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Solarworld: Zerschlagung und weitere Entlassungen drohen

Von Steffen Jankowski und Kai Kollenberg
erschienen am 17.07.2017

Freiberg. Schwere Zeiten für Solarworld: Nachdem der vorläufige Insolvenzverwalter Horst Piepenburg einen weiteren Personalabbau beim angeschlagenen Photovoltaik-Riesen angekündigt hat, droht nun auch die Unternehmensgruppe auseinanderzufallen. Piepenburg hält es für denkbar, dass einzelne Teile oder Standorte zügiger einen Investor oder Käufer finden als die übrigen. Das sagte er der "Freien Presse". "Diese Einzelangebote helfen uns, insgesamt einen fairen Kaufpreis zu erzielen", so Piepenburg. Generell gelte aber, dass die Gruppe als Ganzes angeboten werde.

Derzeit beschäftigt Solarworld etwas über 1800 Mitarbeiter. In Freiberg sind es rund 1000 Beschäftigte, in Arnstadt knapp 650 und in Bonn rund 200. Sie erhalten noch bis zum 31. Juli Insolvenzgeld. Das bedeutet, dass die Bundesagentur für Arbeit die Auszahlung der Gehälter übernimmt. Ab August müssen die Personalkosten aber aus dem laufenden Betrieb geleistet werden, was aus finanziellen Gründen ein Problem darstellt.

Deswegen soll ab August mit dem Personalabbau begonnen werden, wie Piepenburg in Freiberg und Arnstadt der Belegschaft mitteilte. Wie viele Mitarbeiter konkret zunächst freigestellt würden, entscheide sich in den kommenden zwei Wochen, erläuterte Piepenburg der "Freien Presse". Nach aktuellem Stand könnte Solarworld nur eine kleine Kernmannschaft finanzieren.

Die Mitarbeiter wurden von der neuen Ankündigung des Insolvenzverwalters dem Vernehmen nach hart getroffen. "Große Teile der Belegschaft waren davon ausgegangen, dass es nicht viel Neues geben wird", sagte die Freiberger Betriebsratschefin Anke-Martin Heede. Viele der Versammelten hätten sich erschüttert gezeigt. Der Betriebsrat bereite sich vor, ab August mit dem Verwalter über einen Sozialplan zu verhandeln. Nun hätten selbst langjährige Mitarbeiter maximal drei Monate Kündigungsfrist. "Wenn die schlimmsten Befürchtungen eintreten, dann wird das dieses Jahr für viele kein schönes Weihnachtsfest", sagte die Betriebsratschefin.

Piepenburg begründete die Einschnitte auch mit Verzögerungen, Investoren für Solarworld zu finden. Es gebe zwar ein weltweites Interesse  - auch aus Deutschland, sagte der Insolvenzverwalter im Interview mit der "Freien Presse". Potenzielle Interessenten hätten aber weiteren Prüfungsbedarf signalisiert. Sie benötigten noch bis zu vier Monate, um sich ein Bild vom Unternehmen zu machen.Er wolle, dass sich alle umfassend und intensiv informieren könnten, sagte Piepenburg: "Das beste Angebot muss nicht das mit dem höchsten Kaufpreis sein. Es kann auch ein Interessent sein, der nicht so viel bietet, aber mehr Mitarbeiter übernimmt. Das ist für mich dann eine Abwägung. Mein Hauptziel ist es, Arbeitsplätze zu erhalten."
Details zu einzelnen Standorten nannte Piepenburg nicht. Nach Informationen der "Freien Presse" wird in Unternehmenskreisen damit gerechnet, dass der Standort Hillsboro im US-Bundesstaat Oregon separat einen neuen Eigentümer finden könnte.  

 
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