Schönheider erleben flammendes Inferno

Scheune und Rinderstall abgebrannt - drei Tatverdächtige - fast 30 Brandstiftungen seit 2006

Schönheide. Ein verheerender Brand hat in der Nacht zu Donnerstag das westerzgebirgische Schönheide in Atem gehalten. In dem Dorf standen eine Holzscheune und ein ehemaliger LPG-Stall an der Straße der Einheit in Flammen. Das Gebäude nutzte ein Bauer als Behausung für seine 14 Rinder. 75 Feuerwehrleute kämpften stundenlang gegen das Inferno.

Gegen 23.30 Uhr hatte eine Anwohnerin den Brand bemerkt und die Helfer alarmiert. Landwirt Fritz Möckel wurde dadurch aus dem Schlaf gerissen und eilte umgehend zu seinen Tieren. Gemeinsam mit Nachbarn und den ersten eintreffenden Feuerwehrleuten konnten zehn Tiere gerade noch rechtzeitig vor den um sich greifenden Flammen gerettet werden. Fünf dieser Rindviecher waren jedoch so verstört, dass sie in die nahen Wälder ausbüxten. Nächtliche Suchaktionen blieben erfolglos. Im Verkehrsfunk wurden deshalb Autofahrer entlang der nahen Bundesstraße 283 sicherheitshalber vor den freilaufenden Tieren gewarnt. "Rinder können sich auch in der Dunkelheit recht gut orientieren", sagte Fritz Möckel. Er ist Bauer aus Leidenschaft. "Früher sind mal welche kilometerweit bis nach Carlsfeld ausgerissen", ergänzte er. Die restlichen vier Tiere blieben zunächst von den Flammen eingeschlossen und mussten so voller Angst die Löscharbeiten abwarten. Sie überlebten die Katastrophe jedoch.

Viele Stunden Arbeit vernichtet

Bei der Brandbekämpfung wurden zwischen Mitternacht und Morgendämmerung etwa eine Million Liter Wasser verbraucht. Die Wehren aus Schönheide, Eibenstock, Stützengrün und Hundshübel sowie die Auer Atemschutz-Einheit waren mit insgesamt zwölf Fahrzeugen angerückt. "Das Zusammenspiel hat reibungslos geklappt", resümierte Einsatzleiter Marcel Wunder aus Schönheide. Es sei beherzt, dabei aber auch umsichtig vorgegangen worden. Daher habe nie eine Gefahr für das restliche Gewerbegebiet bestanden.

Wenig zu retten war indes an den betroffenen Gebäuden selbst. Die Scheune brannte nieder, der Stall aus. Zudem wurden 250 große Heuballen von jeweils fünf Zentnern in Mitleidenschaft gezogen. Der Inhalt wurde durch zwei Bagger des Gemeindebauhofs und durch Feuerwehrleute mit Mistgabeln auf dem Bauernhof ausgebreitet, um alle Glutnester löschen zu können. "Das sollte das Winterfutter sein", so ein trauriger Fritz Möckel. "Da steckt jede Menge Schweiß seit dem Frühjahr drin."

Erst nach diesen Arbeiten war der Weg für die noch eingeschlossenen vier Tiere frei. Die benachbarten Bauern Peter Fröhlich und Hans Baumgärtel gewähren ihnen vorerst Unterschlupf. Von Fritz Möckels Stall standen am Nachmittag nur noch die Grundmauern. Bis dahin musste die Freiwillige Feuerwehr Schönheide alle Glutnester löschen und war damit mehr als zwölf Stunden im Dauereinsatz. "Seit 60 Jahren bin ich in der Landwirtschaft, und nun so was", schüttelte Rentner Möckel fassungslos den Kopf, "Ich weiß nicht, wie's nun weitergehen soll."

Drei Männer stehen in Verdacht

Die Polizei schätzt den Schaden auf mehrere zehntausend Euro. Brandstiftung werde nicht ausgeschlossen. Polizeisprecher Hans- Jürgen Eisel von der Polizeidirektion Südwestsachsen erklärte am Brandort: "Zeugen haben einen betrunkenen Mann in der Nähe des Stalls gesehen." Ermittlungen wurden aufgenommen.

Donnerstagnachmittag folgte die offizielle Bestätigung: Drei junge Männer im Alter von 16, 17 und 22 Jahren stehen im Verdacht, am Mittwoch gegen Mitternacht den Brand verursacht zu haben, so die Polizei. "Sollte sich Brandstiftung bewahrheiten, ist das für den Bauern und den Ort eine noch größere Katastrophe", so Bürgermeister und Feuerwehrmann Kai Wilhelm. "Weil dann das Lebenswerk eines arbeitsamen und unbescholtenen Mitbürgers vorsätzlich zerstört wurde." Die Kommune werde helfen, wo es möglich ist, sagte Wilhelm am Donnerstag zu.

Zündeleien fast an Tagesordnung

In Schönheide ist seit 2006 fast 30 Mal gezündelt worden. Für Aufsehen sorgte ein Brandanschlag im Mai 2008 auf das Zelt des Zirkus "Las Vegas". Bemerkenswertes findet sich auch in der Schönheider Chronik: Fast genau auf den Tag vor 20 Jahren, nämlich am 25. September 1989, brannte am damaligen Radecker-Platz ein Wohnhaus. Eine Frau kam in den Flammen ums Leben. Und vor 30 Jahren, am 3. November 1979, brannte die große Scheune der damaligen LPG "Vorwärts", eines Färsenaufzuchtbetriebs, nieder. Sie stand fast an gleicher Stelle wie der jetzt vernichtete Rinder-Stall.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...