Auf der Suche nach der goldenen Zeit

Das erste internationale Märchenfilm-Festival Fabulix lockt nicht nur Stars wie Rolf Hoppe und Helena Vondrácková ins Erzgebirge, sondern will an die große Ära des Genres anknüpfen.

Annaberg-Buchholz.

Deutschland hat noch kein eigenes Märchenfilmfestival. Und das Erzgebirge ist ein filmisch unentdecktes Land. Beides soll sich in diesem Monat ändern - und zwar durch das 1. Internationale Märchenfilm-Festival Fabulix, das vom 23. bis 27. August in Annaberg Buchholz stattfindet.

Die Idee stammt von Filip Albrecht, einem deutsch-tschechischen, Autor, Produzenten und Manager, der unter anderem die Künstler Karel Gott und Helena Vondráčková betreut. Filip Albrecht ist außerdem am Internationalen Kinderfilmfestival im tschechischen Zlín beteiligt und kennt sich in der internationalen Filmszene bestens aus. Daher erkannte der 39-Jährige den Bedarf nach einem Märchenfilmfestival schon vor Jahren. "Im Gegensatz zu einem Kinderfilmfestival, das eher ein begrenztes Publikum hat, spricht man mit Märchenfilmen alle an - im Alter zwischen vier und 94", sagt Albrecht. Seine Affinität für Märchenfilme hat aber noch einen anderen Ursprung: Er schwärmt von den 70er-Jahren, in denen große deutsch-tschechische Streifen wie "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" sowie Serien wie "Pan Tau" und "Die Märchenbraut" entstanden, eine goldene Ära des Märchenfilms, deren Produktionen noch immer Kult sind. Diese Zeit möchte er wieder aufleben lassen. "Jedes Land macht gerade nur seine eigenen Märchenfilme", bedauert Albrecht.

Um das zu ändern, lädt er im Rahmen von Fabulix 25 Filmschaffende aus Deutschland und Tschechien nach Annaberg, die in einem Symposium über die Zukunft der Branche beraten sollen. Geladen sind unter anderem Gert Müntefering, der Erfinder der "Sendung mit der Maus", und Milan Friedrich, der Programmdirektor des Tschechischen Fernsehens. "Ich wünsche mir, dass es uns gelingt, auf die große Zeit der deutsch-tschechischen Filmproduktionen aufzubauen und eine neue Koproduktion entstehen zu lassen, die dann im Erzgebirge gedreht wird", sagt Albrecht. Die Gespräche sollen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, so der Wunsch der Beteiligten.

Und der Festivalort? Filip Albrecht liebäugelte mit mehreren Städten, unter anderem mit Dresden und Zittau - fest stand für ihn nur, dass es in Sachsen sein sollte. "Sachsen hat noch Möglichkeiten im Bereich Film", so Albrecht - ein großer Publikumsmagnet wie die Berlinale findet sich im Freistaat bislang nicht. Seine Wahl fiel dann auf Annaberg-Buchholz - ein völlig unbeschriebenes Blatt in Sachen Film und nah genug an der tschechischen Grenze, um Synergien zur dortigen Filmbranche zu schaffen. Mit Annabergs Oberbürgermeister Rolf Schmidt wurde sich Filip Albrecht schnell einig, gemeinsam wollte man das Wagnis eines komplett neuen Festivals eingehen.

Dabei macht er sich große Hoffnungen. Wie er sagt, will er in seiner Stadt auch außerhalb der gut besuchten Winterzeit einen Besuchermagneten etablieren - ein Gegengewicht schaffen zur Ski- und Weihnachtssaison, von der die ganze Region langfristig profitieren kann.

Entsprechend gehört das Märchenfilmfestival ganz den Märchenfans. Darauf legen die Organisatoren Wert. 153 Veranstaltungen sollen an den vier Festivaltagen stattfinden, darunter 78 Filmvorführungen. Gezeigt werden sowohl Defa-Klassiker, als auch beliebte Hollywoodproduktionen und tschechische Märchenfilme. Da es sich um den ersten Fabulix-Versuch handelt, wollten die Organisatoren vom Programm her auf Nummer sicher gehen und Streifen zeigen, die schon einmal bei einem breiten Publikum gut ankamen. Gezeigt wird, was gefällt - aber durchaus in breitem Spektrum. Und um noch mehr über den Geschmack der Gäste zu erfahren, dürfen diese ihren Lieblingsfilm küren.

Auch das Rahmenprogramm soll möglichst breit Wirkung entfalten. So wird unter anderem der berühmte Schauspieler Rolf Hoppe ins Erzgebirge kommen. Er erhält einen Preis für sein Lebenswerk. Hinzu kommen Konzerte berühmter Künstler wie Ella Endlich, Michael Schanze und Helena Vondráčková, Ausstellungen, Theatervorführungen und vieles mehr.

Ein Festival-Testballon mit Pomp also - der kein Einzelevent bleiben soll. Albrecht nimmt sich die Internationalen Hofer Filmtage zum Vorbild. Dort waren anfangs auch kaum Strukturen vorhanden, Verpflegung kam von der Bratwurstbude. Die ist heute allerdings legendär, und das Festival hat sich zu einem der bekanntesten in der Bundesrepublik gemausert. Fabulix steckt noch in den Kinderschuhen. "Ich hoffe aber, dass Schauspieler und Produzenten irgendwann sagen: ,Wollen wir unsere Premiere nicht in Annaberg stattfinden lassen?'", hofft Filip Albrecht. Der erste Schritt ist getan.

Die Märchentage im Überblick

Fabulix in Zahlen: 153 Veranstaltungen stehen vom 23. bis zum 27. August auf dem Programm, darunter 78Märchenfilm-Vorführungen und etwa 40 Workshops.

Filme: Neben bekannten Defa-Filmen wie "König Drosselbart" und "Schneeweißchen und Rosenrot" werden bekannte tschechische Märchen, aber auch moderne Filme wie der Hollywoodstreifen "Spieglein Spieglein" (2012) mit Julia Roberts sowie die deutsche Neuverfilmung von "Das kalte Herz" (2016) auf die Leinwand gebracht. Die Filme werden an mehreren Orten der Stadt gezeigt.

Galakonzert: Am 25. August wird unter dem Motto "Märchenhafte Sommernachtsmelodien" ab 19 Uhr auf dem Markt ein Galakonzert gespielt, an dem sich unter anderem Ella Endlich, Helena Vondrácková, Michael Schanze und die Erzgebirgische Philharmonie Aue beteiligen. Ab Abend wird der Schauspieler Rolf Hoppe für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Kostümausstellung: Vom 24. August bis 3.September stellen die Barrandov-Filmstudios Prag originale Kleider und Requisiten aus bekannten Märchenfilmen zur Verfügung. Sie werden in der Annaberger Festhalle ausgestellt.

www.fabulix.de

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