Senior aus Fraureuth: 65 Jahre unfallfrei und noch nie geblitzt

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Manfred Sander setzt sich mit seinen 83 Jahren noch immer gern hinter das Steuer. Mit einer Simson SR 1 fingen seine Fahrkünste an.

Fraureuth.

Ein weißer Trabant S 101 Deluxe: Das war Manfred Sanders erstes Auto. Auf den hatte der 83-jährige Fraureuther über zehn Jahre lang warten müssen. Der Bestellschein, ausgestellt 1978 vom IFA-Vertrieb in Zwickau, liegt bis heute bei dem Senior in der Schublade. "Letztendlich hatte ich Glück gehabt und konnte von einem Ehepaar ein gebrauchtes Fahrzeug abkaufen, sonst hätte ich noch einige Jahre länger ausharren müssen." Seit 65 Jahren ist der gelernte Maler, der unter anderem für die IFA in Werdau tätig war, jetzt auf deutschen und europäischen Straßen unterwegs. Mittlerweile wesentlich komfortabler in einem Ford B-Max, den er hegt und pflegt. Seine Bilanz: kein einziger Unfall und null Punkte in Flensburg.

An seine Führerscheinprüfung in Werdau kann sich der 83-Jährige noch ganz genau erinnern: "Ich weiß noch, dass ich die Funktionsweise von einem Vergaser und einer Magnetzündung auswendig lernen musste. Während der praktischen Prüfung fuhr ein Polizist auf der Rückbank mit. Das war zu DDR-Zeiten so üblich. Ich war danach erleichtert, als ich meinen Führerschein schließlich in der Tasche hatte." Zum Fahrausweis gab es damals außerdem noch eine Stempelkarte, auf der verkehrswidrige Vergehen vermerkt wurden. "Nach fünf Stempeln musste man dann noch einmal ein Verkehrstest ablegt werden. Da aber zu DDR-Zeiten kaum Polizeikontrollen durchgeführt wurden, war das äußerst selten der Fall", so der Fraureuther, der vor seinem Autoführerschein erst auf einer Simson SR 1 und später auf einer Jawa 350 unterwegs war.

Nach der Wende habe sich das dann drastisch geändert. Mit dem zunehmenden Verkehr, der einsetzte, wachten die Polizeibeamten strenger über die Einhaltung der Verkehrsregeln. Jedoch sei der Fraureuther bis zum heutigen Tag noch nie von einer Verkehrskontrolle herausgezogen worden: "Mit der Polizei hatte ich das erste Mal vergangenes Jahr zu tun gehabt, als ein anderer Autofahrer einen Kratzer an mein Auto fuhr. Die Polizeibeamten staunten nicht schlecht, als ich ihnen meine Fahrerlaubnis noch aus DDR-Zeiten vorzeigte."

Dieser auch noch gültig, bestätigte Falk Ester, Pressesprecher des Landkreises, auf Nachfrage der "Freien Presse": "Eine Umtauschpflicht eines DDR Führerscheins gibt es bisher nicht." Sollte der DDR-Führerschein nicht mehr lesbar oder das Foto kaum noch zu erkennen sein, empfehle das Straßenverkehrsamt allerdings einen Umtausch. "Wer sich nicht von seinem DDR-Führerschein, der ihn über Jahrzehnte begleitet hat, trennen will, der kann ihn beim Umtausch mit der Aufschrift 'ungültig' versehen lassen und wieder mitnehmen", so die Leiterin des Straßenverkehrsamtes, Daniela Gehlhaar.

Auf die Frage, wie er es geschafft hat, bis heute unfallfrei durch die Gegend zu fahren, antwortet Sander schmunzelnd: "Ich hatte einfach Glück gehabt. Meine Lebensgefährtin ist nämlich der Meinung, dass ich gerne mal aufs Gas drücke."

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