Plötzlich steht Kraftklub auf der Bühne

30 Grad im Schatten und es ging noch heißer: Vor dem Nischel spielte die Kultband 8000 Fans für das Kosmonaut-Festival warm. Und blieb eine Antwort dennoch schuldig.

Ein bisschen darauf gehofft hatten die Fans schon, aber in den offiziellen Ankündigungen der vergangenen Tage war von Kraftklub keine Rede. Doch eine Woche vor dem Kosmonaut-Festival, das es ohne die Band nicht gäbe, und wenige Tage, nachdem sie auf Platz 1 der deutschen Albumcharts gestürmt war - sollten da die Chemnitzer Überflieger auf einen Auftritt in ihrer Heimatstadt verzichten? Sollten sie fehlen bei dem Konzert Am Kopp, das diesmal sogar von den Veranstaltern des Kosmonaut-Festivals präsentiert und als Anheizer für den Konzert-Marathon am Wochenende in Oberrabenstein beworben wurde? Eigentlich war klar: Ohne Kraftklub gehts nicht. Und dennoch: Erst am frühen Nachmittag wurde offiziell bekannt: Felix Brummer wird mit seiner Band auf der Bühne am Nischel spielen - zum Abschluss des Tages und natürlich als bisheriger Höhepunkt der Am-Kopp-Reihe.

Während noch relativ wenige Fans in der prallen Sonne vor der Bühne stehen, als gegen 14 Uhr mit Claire die erste Band auf der Bühne sanften Elektropop durch die heiße Chemnitzer Luft schickt, strömen bis 17 Uhr immer mehr junge Leute auf die Brückenstraße vor den Marx-Kopf. Der Kraftklub-Auftritt hat sich über die Netzwerke schnell verbreitet. Die Polizei spricht nach dem Open Air von rund 8000 Fans. Mit den unverzichtbaren Accessoires Sonnenbrille und Wasserflasche ausgestattet, machen es sich viele Anhänger zunächst im Schatten gemütlich - auf der Wiese oder auf der Terrasse des Terminals 3. Trotzdem müssen die Mitarbeiter des DRK mehrere Male ausrücken, um Fans zu versorgen, die die Hitze nicht so gut vertragen haben.

Doch dann kommt Kraftklub und alles ist anders. Die Masse vor der Bühne tobt. "Wir sind Kraftklub und wir würden gern ein paar Songs von unserem neuen Album spielen", ruft Sänger Felix Brummer trocken ins Mikro, schickt ein "Hallo Karl-Marx-Stadt" hinterher und die Masse ruft zurück "Kraftklub, Kraftklub". Eine Stunde singen die Chemnitzer Lieder ihrer neuen Platte "Keine Nacht für niemand", aber auch ältere Songs. Obwohl dicht gedrängt, finden in der Mitte der Massen tatsächlich einige Fans Platz um zu tanzen, nicht nur zu springen. Eine schweißtreibende Angelegenheit auch für die Musiker. "Mist, mir läuft die Suppe in die Augen", lässt Brummer die Chemnitzer wissen. Und vielleicht laboriert er heute auch an einem Sonnenbrand, er hatte das Eincremen vergessen.

Trotzdem - die Jungs sind ausgesprochen gut aufgelegt. Bei "Spring aus dem Fenster für mich" ist Brummer plötzlich weg, verschwunden von der Bühne. Er lässt sich von den Fans in den ersten Reihen tragen. Und er folgt sogar den Aufforderungen aus dem Publikum. "Ausziehen, ausziehen", schallt es ihm entgegen. "Ich finde mich objektiviziert", hält Felix Brummer zunächst noch dagegen. Um dann kurz vor Schluss das weiße Poloshirt doch noch über den Kopf zu ziehen. Mit freiem Oberkörper stimmt er die Hymne "Karl Marx Stadt" an, die Fans fallen ein. Einen besseren Abschluss kann es nicht geben. Das Ende des Konzerts - aber nur auf der Bühne. Kurz darauf noch ein Coup: Felix Brummer steht mit seinem Bruder Till auf dem Podest direkt am Nischel. Umgeben von Tausenden Fans, die die plötzliche Nähe zu den Musikern gar nicht fassen können, gibt es mit "500 K" die Zugabe, auf die alle gewartet haben.

Doch nach dem Aufwärm-Open Air ist vor dem Kosmonaut-Festival: Und so mutmaßten die Fans am Nischel, ob Kraftklub am kommenden Wochenende erneut auf der Bühne stehen wird. Die Antwort von Felix Brummer, mit der er die Massen in den Abend entlässt, fällt zweideutig aus. "Wir sehen uns auf dem Kosmonaut-Festival nächste Woche." Am Freitag gehts los am Stausee Oberrabenstein.

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