Warum der Schlauchturm zweimal Geburtstag feiert

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Das 14,50 Meter hohe Bauwerk gehört zum Ortsbild wie das alte Forsthaus oder die Schmiede. Vor 25 Jahren war der Holzturm neu errichtet worden. "Freie Presse" blickt auf seine wechselvolle Geschichte zurück.

Dänkritz.

Man schrieb das Jahr 1958, als der damalige Wehrleiter Paul Barth mit seiner Führungsriege und dem damaligen Bürgermeister Fritz Zschenderlein dieses ehrwürdige Projekt planten. Sie beschlossen, neben dem Gerätehaus der Feuerwehr einen Schlauchtrockenturm zu errichten. Gesagt, getan. Der Turm wurde eigens projektiert und von den Kameraden selbst gebaut. Feuerwehrmann Günter Franke hatte als gelernter Zimmermann mit weiteren Kameraden die Fäden in der Hand. Zahlreiche Stunden in freiwilligen Arbeitseinsätzen standen zu Buche und man freute sich, dass die Schläuche fortan fachgerecht getrocknet werden konnten.

Doch der Zahn der Zeit nagte am Holz. Mitte der 1970er-Jahre wurde der Turm stillgelegt. Er befand sich in einem schlechten baulichen Zustand, durfte nicht mehr genutzt und musste schließlich 1977 abgerissen werden. Ein Dänkritzer Wahrzeichen war somit verschwunden. Doch der Gedanke, den Schlauchturm wieder auferstehen zu lassen, ging den Dänkritzer Floriansjüngern nie richtig aus dem Kopf. In den 1980er-Jahren liebäugelte der damalige Wehrleiter Eberhard Barth mit dem Wiederaufbau des Turmes. Doch es fehlte einfach das Geld.

Anfang der 1990er-Jahre, kurz nach der Wende, vollzog sich in den Reihen der Dänkritzer Feuerwehr ein Generationswechsel. Mit Guntram Kießling (Wehrleiter), Hans-Jürgen Wolf (Stellvertretender Wehrleiter) sowie den Leitungsmitgliedern Ekhard Barth und Bernd Schaar übernahm eine jüngere Generation die Verantwortung. Der Plan, den alten Schlauchturm wieder aufzubauen, lag noch in der Schublade.

Mitte der 1990er-Jahre, nach der Eingemeindung von Dänkritz nach Neukirchen, wurde der Plan dann aus der Schublade geholt und dem damaligen Bürgermeister Hubert Beier vorgelegt. Die Dänkritzer Feuerwehr, Gemeindevertreter, Gemeinderat und schließlich auch Bürgermeister Beier befürworteten das Projekt und unterstützten es entsprechend. Das Ziel: eine grundhafte Sanierung des alten Gerätehauses und der Wiederaufbau des Schlauchtrockenturmes.

Viel Wasser ist damals in der Pleiße hinabgeflossen, ehe aus der Idee erste Umsetzungen möglich wurden. Die grundhafte Sanierung des altehrwürdigen Gerätehauses stellte sich nicht als das Problem dar, jedoch der Neubau des Schlauchtrockenturmes. Es lagen zwar noch einige alte Aufnahmen und Aufzeichnungen vor, und auch das alte Fundament mit der Grube gab es noch, aber das war es dann auch schon.

Nach langem Suchen erklärte sich der damals in Lauterbach ansässige Stellmachermeister Andreas Jahn bereit, das Bauwerk zu errichten. Mittels Computertechnik konnte das Grundgerüst des Turms originalgetreu wiederhergestellt werden. Für insgesamt rund 35.000 D-Mark wurden das Gerätehaus saniert und der Turm errichtet. Am 23. August 1997 fand die Wiedereinweihung statt.

Noch heute ist das historische Ensemble, das altes Gerätehaus und der 14,50 Meter hohe Schlauchturm, ein echter Hingucker. Mittlerweile wird der Turm jedoch nicht mehr zum Trocknen der Schläuche genutzt, das wird über den sogenannten Schlauchpool im Feuerwehrtechnisches Zentrum (FTZ) in Wilkau Haßlau geregelt.

Der Turm hat aber trotzdem noch seine Daseinsberechtigung. Denn in ihm befinden sich die Traditionsglocke und der Zugang zum Versammlungsraum, der im Jahr 2000 von den Kameraden errichtet wurde. Die Dänkritzer Feuerwehrtraditionsglocke wurde dank einer privaten Spende des ehemaligen Bürgermeisters Heinz Albrecht in Apolda gegossen, in der Turmspitze montiert und am 21. August 1999 feierlich geweiht. Noch heute lässt "Feuerwehr-Glöckner" Tino Hilbig das gute Stück zu besonderen Anlässen erklingen. Als 2012 ein Blitz die Sirene auf dem Gerätehaus zerstörte, wurde beschlossen, die neue auf den Schlauchturm zu setzen. Zur Sicherheit wurde auch gleich ein entsprechender Blitzableiter mit angebracht.

Nach der Einweihung des neuen Feuerwehrgerätehauses im Jahr 2017 musste das Ensemble aus altem Gerätehaus und Schlauchturm aus Kostengründen verkauft werden. Der Dänkritzer Geschäftsmann André Falke erwarb es und stellt es seitdem den Kameraden unentgeltlich zur Verfügung. Erst kürzlich hat er das Haus und den Turm farblich auf Vordermann gebracht, sodass eines der Wahrzeichen des 245 Einwohner zählenden Neukirchner Ortsteils fast wie neu erstrahlt.

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