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Ronny Schilder

Foto: Ronny Rozum

Mit Fakten gegen Kindesmissbrauch

Zum Bericht der Aufarbeitungskommission Sexueller Kindesmissbrauch

Von Ronny Schilder
erschienen am 14.06.2017

Eine Aufklärungskampagne im Umfang der Aids-Aufklärung aus den 1980er-Jahren hält der Missbrauchsbeauftragte des Bundes in Deutschland für nötig. Jeder Erwachsene, sagt Johannes-Wilhelm Rörig, müsse wissen, was sexueller Missbrauch ist. Wo diese perfiden Taten anfangen. Und was zu tun ist, wenn man eine Vermutung oder einen Verdacht hat.

Kalter Kaffee? Wollte man der Kakophonie in den sozialen Netzen glauben, dann wimmelt es in Deutschland von Kinderschützern und Missbrauchsexperten. Das Feindbild "Kinderschänder" steht. Dass ein Hauptrisiko, der größte Anteil der Fälle in der Familie liegt? Verstörende, verdrängte Wahrheit.

Rörig spricht das aus, was keiner gerne hören will, und schon deshalb ist es gut, dass es den Missbrauchsbeauftragten gibt. Denn der Nährboden des Missbrauchs ist das Schweigen. Das Schweigen der Mitwisser, der Mütter (und auch mancher Väter), das schamhafte Schweigen der Opfer auch. Nach den skandalösen Enthüllungen zum Anfang dieses Jahrzehnts um Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche und in Internaten wie der Odenwaldschule hat die Bundesrepublik einiges getan, um das Schweigen zu brechen. Doch es bleibt ein zähes, langwieriges Geschäft.

So schrecklich auch der Missbrauch durch Fremdtäter ist - wer Opfer wirklich schützen will, darf die wahrscheinlichste Tätergruppe nicht übersehen. Und die lebt im sozialen Nahbereich. Jede(r) Siebente hierzulande, sagen Wissenschaftler und die Weltgesundheitsorganisation, ist in Kindheit oder Jugend von sexueller Gewalt betroffen. Schon daran wird deutlich, dass es wesentlich eben nicht um Zufallstragödien geht: zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen zu sein. Vielmehr spielen Nähe und Machtverhältnisse eine Rolle. Erziehungsberechtigte. Autoritätspersonen. Sorgepflichtige.

Die Fallzahlen in der Polizeistatistik sind seit Jahren anhaltend hoch. Allein mehr als 12.000 Fälle von Kindesmissbrauch wurden 2016 angezeigt (bei 86 Prozent Aufklärungsquote). Dazu kommen die Tatbestände des Missbrauchs von Jugendlichen, Schutzbefohlenen sowie der Verbreitung, des Besitzes und der Verschaffung von Kinder- und Jugendpornografie. Ein Zahlenspiegel, der Teile unserer Gesellschaft aussehen lässt wie ein Gemälde von Hieronymus Bosch.

Wer sexuellen Missbrauch wirklich bekämpfen will, dem darf ein idealisiertes Familienbild nicht den Blick verkleistern. Die Gesellschaft muss alle Bereiche ins Auge fassen, in denen Kinder betreut, gepflegt, erzogen werden. Dazu gehören die mehr als 30.000 Schulen, in denen der Missbrauchsbeauftragte 2016 eine Kampagne gestartet hat. Und es gehört dazu, den Opfern familiärer Gewalt verlässliche, vertrauenswürdige Zufluchts- und Beratungsmöglichkeiten anzubieten. Die bestehenden Beratungsstellen endlich aufzuwerten, solide auszufinanzieren und ihre Zahl zu vergrößern ist wichtiger, als befristete Projekte nach dem nächsten Skandal. Gesellschaftliche Aufklärung und kompetente Ansprechpartner in der Nähe: Das sind die Mittel in diesem Kampf.

 
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