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Bei einem Kutschenunfall in Kretscham starben zwei Menschen.

Foto: Jens UhligBild 1 / 3

Pferdeschlitten-Unfall mit zwei Toten: Polizei ermittelt weiter

Eine Fahrt durch den verschneiten Erzgebirgswald nimmt ein tragisches Ende. Die Ursache des Unglücks ist auch am Donnerstag weiter unklar.

Von Antje Flath und Oliver Hach (mit dpa)
erschienen am 15.02.2018

Sehmatal. Bei einem Kutschunfall sind am Mittwochnachmittag in Kretscham-Rothensehma in der Gemeinde Sehmatal im Erzgebirgskreis zwei Menschen getötet und drei zum Teil schwer verletzt worden. Die Polizei überprüft zur Zeit, ob ein Versagen des Kutschers vorlag oder ob die Pferde durchgegangen waren.

In einem Waldstück war das mit Kufen und Rädern ausgestattete Hybridfahrzeug, das als Schlitten unterwegs war, aus bislang unbekannter Ursache vom Weg Waldlehrpfad abgekommen und gegen einen Baum geprallt. Dabei wurden der Kutscher (59) und ein weiterer Insasse aus dem Schlitten geschleudert. Die beiden Männer wurden von den Einsatzkräften nach kurzer Suche schwer verletzt gefunden. Einer der beiden erlag noch im Wald seinen Verletzungen. Bei dem Toten handelt es sich um Jürgen Förster, den ehemaligen Landrat des Kreises Annaberg und heutigen Fraktionsvorsitzenden der Freien Wähler Bürgerforum im Kreistag des Erzgebirgskreises und Stadtrat seiner Heimatstadt Annaberg-Buchholz. Der Kutscher wurde mit dem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus gebracht.

Nach dem Aufprall der Kutsche waren die Pferde nach Angaben der Polizei durchgegangen und bis zur nahen Straße S 266 gelaufen, die nach Oberwiesenthal führt. Ein 57-jähriger Mitfahrer sprang noch während der Fahrt ab. Der Schlitten kam mit den beiden verbliebenen Insassinnen nach mehr als einem Kilometer in einem Straßengraben zum Stehen. Bei einer 64-jährigen Frau konnte nur noch der Tod festgestellt werden. Der 57-jährige Mitfahrer und eine 54-jährige Frau erlitten leichte Verletzungen, sie wurden ambulant in einem Krankenhaus behandelt.

Die Pferde wurden bei dem Unfall leicht verletzt. Der Pferdeschlitten wurde beschlagnahmt, teilte die Polizei am Donnerstag mit. Die S 266 war zwischen Hammerunterwiesenthal und Neudorf für etwa vier Stunden gesperrt.

Die Tierrechtsorganisation Peta sprach am Donnerstag von einer vermeidbaren Katastrophe. «Pferde sind Fluchttiere, die sehr leicht erschrecken und durchgehen können. Es ist unverantwortlich, sie vor den veralteten Gefährten einzusetzen», erklärte Peta-Referent Peter Höffken. Der Erzgebirgskreis habe trotz mehrerer schwerer Unfälle bisher nicht gehandelt. Peta habe nach schweren Unfällen 2014 und 2014 den Landrat schon dreimal schriftlich aufgefordert, ein Verbot von Pferdekutschen zu erlassen.

Unfälle mit Pferdegespannen passieren immer wieder. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung und die Tierschutzorganisation Peta registrierten zwischen 2011 und 2016 in Deutschland mindestens 300 Unfälle mit Pferdegespannen. Dabei starben 21 Menschen, über 600 wurden verletzt. Es gab 34 tote und 62 verletzte Pferde. In 80 Prozent der Fälle ging das Gespann durch.  Häufigste Unfallursache sei das Erschrecken der Tiere gewesen. Peta zufolge gibt es ein Verbot von Pferdekutschen bereits für den Berliner Gendarmenmarkt und Teile der Altstadt von Rothenburg ob der Tauber.

Die Reiterliche Vereinigung fordert deshalb seit längerem die Einführung eines verbindlichen Kutschenführerscheins. "Wir hätten ihn gern, aber es gibt absolut keine Rechtsgrundlage", sagt Dieter Lauterbach aus dem hessischen Dillenburg, der für die Vereinigung entsprechende Schulungen durchführt. In Sachsen sagt der Präsident des Landesverbandes Pferdesport, Andreas Lorenz: "Die Lehrgänge werden bei uns gemacht." Bei gewerblichen Fahrten werde von einigen Landratsämtern der Gespannführerschein verlangt, von anderen nicht. Er sagt aber auch: "Ein Pferd ist ein Fluchttier - da kann immer mal was passieren."

 

Anmerkung: In einer früheren Version des Beitrags war von einem Fahrfehler des Kutschers als wahrscheinliche Unglücksursache die Rede. Die Polizei hat dies inzwischen korrigiert.

 
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