"Es ist ein seltsames Gefühl"

Der Oberbürgermeister von Hohenstein-Ernstthal, Lars Kluge (CDU), über die Schutzmaskenpflicht, den Grand Prix und die Gewerbesteuereinnahmen in Corona-Zeiten

Hohenstein-Ernstthal.

Wie sehr trifft die Corona-Krise die Karl-May-Stadt? Oberbürgermeister Lars Kluge (43, CDU) befürchtet zum Beispiel, dass 2020 der Grand Prix auf dem Sachsenring gänzlich ins Wasser fällt. Erik Kiwitter hat mit dem OB gesprochen.

Freie Presse: Halten Sie sich an die Schutzmaskenpflicht, Herr Kluge?

Lars Kluge: Selbstverständlich trage ich beim Einkaufen einen Mund-Nasen-Schutz. Aber ich muss schon sagen, das ist ein seltsames Gefühl. Vor ein paar Wochen hätte ich das nicht für möglich gehalten.

Jetzt sieht die Realität aber so aus, dass sogar der Motorrad Grand Prix wegen der Corona-Krise erst einmal verschoben wurde.

Ja, das ist bitter. Und wenn man mal ganz ehrlich ist, dann muss man wohl oder übel davon ausgehen, dass der Grand Prix 2020 ganz wegfällt. Was wirtschaftliche Probleme nicht vermocht haben, das schafft jetzt das Virus. Meiner Meinung nach gibt es für einen Grand Prix auf dem Sachsenring im September oder Oktober kaum noch einen freien Termin im internationalen Rennkalender. Das wäre ein herber Schlag.

Wie sehr trifft das viele Händler und Gewerbetreibende in der Stadt?

Zum einen sind sie ja erst einmal durch die Corona-Krise und die Ladenschließungen schwer gebeutelt. Dann wird auch noch der Grand Prix verschoben oder er wird ganz gestrichen. An dem Rennen haben viele gut verdient. Es ist also ein ganz bitteres Jahr.

Wie stehen Sie zu den vielen Sicherheitsmaßnahmen oder Kontaktsperren?

Sie sind ungewohnt, das ist klar. Aber ich halte sie für richtig. Auf der einen Seite erscheint die Krankheit weit weg, auf der anderen Seite kann sie aber auch ein Familienmitglied oder einen selbst treffen. Spätestens dann wird klar, dass man sich unbedingt an die Vorkehrungen halten sollte. Trotzdem wünsche ich mir bald eine schrittweise Rückkehr zur Normalität.

Wie geht die Stadt mit Unternehmen oder Bürgern um, die Schulden bei ihr haben?

Seit Mitte März verschicken wir keine Mahnbescheide mehr. Das gilt erst einmal bis zum 30. April. Bis Ende des Jahres setzen wir Vollstreckungen aus.

Unternehmen können Anträge auf Stundung von Steuerforderungen stellen. Rechnen Sie damit, dass die Stadt in diesem Jahr weniger Gewerbesteuern einnimmt?

Grundsätzlich gehe ich schon davon aus. Wir haben dieses Jahr mit 3,4 Millionen Euro an Gewerbesteuereinnahmen gerechnet. Wahrscheinlich erreichen wir diesen Betrag nicht. In welchem Umfang es Einbußen geben wird, das kann ich jetzt noch nicht sagen. Am 15. Mai werden die nächsten Vorauszahlungen durch die Unternehmen fällig. Dann sind wir schlauer. erki


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