Bürger können Pläne zur neuen Stromtrasse anschauen

2025 soll die neue Höchstspannungsleitung Röhrsdorf-Weida-Remptendorf in Betrieb gehen. Netzbetreiber 50 Hertz geht derzeit mit dem Dialog-Mobil in die Offensive. Dabei setzt das Unternehmen auf Information, um Vorbehalte auszuräumen.

Am Dialog-Mobil des Netzbetreibers 50 Hertz holten sich Landwirte Informationen aus erster Hand zur neuen Höchstspannungstrasse.
Bürger können Pläne zur neuen Stromtrasse anschauen

Von Hans-Peter Kuppe

Im Planfeststellungsverfahren zum Bau der neuen 380-kV-Freileitung zwischen den Umspannwerken Röhrsdorf in Sachsen sowie Weida und Remptendorf in Thüringen läuft die finale Phase. Mit dem Neubau will Netzbetreiber 50 Hertz die Stromübertragungskapazität zwischen Sachsen und Thüringen deutlich erhöhen. Die bestehende rund 100 Kilometer lange Trasse wird derzeit mit 2500 Ampere je Stromkreis betrieben, künftig sollen Stromstärken von 3600 Ampere möglich werden.

Die Planungsunterlagen will 50 Hertz am Jahresende bei der Bundesnetzagentur in Bonn zur Genehmigung einreichen. Bereits Ende Februar 2020 hatte die Bundesfachplanung einen 1000 Meter breiten Korridor für den östlichen Abschnitt der Trasse festgelegt. Seitdem wurden verschiedene Varianten für die Trassenführung erarbeitet. Dafür gab es aus einigen Orten Gegenwind. Callenberg hat bereits im Juni 2019 den Neubau der Trasse grundsätzlich abgelehnt.

Die neue Trasse soll insgesamt rund neun Kilometer länger werden als die alte. "Weil der Querschnitt der Leiterseile erhöht wird, benötigen wir auch größere Masten", erklärt Dirk Manthey, Pressesprecher des Netzbetreibers. Mit den größeren Masten erhöht sich auch der Mindestabstand der Leiterseile von 8,50 auf 12 Meter. "Das hat den Vorteil, dass die Landwirtschaft mehr Arbeitshöhe zur Verfügung hat. Das gibt den Landwirten mehr Sicherheit bei der Feldarbeit."

Der Unternehmenssprecher war kürzlich mit dem 50 Hertz-Dialog-Mobil in Waldenburg und Callenberg auf Achse. Dort hatten Bürger Gelegenheit, über ihre Vorbehalte mit den Vertretern des Netzbetreibers zu diskutieren. Projektleiterin Elke Korn und Dirk Manthey stellten die Planfeststellungsunterlagen vor und waren gefragte Ansprechpartner. Jeweils rund 20 Bürger nahmen die dreistündigen Informationstermine wahr. "Die Planung ist jetzt sehr konkret. Deshalb kamen ausnahmslos Eigentümer, die die Bereiche entlang der Trasse land- oder forstwirtschaftlich nutzen", so Elke Korn. "Die meisten kannten wir schon von unserem ersten Besuch im Februar 2020 in Callenberg. Die Hinweise von damals sind in die aktuelle Planung mit eingeflossen", sagt Dirk Manthey. Meist ähnelten sich die Fragen: Steht der neue Mast auf meinem Grund und Boden? Wie weit rückt die Trasse zum Wald hin? Müssen Bäume gefällt werden?

Fest steht: Die neue Trasse macht um Röhrsdorf und Limbach-Oberfrohna einen Bogen. Nach Prüfung der technischen und Umweltbelange ist nun auch klar, dass die neue Höchstspannungsleitung nahezu achsgleich wie die bisherige 380-kV-Leitung die Thomas-Müntzer-Siedlung in Dürrenuhlsdorf passiert. "Die Variante einer nördlichen Umfahrung von Dürrenuhlsdorf kann unter anderem aufgrund stärkerer Umweltauswirkungen nicht realisiert werden. Die Situation hinsichtlich der Emissionen bleibt annähernd gleich", so der Unternehmenssprecher.

In Langenchursdorf rückt die Trasse etwas näher an den Ort heran. Dort haben sich die Planer für die Vorzugsvariante B1 entschieden. Den genauen Trassenverlauf bekamen die Interessenten auf einem Handzettel mit, der auch die alternative Variante B2 zeigt. Die Entscheidung für die ortsnähere Variante begründet Manthey ebenfalls mit Umweltaspekten. "Wir hätten bei der anderen Variante in wertvolle Waldbestände eingreifen müssen. Andererseits werden wir die bestehende 20-kV-Leitung und die 380-kV-Leitung bündeln. Sie rücken im Planungskorridor näher zusammen."

Läuft alles nach Plan, dann werden die Unterlagen im November fertiggestellt. Dem schließt sich das Anhörungsverfahren der Bundesnetzagentur an. 50 Hertz rechnet jetzt damit, dass im Dezember 2022 der Planfeststellungsbeschluss durchgewunken wird.

Hintergrund

Netzbetreiber 50 Hertz versorgt seinen Angaben nach im Osten und Norden Deutschlands 18 Millionen Menschen mit Strom. Dafür betreibt die Firma ein Leitungsnetz, das mit 10.200 Kilometern etwa so lang ist wie die Entfernung von Berlin nach Rio de Janeiro. Auf Basis des Netzausbaubeschleunigungsgesetzes hat das Unternehmen mehrere Projekte in Arbeit. Hintergrund ist die Stärkung des Leitungsnetzes, um die in den Offshore-Windparks in der Ostsee erzeugte Energie auch nach Süddeutschland zu bringen. Im Zuge dessen werden alte Leitungen durch neue ersetzt. Das Vorhaben Röhrsdorf-Remptendorf ist die Nummer 14 im Bundesbedarfsplangesetz. (hpk)

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