Kita-Aus: Eltern wehren sich mit Petition

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Die Pläne, dass es für die heilpädagogische Kindertagesstätte in Meerane neben einem Standort- auch einen Trägerwechsel geben soll, sorgen für Kopfschütteln und Sorgenfalten. Das Ziel der Betroffenen: Kreis und Diakoniewerk sollen zurück an den Verhandlungstisch.

Meerane.

Eltern von Kindern, die in der Heilpädagogischen Kindertagesstätte in Meerane betreut werden, wehren sich gegen das geplante Aus der Einrichtung. Sie haben im Internet eine Petition zur Rettung gestartet, welche bisher von mehr als 2700 Personen unterstützt wird. "Das übertrifft unsere Erwartungen", sagt Mitinitiatorin Romy Burkhardt, deren dreijährige Tochter an einer schweren Herzerkrankung leidet und die vom Diakoniewerk Westsachsen betriebene Kindertagesstätte besucht.

Da mehr Platz für die im gleichen Gebäude untergebrachte Förderschule benötigt wird, hat der Landkreis Zwickau den Mietvertrag zum 30. Juni 2022 gekündigt. Nachdem sich Landkreis und Diakoniewerk nicht auf einen neuen Standort verständigen konnten, ist nun geplant, die heilpädagogischen Plätze in die von der Glauchauer Berufsförderung (GBF) betriebene Kindertagesstätte "Buratino" an der Oststraße in Meerane zu integrieren. "Ein erstes Ziel unserer Petition ist, dass Landkreis und Diakoniewerk - eventuell auch gemeinsam mit Vertretern der Eltern - zurück an den Verhandlungstisch finden", sagt Burkhardt - vor allem mit Blick auf die Situation der Kinder, die zum Teil unter Schwerstmehrfachbehinderungen leiden. Vor welchen Problemen die Eltern warnen. Angst vor Entwicklungsrückschritt: Seit Mai 2019 besucht Roman Schäfer die Heilpädagogische Kindertagesstätte. Trotz Sprachstörung und Konzentrationsschwäche präsentiert sich der Junge seitdem wie ausgewechselt. Seine Mutter Elsa Schäfer berichtet von großen Fortschritten: "Er zeigt Interesse an allem, sucht Blickkontakt und hat gelernt, Vertrauen und Bindungen aufzubauen." Sie befürchtet, dass ein Kita-Wechsel zu Stagnation bei der Sprachentwicklung und sogar zu einem Entwicklungsrückschritt führen könne. "Bei der großen Anzahl an Kindern und neuem Personal droht eine Reizüberflutung", sagt Elsa Schäfer über den Sechsjährigen, den sie als "empfindlich und einfühlsam" beschreibt. Die Frau aus Glauchau wirbt für einen Erhalt der heilpädagogischen Einrichtung - mit dem jetzigen Personal und im Optimalfall in einem Neubau. Lob für Arbeit der Pädagogen: Eine Frühgeburt in der 31. Schwangerschaftswoche mit Embolie und Hirninfarkt ist eine Ursache für die körperliche und geistige Behinderung von Tom Valenta. Er ist vier Jahr alt und wird seit November 2021 in der heilpädagogischen Kindertagesstätte betreut. Obwohl die Eingewöhnungsphase noch läuft, stellt seine Mutter Denise Valenta motorische und vor allem sprachliche Fortschritte fest. "Das fällt auch wöchentlich der Logopädin auf", sagt sie und lobt: "Die Mitarbeiter sind ganz tolle Pädagogen, die die unsere Kinder mit viel Zuneigung und viel Zeit betreuen." Sie befürchtet, dass ein Trägerwechsel zu einem Vertrauensverlust bei den Kindern führen könnte. Darauf würde ihr Sohn mit Schlafstörungen reagieren. Vor dem Wechsel in die Einrichtung, die sich zwischen Gewerbegebiet und Wohngebiet am Westring befindet, war Tom in einer Kindertagesstätte mit Integrativplätzen. "Dort kann das Leistungsangebot einer heilpädagogischen Kindertagesstätte aufgrund von Personalmangel, Zeitmangel und Betreuungsschlüssel gar nicht umgesetzt werden", sagt die Frau aus Glauchau-Niederlungwitz. Austausch zwischen Eltern: Auch die Eltern, die sich oft mit vergleichbaren Sorgen herumplagen, profitieren vom gegenseitigen Austausch. Das ist auch an den letzten Tagen zu spüren. Vor einer Woche haben sie erst in einem Gespräch mit dem Diakoniewerk und dann durch die Berichterstattung in der "Freien Presse" vom geplanten Trägerwechsel erfahren. "Wir wollen verhindern, dass funktionierende Gruppen auseinandergerissen werden", sagt Nancy Wirth aus Glauchau. Ihr fünfjährige Tochter Finya spricht kein Wort und wird über eine Sonde ernährt. Die Kleine besucht seit 2020 die Heilpädagogische Kindertagesstätte. "Die Betreuung funktioniert nur mit Fachpersonal", sagt Nancy Wirth. Sie berichtet, dass ihre Tochter einen strukturierten Tagesablauf benötigt - vom Aufstehen um 5.30 Uhr bis zur Gute-Nacht-Geschichte um 18.30 Uhr. Eine wichtige Rolle spiele dabei die Zeit in der Kindertagesstätte. "Wir sind froh, dass sie sich dort an Abläufe, Kinder und Personal gewöhnt hat", sagt Nancy Wirth.

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