Warum kracht es so oft auf der B 93 bei Crossen?

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Seit Januar hat die Polizei rund um die Anschlussstelle bereits neun Unfälle registriert, weitere fünf im angrenzenden Abschnitt bis Mosel. Das sind schon jetzt so viele wie sonst im ganzen Jahr.

Zwickau.

Die B93 im Zwickauer Norden ist auf den ersten Blick eine ungefährliche Straße. Vom Zwickauer Ortseingang bis Mosel sind auf der vierspurig ausgebauten Trasse scharfe Kurven Fehlanzeige, der Asphalt befindet sich in einem guten Zustand. Warum kommt es dort trotzdem immer wieder zu Unfällen wie zuletzt vor allem im Juni und Juli? Diese Frage stellen sich Mitglieder einer öffentlichen Facebook-Gruppe, die sich über Verkehrsangelegenheiten in Zwickau und Umgebung austauschen. "Einfach nur fragwürdig, wie es auf dieser Strecke knallen kann", schreibt ein Mitglied.

Aus Daten, die die Polizei auf Anfrage der "Freien Presse" vorgelegt hat, geht hervor, dass sich das Problem zuspitzt. Auf dem knapp 2,5 Kilometer langen Abschnitt der Bundesstraße zwischen den Anschlussstellen Crossen und Mosel wurden von Januar bis Mitte Juli 14 Unfälle registriert. Das sind jetzt schon so viele wie in den kompletten Jahren 2019 und 2021. Nur im gesamten Jahr 2020 waren es noch ein wenig mehr (17). Wie ist diese Entwicklung zu erklären?

In der Facebook-Gruppe berichten viele Nutzer von Autofahrern, die beim Spurwechsel unaufmerksam sind. Oft würden sie beim Auffahren auf die Bundesstraße die Beschleunigungsstreifen nicht ausnutzen, sondern mit zu langsamem Tempo einfädeln. Auch beim Überholen machten Verkehrsteilnehmer den Fehler, mit vergleichsweise gemächlichen 90 km/h auf den linken Fahrstreifen zu wechseln - was gefährlich werden kann, wenn sich dort ein Fahrzeug mit erlaubten 130 km/h nähert.

Die Statistik der Polizei belegt, dass es keine einfache Antwort auf die Frage gibt, woher die vielen Unfälle kommen. Die Beamten haben sich neun der 14 Unfälle in diesem Jahr genauer angeschaut, die sich rund um die Anschlussstelle Crossen häuften. In vier Fällen wurden die Kollisionen durch einen Fahrstreifenwechsel oder einen Überholvorgang ausgelöst. Dreimal handelte es sich um Auffahrunfälle, sodass die Polizei von einem mangelnden Sicherheitsabstand als Ursache spricht. Ein Unfall wurde durch ein Wildtier ausgelöst. Der neunte Unfall fällt in eine gesonderte Kategorie: Es handelt sich um den Massencrash mit fünf Fahrzeugen, der am 15. Juni von einem 82-jährigen Geisterfahrer ausgelöst wurde. Bei den neun Unfällen wurden insgesamt drei Personen schwer und weitere acht leicht verletzt.

Auffällig ist, dass sich fünf Unfälle binnen dreieinhalb Wochen ereigneten, nämlich zwischen dem 10.Juni und 4. Juli. Außergewöhnliche Umstände, die Kollisionen begünstigen, lagen dabei nicht vor. Nach Angaben der Polizei war die Fahrbahn in allen Fällen trocken. Mit Blick auf die Tageszeit lässt sich kein Muster erkennen, die Zusammenstöße ereigneten sich zwischen 7 und 22.30 Uhr. Bei einigen, aber nicht allen Unfällen sei der Verkehr wegen des Schichtwechsels im VW-Werk dichter gewesen als sonst, berichtet ein Polizeisprecher. Wie das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) mitteilt, gab es in den vergangenen Monaten keine Bauarbeiten oder Änderungen der Verkehrsführung. Zu der Frage, ob Sperrungen und Umleitungen in der näheren Umgebung wie auf der A4 nahe Meerane und auf der Pölbitzer Straße in Zwickau zu mehr Verkehr geführt haben, liegen keine Erkenntnisse vor.

Was folgt nun aus der Unfallserie? Autofahrer im Netz mutmaßen, dass die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h heruntergesetzt werden könnte, etwa auf Tempo 100. Ob das so kommt, steht noch nicht fest. Klar ist aber, dass es eine Reaktion geben wird. Denn rund um die Anschlussstelle Crossen haben sich in den vergangenen drei Jahren drei Unfälle ereignet, bei denen Personen schwer verletzt wurden. Ab diesem Grenzwert spricht man von einem Unfallschwerpunkt, was bedeutet, dass die Unfallkommission tätig werden muss. In dem Gremium beraten Vertreter von Polizei, Stadt und Lasuv über Konsequenzen. Die Unfallkommission habe die Lage auf der B93 im Blick, teilt die Stadt Zwickau dazu mit. "Sollten Unfallhäufungen eintreten, sind geeignete Maßnahmen zur Gefahrenbeseitigung zu prüfen und zu veranlassen."


Wie die Polizei Unfälle analysiert

Jede Kollision, die der Polizei gemeldet wird, schauen sich die Beamten genau an. Wer war beteiligt, wurde jemand verletzt, wodurch wurde der Unfall ausgelöst? Die Daten sowie der Ort werden auf einer Unfallkarte eingetragen. Auf diese Weise wird schnell deutlich, ob sich an einem bestimmten Ort die Kollisionen häufen - wie in den vergangenen Monaten auf der B93 - und ob es Parallelen beim Unfallhergang gibt.

Die Kriterien, ab wann ein Unfallschwerpunkt vorliegt, sind kompliziert. Je nachdem, welchen Zeitraum man betrachtet und ob der Ort inner- oder außerorts liegt, gelten verschiedene Richtwerte. Außerorts spricht man nach Angaben der Polizei von einer Unfallhäufungsstelle, wie es offiziell heißt, wenn sich binnen drei Jahren in einem Abschnitt von maximal 600 Metern Länge mindestens drei Unfälle ereignen, bei denen Personen schwer verletzt oder getötet werden. Alternativ spricht man auch bei fünf Leichtverletzten binnen drei Jahren von einem Unfallschwerpunkt.

Die Unfallkommission analysiert die Unfallschwerpunkte und prüft Maßnahmen. Das können eine reduzierte Höchstgeschwindigkeit, ein Überholverbot, neue Markierungen oder bauliche Veränderungen sein. (jop)

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