Geschichten eines Lokführers

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Eine Schau in Gospersgrün ist um ein Exponat reicher: ein Heft aus der Lehrwerkstatt des RAW Zwickau von 1955.

Gospersgrün.

Volker Höhl nickt anerkennend. "Stark, ganz ordentlich geführt. Hut ab!", sagt der Eisenbahnfreund beim Blättern in dem Berichtsheft. Geführt worden war es von Dieter Thiem im Jahr 1955. Der frühere Lokführer hat das Dokument aus seiner Lehrzeit zum Lokschlosser im RAW Zwickau sorgsam aufbewahrt. Das Heft enthält Wochenberichte über Arbeiten in der Lehrwerkstatt, und zwar in Normschrift verfasst. Jeder Buchstabe sitzt. "Ich habe die Berichte immer am Wochenende akribisch verfasst", blickt der 80-Jährige zurück.

Der Zwickauer freut sich, dass nun eins seiner sorgsam aufbewahrten Berichtshefte in der Sammlung von Volker Höhl Platz findet. Seine vielen ausdrucksstarken Dampflok-Fotos, für die Dieter Thiem in den 1980er-Jahren bei Fahrten mit der Dampflok extra viel Dampf gemacht hatte, benötigt der Gospersgrüner allerdings nicht.

In seinem seit 1980 eingerichteten Partyraum befindet sich bereits eine Dia-Sammlung mit verschiedensten Motiven. Vor allem sind es Züge und einzelne Lokomotiven in der Landschaft und auf Brücken. Dazu gehören auch Aufnahmen von Höhls Urlaubsreisen nach Dänemark, Norwegen, Polen, Portugal und in die Ukraine. Besonders gern fährt der heimatverbundene Gos- persgrüner nach Rumänien. "Da gibt es noch wunderschöne Waldeisenbahnen, die noch Holz transportieren", schwärmt der 57-Jährige.

Volker Höhl ist seit 40 Jahren bei der Bahn und als Lokschlosser bei der Erzgebirgsbahn in Chemnitz beschäftigt. 1980 hat seine Sammelleidenschaft begonnen. Viele Utensilien schmücken seinen Partyraum. Darunter eine große Eisenbahnuhr, Dampfloklaternen und Zugschilder.

Zum "Goldstaub" der Sammlung gehört eine Treibachse aus der Dampflokbaureihe 44. Das 3,5 Tonnen schwere schrottreife Lokteil hat er nach der Wende im Bahnbetriebswerk Reichenbach entdeckt, gekauft und nach Gospersgrün transportieren lassen. Seit ihrer Aufarbeitung steht die ausgediente Achse vor dem Haus. Seitdem weiß jeder: Hier wohnt ein Fan der Eisenbahn.

Höhl und Thiem bedauern, dass vieles rund um die Bahn in Vergessenheit geraten ist. "Wer interessiert sich heute noch für die Eisenbahn", bedauert der Lokschlosser. Schon jetzt freut er sich auf gesellige Zusammenkünfte in seinem Partyraum, wenn es die Corona-Pandemie wieder zulässt. Dann werden auch besondere Räucherkerzen angezündet. "Die riechen nach Dampflok", betont der Gospersgrüner.

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