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Cashew-Erdnuss-Mix mit Honig: Vor allem Zucker sorgt bei dieser Rewe-Eigenmarke "Ja" für den Geschmack. Der Honiganteil beträgt 3 Prozent.

Foto: vzbv Bild 1 / 8

Frische Früchte drauf - Kunst-Aroma drin

Verbraucherschützer fordern eine ehrlichere Kennzeichnung von Lebensmitteln. Doch die Industrie sieht keinen Bedarf.

Von Martina Hahn
erschienen am 10.09.2017

Auf der Vorderseite der Packung Pulsnitzer Lebkuchen sind die Worte "mit cremiger Eierlikör-Füllung" abgebildet, auf der Rückseite ein Glas Eierlikör. Doch zwischen den süßen Spitzen steckt lediglich Füllcreme mit Eierlikörgeschmack. Worüber sich der Mann aus Hainewalde Weihnachten vor zwei Jahren bei der Verbraucherzentrale Sachsen beschwerte, ist kein Einzelfall: In vielen Lebensmitteln steckt nicht drin, was die Verpackung verspricht.

Das hat erneut der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in dieser Woche kritisiert. "Schöne Bilder, große Worte, enttäuschte Erwartungen - die alltägliche Kennzeichnung von Lebensmitteln hat das Potenzial zu einem Skandal", sagt Verbandschef Klaus Müller. "Wenn auf der Verpackung Himbeeren, Honig oder Walnüsse prangen, doch lediglich Mini-Mengen und Aromen drin sind, fühlen sich viele Verbraucher getäuscht."

Wie groß der Ärger der Käufer ist, zeigt zum einen das Portal Lebensmittelklarheit.de der Verbraucherzentralen. Dort gehen wöchentlich im Schnitt elf Beschwerden ein. Darüber hinaus macht jetzt eine aktuelle Studie des Projekts klar, wie groß das Misstrauen gegenüber Herstellern und Handel ist: Vier von fünf Befragten glauben danach, dass die Verpackungen die Lebensmittel besser darstellen, als sie in Wirklichkeit sind. Und neun von zehn Befragten haben gar kein Vertrauen in die Hersteller von Nahrungsmitteln.

Besonders groß ist die Unsicherheit und damit das Täuschungspotenzial bei den Aromabezeichnungen. Hier wünschen sich laut Studie 83 Prozent einen klaren Hinweis vorne auf dem Etikett. Ein Beispiel: Auf vielen Joghurts, Säften oder Müslis werden Himbeeren abgebildet. Ob sich nur Himbeeraroma oder echte Himbeeren im Produkt befinden, und in welcher Menge, zeigt allein die Zutatenliste. Doch auch hier ist nicht alles verständlich.

Denn den Unterschied zwischen Hinweisen wie "natürliches Aroma", "aus Aromen" oder "natürliches Himbeer-Aroma" kenne kaum jemand, sagt Studienleiter Achim Spiller, Professor an der Uni Göttingen. Tatsächlich bedeutet nur "natürliches Himbeer-Aroma", dass das Aroma im Produkt zu mindestens 95 Prozent aus Himbeeren gewonnen wurde. Bei Hinweisen "mit Aroma", "mit Himbeeraroma" oder "aromatisiert" kann der Geschmack auch künstlich im Labor hergestellt worden sein. Selbst "natürliches Aroma" deutet nicht auf echte Himbeeren: Aromen werden auch aus Holz oder Pilzen gewonnen. Diese Stoffe sind zwar natürlich. Aber keine Himbeeren. Und für die Hersteller deutlich günstiger als die echte Frucht.

Wie lässt sich verhindern, dass Handel und Hersteller Verbraucher weiterhin täuschen? Wie sicherstellen, dass künftig auf der Tütensuppe mit Pilzaroma nicht mehr "Cremesuppe Steinpilz" steht, sondern "Cremesuppe mit Steinpilzgeschmack"? Oder dass ein Müsli nicht mehr mit Himbeeren beworben wird, obwohl sich nur zwei Prozent Frucht in der Verpackung finden? "Das geht nur über eine ehrliche und klare Kennzeichnung von Lebensmitteln", sagt Müller. "Die beworbene Zutat muss auf der Vorderseite in Prozent angegeben werden." Enthält das Produkt Aromen, "muss auch das vorne stehen - mit Begriffen, die jeder versteht". Etwa über Hinweise wie "Aroma, aus Himbeeren gewonnen" oder "Aroma Typ Himbeere, künstlich erzeugt", sagt Anne-Katrin Wiesemann, Referentin für Lebensmittelrecht der Verbraucherzentrale Sachsen.

Hersteller dürften diese Informationen über Zutatenmengen und Aromen nicht mehr im Kleingedruckten verstecken, fordert der vzbv. Bislang schreibt der Gesetzgeber den Produzenten nicht vor, wo dieser Hinweis stehen muss. Kleine Mengen sind sogar komplett von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen. Für Anne-Katrin Wiesemann ein klarer Fall von Verbrauchertäuschung: "Wirbt ein Produzent mit Eierlikör im Produkt, dann erwartet der Verbraucher mit Recht, dass das Produkt auch Eierlikör enthält. Er guckt beim Einkauf ja nicht aufs Kleingedruckte."

Doch genau das sollten Kunden nach Ansicht des Spitzenverbands der deutschen Lebensmittelwirtschaft, kurz BLL, tun. Auf der Vorderseite der Verpackung könnten nicht "alle relevanten Informationen" stehen, daher sei dies "rechtlich auch nicht vorgesehen", so BLL-Vize Marcus Girnau. "Wer die Verpackung als Gesamtes betrachtet und das Zutatenverzeichnis aufmerksam liest, kann die Produktaufmachung einordnen." Auch führe die Verwendung eines Aromas nicht automatisch zum Verbot jeglicher Fruchtabbildungen auf Lebensmitteln. Schließlich sei auch "bei einem Erdbeerbonbon klar, dass die abgebildete Erdbeere nicht die wertgebende Zutat des Bonbons bildet, sondern ein Hinweis auf die Geschmacksrichtung ist."

Das sieht vzbv-Chef Müller anders: Das verlorene Vertrauen ihrer Kunden könnten Hersteller "nur mit einer besseren Kennzeichnung zurückgewinnen. Ist dieses Vertrauen nicht da, hat auch die Industrie ein Problem!" Manchen Vertretern der Branche sei dies schon gelungen: "In jedem dritten Fall haben die Produzenten nach der Beschwerde über das Portal Lebensmittelklarheit.de das Label geändert." Diese Produkte trügen heute ein ehrlicheres Etikett. Auch in Sachsen: "Cremefüllung mit Eierlikörgeschmack" steht inzwischen auf der Packung der gefüllten Spitzen aus Pulsnitz.

 
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