"Privat höre ich andere Musik"

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Suzi Quatro über die Coronazeit, ihr besonderes Verhältnis zu Deutschland und einen offenen Wunsch

Zwickau.

Suzi Quatro, die "Queen of Rock'n'Roll", kommt am Freitag, 8. Juli, 20 Uhr auf die Freilichtbühne. Ursprünglich war das Konzert für den 8. Mai 2020 anberaumt und wurde coronabedingt erst auf den 13. Februar 2021, dann auf den 4. September 2021 verschoben. Im vierten Anlauf soll es nun klappen. Karten gibt es im "Freie Presse"-Shop. Mit der 72-Jährigen hat sich Thomas Croy unterhalten.

Freie Presse: Die vergangenen zwei Jahre waren eine große Herausforderung. Es gab keine Auftrittsmöglichkeiten. Wie sind Sie damit umgegangen?

Suzi Quatro: Ich habe die Einstellung: Wenn du etwas nicht ändern kannst, dann mach dich deswegen nicht verrückt. Also habe ich meine Kreativität einfach dem Gestalten zugewandt. Ich habe das Album "The Devil in me" produziert und veröffentlicht, habe während des Lockdowns zwei Bücher geschrieben, mit anderen Künstlern online zusammengearbeitet. Ich war sehr aktiv in den sozialen Medien, startete mein Instagram. Ich habe 62 Meisterkurse für Bass gehalten. Ohne Live-Shows habe ich alles etwas umgestellt, um auf eine andere Art und Weise zu kommunizieren.

Ich habe gelesen, dass Sie in Ihrer Kindheit eine Ausbildung im klassischen Klavierspiel erhalten haben.

Als junges Mädchen habe ich klassische Musik studiert. Meine Familie war sehr musikalisch. Wir waren fünf Kinder, und alle spielten mindestens drei Instrumente, weil mein Vater uns jeden Unterricht gab, den wir wollten. Ich kann Schlagzeug und klassisches Klavier spielen. Ich war im Schulorchester. Ich sitze heute noch oft zu Hause mit meinen Klaviernoten und spiele selbst. Beethoven ist mein persönlicher Favorit.

Zwickau ist übrigens die Geburtsstadt von Robert Schumann. Sein rekonstruiertes Geburtshaus ist heute ein Museum.

Ach, das wusste ich nicht. Ich mag solche Sachen. Das ist interessant für mich. Wenn ich Zeit habe, werde ich auf jeden Fall dorthin gehen.

Zu Hause spielte jeder mehrere Instrumente. Was hat Sie dazu bewogen, zum Bass zu greifen?

Wir hatten die Beatles 1964 im Fernsehen gesehen. Eine meiner Schwestern und ich telefonierten mit zwei anderen Schwestern, die wir kannten, und einem Mädchen, das vier Häuser weiter von uns wohnte. Wir haben über die Beatles geredet, und meine ältere Schwester sagte plötzlich: Lasst uns eine Girl-Band gründen. Und alle fanden, das ist eine tolle Idee. Die anderen Mädchen suchten sich ganz schnell heraus, welches Instrument sie spielen wollen. Und ich fragte: Was soll ich spielen? Meine ältere Schwester sagte: Du spielst Bassgitarre. Was für mich in Ordnung war. Ich hatte nichts dagegen. Ich bin dann zu meinem Vater gegangen, der sein ganzes Leben lang Musiker war, und habe ihn gefragt, ob er eine Bassgitarre für mich hätte, weil wir eine Band gründen wollen. Er sagte "Klar" und schenkte mir eine 1957er-Fender Precision. Es ist, als würde man einem Teenager als erstes Auto einen Rolls Royce schenken. So hatte ich den allerbesten Bass mit dem dicksten Hals. Ich liebte es auf Anhieb. Es passte zu mir. Ich habe weder die Größe noch das Gewicht in Frage gestellt. Ich dachte nur, okay, das ist es, was mein Vater mir zu lernen gegeben hat, und so werde ich es lernen.

Sie haben Musikerinnen wie Joan Jett oder Chrissie Hynde beeinflusst. Ist es befriedigend zu sehen, dass in den vergangenen Jahren mehr Musikerinnen ihre eigene Karriere aufgebaut haben, in dem Wissen, dass Sie diejenige waren, die als Songwriterin, Musikerin und Sängerin Türen im Rock geöffnet hat?

Klar fühlt sich das toll an. Aber ganz ehrlich: Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht. Es kam mir gar nicht in den Sinn, dass ich etwas anderes mache. Ich war einfach ich. Aber als ich Ende 2019 den Dokumentarfilm "Suzi Q." auf der großen Leinwand sah, wurde mir zum ersten Mal wirklich bewusst, was ich all den anderen jungen Frauen gegeben hatte. Die sagten in diesem Dokumentarfilm, dass sie kein Instrument in die Hand genommen hätten, wenn sie mich nicht dabei gesehen hätten. Das hat mich irgendwie zum Weinen gebracht. Weil ich zuvor nie darüber nachgedacht hatte, bis ich sie darüber reden sah. Ja, es ist sehr schön zu wissen, dass das, was ich getan habe - ob absichtlich oder nicht - etwas bewirkt hat.

Wer war Ihr Vorbild?

Ich hatte viele. Als ich Elvis mit fünfeinhalb das erste Mal im Fernsehen sah, entschied ich, dass ich auch so sein möchte. Die nächsten waren die Beatles, was den Rock'n'Roll angeht. James Jamerson, der Bassist der Funk Brothers aus Detroit, war mein Held am Bass. Gesanglich mochte ich Otis Redding und Billie Holiday, und bei den Texten bin ich ein Fan von Bob Dylan. Ich habe also verschiedene Leute, die jeweils für verschiedene Dinge stehen.

Vor 50 Jahren zogen Sie von den USA nach England. Ein großer Schritt für eine junge Frau. Was vermissten Sie von Ihrem früheren Leben am meisten?

Die Vertrautheit. Ich bin Amerikanerin. Nach England zu gehen - das ist ein ganz anderes Land, mit einem anderen Sinn für Humor, einfach alles war anders. Ich habe es sehr vermisst, in einer Familie zu sein, diese Nähe, die wir hatten. Das war hart. Es war eine sehr einsame Zeit. Aber ich war entschlossen, diesen Weg zu gehen. Die Gelegenheit habe ich ergriffen. Das war meine Wahl.

Sie hatten viele große Hits in Ihrer Karriere. Gibt es einen besonderen Titel, den Sie als Lieblingssong bezeichnen würdest?

Das ist schwer zu sagen. Ich mag viele Titel, die ich selbst geschrieben habe. Aber um einen Favoriten unter den Hits herauszupicken, würde ich "Devil Gate Drive" nennen, weil es eingefangene Lebensatmosphäre ist, oder "Take on me" - es ist einfach ein schönes Lied zum Singen. Auf dem aktuellen Album "The Devil in me" sind auch einige gute Sachen drauf. Es ist schwer auszuwählen.

Sie waren in Deutschland sehr erfolgreich. Sie verbringen Teile Ihres Lebens in Hamburg. Was gefällt Ihnen an diesem Land?

Wir haben zwei Häuser, eines in Hamburg und eines in Essex. Bis auf die Corona-Jahre sind wir immer hin- und hergependelt. Das funktioniert seit fast 30 Jahren für uns. Ich mochte Deutschland schon immer. Es ist sehr bodenständig. Und hier gibt es ein tolles Publikum. Wir haben einander immer gemocht.

Abgesehen davon, dass Sie ein berühmter Rockstar sind, haben Sie in Fernsehserien und auf der Musicalbühne gespielt, Bücher geschrieben, Radiosendungen gemacht und designt. Gibt es noch kreative Erfahrungen, die Sie gerne ausprobieren würden?

Ich habe so viel gemacht, weil ich ein Künstler bin. Ich habe sechs Bücher veröffentlicht, ich arbeite an meinem siebten. Ich habe im Fernsehen und auf der Bühne gespielt, aber ich habe noch nie in einem Film mitgewirkt, das würde ich gerne noch machen. Das kommt auf meine Bucket List. Mal sehen.

Welche Art von Musik hören Sie, wenn Sie zu Hause sind? Welche Künstler bewundern Sie?

Da ich meinen Lebensunterhalt mit Rock'n'Roll verdiene, höre ich privat ganz andere Musik. Es ist wie Urlaub für mich. Dann höre alles Mögliche - von Frank Sinatra über Tony Bennett bis hin zu Bobby Darin. Und viel Dylan, wenn ich auf der Terrasse sitze. Hängt von der Stimmung ab.

Besuchen Sie auch Konzerte?

Nicht oft, aber manchmal. Es ist nicht so einfach, es sei denn, ich tragen eine unauffällige Verkleidung. Denn manchmal erkennt dich jemand, und plötzlich wollen alle ein Selfie, was natürlich die Veranstaltung völlig stört. Deshalb halte ich mich lieber hinter der Bühne auf.

Was steht auf der Setlist der aktuellen Tour? Worauf dürfen sich die Fans freuen?

Ich mache entweder mein zweistündiges Programm mit Pause oder meine 90-Minuten-Show. Es gibt die gr0ßen Hits, von 1973 bis heute. Ein bisschen von allem. Ich spiele ein Lied auf dem Klavier, ich spiele Schlagzeug. Ich zeige alles, was ich kann. Das Publikum wird unterhalten - das ist die Hauptsache.

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