Werbung/Ads
Menü
Eine Flagge der Nato weht in Brüssel im Wind.

Foto: Daniel Naupold

Nato rüstet sich mit neuen Hauptquartieren gegen Russland

Die Zeiten, in denen in der Nato gedacht wurde, dass von Russland keine Gefahr mehr ausgeht, sind vorbei. Das Bündnis zieht Konsequenzen.

Von Nico Pointner und Ansgar Haase, dpa
erschienen am 08.11.2017

Brüssel (dpa) - Rund drei Jahrzehnte nach Ende des Kalten Krieges verstärkt die Nato erstmals wieder ihre Kommandostrukturen. Die Verteidigungsminister der Bündnisstaaten berieten in Brüssel über die Pläne für den Aufbau von zwei neuen Hauptquartieren.

Sie sind Reaktion auf die als aggressiv wahrgenommene Politik Russlands. «Die Kommandostruktur muss sich verändern, wenn sich das Sicherheitsumfeld verändert», sagte Generalsekretär Jens Stoltenberg.

Die Allianz will zwei neue Planungs- und Führungszentren aufbauen. Ein Hauptquartier soll Truppenverlegungen innerhalb Europas führen. Das zweite soll Marineeinsätze im Atlantik steuern können, um im Kriegsfall den Seeweg zwischen den USA und Europa freizuhalten.

Detailplanungen sollen nun bis zum Treffen der Verteidigungsminister im Februar erfolgen. Unklar ist beispielsweise noch, ob eines der neuen Hauptquartiere in Deutschland angesiedelt wird und wie viel zusätzliches Personal zur Verfügung gestellt wird.

Um Russland abzuschrecken, wurden zuletzt bereits mehrere Tausend Nato-Soldaten im Baltikum und in Polen stationiert, die im Ernstfall von einer neuen und besonders schnellen Eingreiftruppe Verstärkung bekommen sollten.

Die Änderungen an der Kommandostruktur stellen eine weitere Kehrtwende der Nato im Vergleich zur Politik nach dem Ende des Ost-West-Konflikts dar. Im Zuge der Entspannungspolitik waren die Strukturen enorm reduziert worden. Von den 33 Hauptquartieren, die es früher gab, sind nach Nato-Angaben heute nur noch 7 übrig. Die Personalstärke der Hauptquartiere sank von 22 000 auf 6800 Mitarbeiter.

Die derzeitige Struktur wird allerdings als nicht mehr ausreichend für die aktuelle Sicherheitslage angesehen. In einem als geheim eingestuften Nato-Bericht ziehen Militärs Zweifel daran, ob die Allianz derzeit angemessen und schnell genug auf einen russischen Überraschungsangriff reagieren könnte. Vor allem östliche Bündnispartner halten ein solches Szenario nach den Ereignissen in der Ukraine nicht für völlig ausgeschlossen.

«Wir brauchen eine Kommandostruktur, die sicherstellen kann, dass die richtigen Truppen am richtigen Ort sind - mit der richtigen Ausrüstung und zur richtigen Zeit», sagte Stoltenberg am Mittwoch. Nur so könne in Europa eine glaubwürdige Abschreckung sichergestellt werden. Gleichzeitig machte er klar, dass sich auch die EU und die Privatwirtschaft an den Anstrengungen beteiligen müssten.

Die zivile Infrastruktur - Straßen, Schienennetze und Flughäfen - müsse militärischen Anforderungen entsprechen, sagte der Norweger. «Die nationalen Regierungen, der private Sektor und die Europäische Union haben Schlüsselrollen», sagte Stoltenberg.

 
© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
 
23

Lesen Sie auch

Kommentare
23
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 14.11.2017
    21:21 Uhr

    1953866: @Freigeist14,Entschuldigung, aber Ihr Post vom 14.11. um 13:51 Uhr, lässt für mich keine andere Interpretation zu. Was die Gegenwart, bzw. neuere Vergangenheit betrifft: Seit 2004 erfolgt, nach diversen Luftraumverletzungen durch Russland, die Luftraumüberwachung des Baltikum das über keinerlei Luftwaffe verfügt, durch die NATO. Ab 2007/08 wurden in Litauen (Siauliai) acht Maschinen stationiert, mittlerweile sind es im gesamten Baltikum 16 Maschinen. Dazu kommen aktuell insgesamt 4000 NATO-Soldaten im Baltikum und Polen, also 1000/Land, wobei die baltischen Staaten über kein nennenswertes Militär verfügen. Ja, das ist schon eine mächtige Bedrohung für Russland. Und man sollte schon zwischen Reden und Handeln von Putin unterscheiden. Mein Schlüsselerlebnis war, als Putin 2007 Anspruch auf den Nordpol erhob, Begründung: die gleiche eurasischen Landmasse:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Politischer_Status_der_Arktis
    Da können wir nur froh sein, dass bisher keines der Alpenländer Gebietsansprüche auf das gesamte Alpengebirge stellt.
    Das heißt aber anderseits nicht, dass ich alle Entscheidungen von EU/NATO zu Russland befürworte.

    2 1
     
  • 14.11.2017
    17:55 Uhr

    Freigeist14: Schade,wenn "Mann" in der Geschichte nur Schwarz oder Weiß akzeptieren kann. Zur Vergangenheit gehört auch,daß Polen ,wie die baltischen Staaten,vor 1939 Diktaturen waren. Als im März 1939 Deutschland das Protektorat Böhmen und Mähren installierte war sich Polen nicht zu schade,auch etwas vom tschechoslowakischen Kuchen zu nehmen. (Mährisch-Ostrau). Man hoffte auf eine Partnerschaft mit Deutschland gegen die Sowjetunion ohne sich im Klaren zu sein,daß Hitler nur auf eine Vernichtung Polens zielte.Der phatologische Anti-Russismus des Pilsudski-Regimes und deren Nachfolger verhinderte die Annäherung an die Sowjetunion.Auch blieb das "Verschwinden" einer russischen Division vor Warschau 1920 ungeklärt.......

    1 2
     
  • 14.11.2017
    17:16 Uhr

    Freigeist14: 19..@ was für eine seltsame Logik und Unterstellungen auf meine Erwähnungen.Steht da was von Rechtfertigungen der Baltikum-Besetzung oder der Gulags ?
    Wie sehr diese Diktatur deformiert war sieht man ja an den Säuberungen ,den Denunziationen ,den Morden an geflüchteten deutschen Kommunisten und nicht zuletzt an der Ignoranz mit einer Handbewegung Stalins gegenüber Richard Sorge,der den genauen Überfallzeitpunkt meldete. Die panische Angst Stalins ,Hitler zu provozieren,ging sogar soweit,das zuständige Kommandeure am 22/.23.Juni 1941 es nicht wagten,den Fliegerhorsten Start und Angriff zu befehlen.So wurden hunderte sowjetische Flugzeuge von deutschen Stukas schon am Boden zerstört.
    Nach dem Exkurs in die Geschichte kommen wir zurück in die Gegenwart.Der Westen unterstellt Russland,zu provozieren und keine Partnerschaft zu wollen. Wer die Rede Putins im Bundestag kennt und die unbeholfenen Reaktionen darauf,erkennt,das der WESTEN keine Partnerschaft auf Augenhöhe will,stets nur fordert und selber nicht bereit ist,auf legitime Sicherheitsinteressen Russlands einzugehen. Also setzt man auf die bewährte Abschreckung wie vor 1990. Man hat sich ja nichts vorzuwerfen.

    1 2
     
  • 14.11.2017
    16:57 Uhr

    acals: @19...: Bei manchen bedeutet eben "differenzierte Geschichtsbetrachtung" ein gewisses Ausblenden; nach dem Motto = es kann nicht sein was nicht sein darf.
    Unsere polnischen Nachbarn haben sicherlich ihre eigene Meinung zu "den Rosinen der Geschichte" ...

    Wenn aber dazu kommt, dass Mann nicht mal Titelseiten lesen kann - erübrigen sich ohnehin bereits alle Kommentare.

    Aber gut, das nochmal erwähnt zu haben.

    2 3
     
  • 14.11.2017
    16:34 Uhr

    1953866: @Freigeist14, schon klar, Stalin, die Gulags, Holdomor, alles Erfindungen des bösen Imperialismus. Allen Sowjetmenschen, besonders Juden, oder auch aus Deutschland vor der Verfolgung durch die Nazis geflohenen Kommunisten ging es in der UdSSR super. Und die Ursachen zum Ausbruch des ersten Weltkriegs werden mittlerweile etwas differenzierter gesehen, als nur und automatisch allein Deutschland dafür verantwortlich zu machen:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Weltkrieg
    Was ist so schwer, zu akzeptieren, dass auch Führer im Namen der "Guten Sache", sprich des Kommunismus, Verbrechen begangen? Dazu gehören auch Pol-Pot, oder Mao Ts Tung. Und gerade im Baltikum, dazu schrieb ich ja schon, wird die Besetzung durch Stalin genauso verurteilt, wie die spätere Einnahme durch Hitler. Diese beiden Gestalten waren sich in ihrer Denkweise sehr ähnlich. Polen wurde bekanntlich nicht nur von Deutschland besetzt, Stalin hat da ja auch ?sein? Stück davon abbekommen. Das ändert auch nichts an den Blutzoll, den die Bürger der SU geleistet haben. Dass auch die Selbstherrlichkeit Stalins der Überfall Hitlers auf die SU möglich, zumindest aber begünstigt wurde, (Stalin hat sämtliche Hinweise auf den bevorstehenden Angriff, z. B. Richard Sorge, nicht ernst genommen) sollte hinreichend bekannt sein.

    2 4
     
Bildergalerien
  • 21.11.2017
SHAWN THEW
USA schicken fast 60.000 Flüchtlinge aus Haiti zurück

Washington (dpa) - Rund 59.000 haitianische Erdbebenflüchtlinge in den USA müssen in ihre Heimat zurückkehren. Die Menschen mit vorübergehenden Aufenthaltsstatus hätten dafür 18 Monate Zeit, teilte das US-Heimatschutzministerium an diesem Montag (Ortszeit) mit. zum Artikel ... Galerie anschauen

 
  • 20.11.2017
Jordan Strauss
American Music Awards mit nachdenklichen Tönen

Los Angeles (dpa) - Eine gewöhnliche Preisverleihungsgala wird es nicht, das stellt Schauspieler Jamie Foxx gleich zu Anfang klar. Gemeinsam mit seiner Tochter Corinne schickt Foxx den in der Nacht zum Montag in Los Angeles verliehenen American Music Awards eine Botschaft voraus: «2017 war ein Jahr, das unseren Glauben auf die Probe gestellt hat», ... Galerie anschauen

 
  • 19.11.2017
Asmaa Waguih
Russland, Türkei und Iran bereiten Syrien-Gipfel vor

Antalya (dpa) - Die Außenminister Russlands, der Türkei und des Irans haben einen Dreiergipfel ihrer Präsidenten zum Syrien-Konflikt am kommenden Mittwoch vorbereitet. «Wir haben uns in allen Schlüsselfragen geeinigt», sagte der russische Chefdiplomat Sergej Lawrow nach dem Treffen in Antalya. zum Artikel ... Galerie anschauen

 
  • 19.11.2017
Soeren Stache
Hartes Ringen bei Jamaika-Sondierungen

Berlin (dpa) - Mit einem Bekenntnis zur Verantwortung für das Land haben die Jamaika-Unterhändler in der Schlussrunde um eine gemeinsame Linie für ein Bündnis gerungen. Die Verhandlungen sollten eigentlich am Sonntagabend bis 18.00 Uhr abgeschlossen sein, gingen aber in die Verlängerung. zum Artikel ... Galerie anschauen


 
 
 
 
 
 
 
 
am meisten ...
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
|||||
mmmmm