E-Autos: Braucht das Amt wirklich Mittelklassewagen?

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Die Landkreisbehörde will ihre Fahrzeugflotte weiter mit E-Autos ausrüsten. Sie plant 25 Prozent höhere Kosten ein als für den Kauf von herkömmlichen Verbrennern. Das ist den Linken zu teuer.

Landkreis.

Autos sind ein teurer Spaß. Vor allem der Kauf von E-Fahrzeugen schlägt derzeit noch ziemlich derb ins Kontor. Wie teuer sollte ein elektrobetriebenes Fahrzeug sein - gerade wenn der Steuerzahler für den Kauf aufkommen muss? Reicht im Zweifelsfall nicht auch ein kleineres und preisgünstigeres Elektroauto?

Auf der Kreistagssitzung in dieser Woche gab es eine durchaus spannende Debatte zu diesem Thema - angeschoben von der Linksfraktion um ihren Chef Alexander Weiß. "Braucht eine Behörde wie dasLandratsamt wirklich unbedingt Mittelklassewagen, nur um vielleicht Platz für eine Laptoptasche zu haben oder eine Anzugjacke im Auto aufzuhängen?", fragte der Kreisvorsitzende der Linken während der Sitzung in der Sachsenlandhalle. Er gab die Antwort gleich selbst. Sie lautete: nein, natürlich nicht.

Das Landratsamt will seine Fahrzeugflotte modernisieren. Das Zauberwort heißt E-Auto. Aber die Behörde hat von einem Hybridfahrzeug noch kein einziges in ihrem Bestand. Im Herbst vergangenen Jahres beschloss der Kreistag indes ein sogenanntes Klimaschutzkonzept - und ist seither quasi verpflichtet, auf diesem Gebiet etwas zu unternehmen. So legte der am Mittwoch offiziell in seinem Amt vereidigte Landrat Carsten Michaelis (CDU) den Kreisräten einen Plan zur Abstimmung vor, wonach der Landkreis in den kommenden Jahren seine derzeitige Verbrenner-Fuhrparkflotte mit elektrobetriebenen Autos ersetzen will. Derzeit hat die Behörde 64 Fahrzeuge in seinem Bestand - die sollen nun schrittweise noch ab diesem Jahr bis 2025 ersetzt werden. "Im genannten Zeitraum werden auf Basis des Konzepts mindestens 18 elektrifizierte Fahrzeuge für den Fuhrpark der Landkreisverwaltung beschafft", heißt es offiziell in der Beschlussvorlage des Landrates. Ausgenommen von dem Plan sind Bereiche des Fuhrparks, die zum Beispiel für den Rettungsdienst oder den Winterdienst gedacht sind. Noch dieses Jahr sollen die ersten beiden E-Autos kommen. Insgesamt will der Landkreis 1,2 Millionen Euro für dieses Projekt ausgeben.

Die FDP ist absolut skeptisch. "Wir wissen nicht, was eine Kilowattstunde Strom irgendwann einmal kosten wird", zeigte sich der liberale Kreisrat Carol Förster äußerst skeptisch. Zudem gab er zu Bedenken, dass völlig unklar sei, ob sich der Elektroantrieb im Vergleich zu anderen Antriebsarten tatsächlich durchsetzen werde. Der FDP-Kreisrat stimmte dann nach der Debatte gegen die Anschaffung der E-Autos, sein Fraktionschef Nico Tippelt enthielt sich der Stimme.

Die Linken betrachteten die Sache dann durchaus differenzierter. Sie waren nicht grundsätzlich gegen die Anschaffung der 18 E-Autos, kritisierten aber die Kosten. Denn aus der Beschlussvorlage war hervorgegangen, dass die Anschaffung der E-Autos in den konkreten Fällen um 25 Prozent teurer ist als die von Fahrzeugen mit herkömmlichem Antrieb. So brachte Fraktionschef Weiß einen sogenannten Änderungsantrag ein, mit dem Ziel, dass der folgende Passus mit in den Plan des Landkreises eingearbeitet wird: "Zudem wird bei kommenden Neuanschaffungen besonders auf die Notwendigkeit der jeweiligen Fahrzeugklasse, also auf die Größe und den Einsatzbereich, geachtet."

Im Klartext: Dort wo keine Mittelklasseautos notwendig sind, sollten auch keine gekauft, sondern lieber mit kleineren und kostengünstigeren Autos Vorlieb genommen werden. Alexander Weiß nach der Kreistagssitzung zur "Freien Presse": "Mit preiswerteren Autos kann man möglicherweise die generelle Mehrbelastung, die sich durch den kauf von E-Autos ergibt, wieder ausgleichen." Weiß hatte vorher noch während der Sitzung auf den Oberbürgermeister seiner Heimatstadt Hohenstein-Ernstthal, Lars Kluge (CDU), hingewiesen, der durchaus bewiesen habe, dass man mit einem kleinen E-Auto auch ganz gut zurecht käme.

CDU-Landrat Michaelis schloss sich dem Antrag der Linken schließlich zumindest teilweise an und nahm sinngemäß einen Passus auf, wonach bei der Auswahl der Autos die Wirtschaftlichkeit in puncto Autotyp- und klasse oberste Priorität zu besitzen habe." Am Ende stimmten die Räte mit 53:14 Stimmen für den Kauf der E-Autos.

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