasser. "Außerdem", so Intendant Fraas, "fahren wir einen absoluten Sparkurs."