Aktien, Fonds oder doch lieber Gold?

Viele Leser machen sich Sorgen um ihr Geld - Bankberater aus Chemnitz gaben Anlagetipps beim Telefonforum

Ab 2018 ändert sich die Besteuerung von Investmentfonds. Stephanie Wesely hat die Antworten auf Leserfragen rund um das Thema Geldanlage zusammengefasst.

Ich will für 10 bis 15 Jahre 100 Euro monatlich sparen. Welche Anlagen bringen noch etwas?

Für diesen Zeitraum wären ein oder zwei Fondssparpläne mit Aktienfonds zu empfehlen (zum Beispiel 50 Euro monatlich Aktienfonds Deutschland, 50 Euro monatlich Aktienfonds global). Hier sind, das zeigt die historische Erfahrung, langfristig Renditen von im Schnitt etwa fünf bis sieben Prozent jährlich möglich. Zudem sind Fondssparpläne flexibel: Sie können die Sparrate nach Belieben ändern, aussetzen und Sonderzahlungen leisten.

Mein Gesamtvermögen beträgt 50.000 Euro und ist in drei Einzelaktien angelegt. Reicht die Streuung aus?

Nein, Sie sollten das Depot auf mehr Wertpapiere aufteilen. Dabei wäre zu überlegen, neben deutschen auch internationale Werte zu berücksichtigen. Wichtig ist es außerdem, eine schnell verfügbare Liquiditätsreserve für Notfälle bereit zu haben, zum Beispiel auf einem Tagesgeldkonto.

Welche Auswirkungen haben die steuerlichen Änderungen ab 2018 für mich als Fondsanleger ?

Bisher wurden nur die Fondsanleger besteuert, nicht aber die Fondsgesellschaft selbst. Ab 2018 müssen Fondsgesellschaften auf bestimmte Erträge Steuern in Höhe von 15 Prozent aus dem Fondsvermögen zahlen. Das reduziert die Erträge für die Anleger. Als Ausgleich erhalten Fondssparer dafür künftig einen Teil der Ausschüttungen steuerfrei. Die Höhe des steuerfreien Anteils richtet sich nach der Art des Fonds. So bleiben künftig für Privatanleger Ausschüttungen und Veräußerungsgewinne bei Aktienfonds in Höhe von 30 Prozent steuerfrei, bei Mischfonds zu 15 Prozent und bei offenen Immobilienfonds zu 60 Prozent oder sogar zu 80 Prozent, wenn der Schwerpunkt der Immobilienanlage im Ausland ist. Die Steuerbelastung insgesamt steigt für Privatanleger daher allenfalls gering.

Ich habe verschiedene Investmentfonds. Soll ich die wegen der neuen Besteuerung ab 2018 lieber verkaufen?

Die Investmentsteuerreform, die ab 2018 in Kraft tritt, ist kein Grund, voreilig Fondsanteile zu verkaufen. Denn unterm Strich führen die neuen Regeln für Privatanleger nicht zu einer Steuererhöhung. Ihr Berater sollte Ihnen das anhand Ihres Deports erklären können.

Wir haben 30.000 Euro in zwei Investmentfonds. Ist zu erwarten, dass Kursgewinne künftig komplett besteuert werden, auch wenn es sich um vor 2009 erworbene Altbestände handelt?

In der Tat fällt der Bestandsschutz für Fondsanteile, die vor 2009 erworben wurden, ab 2018 weg. Aber besteuert werden künftig nur Veräußerungsgewinne, die nach dem 1. Januar 2018 entstehen. Die bis 31. Dezember 2017 entstandenen Kursgewinne bleiben also steuerfrei. Außerdem gibt es einen steuerlichen Freibetrag von 100.000 Euro pro Person. Der Wegfall des Steuerprivilegs trifft Sie also nicht.

Welche Vorteile haben Geldanlagen in Aktien?

Aktien sind Beteiligungen an Unternehmen und damit ein Sachwert. Mit Aktien können Anleger zum einen von regelmäßigen Gewinnausschüttungen, den Dividenden, profitieren. Zum anderen weisen viele Aktien langfristig erhebliche Wertsteigerungen auf. Wichtig sind eine breite Mischung des Aktiendepots und ein langfristiger Anlagehorizont, um Kursschwankungen zu überstehen.

Ich bin 75 Jahre. Bin ich für Aktien und Aktienfonds zu alt?

Nein, für Aktien ist man nie zu alt. Wichtig ist, dass das investierte Geld längerfristig zur Verfügung steht und Sie trotz Wertschwankungen ruhig schlafen können. Während Sie mit festverzinsten Anlagen kaum noch Renditen erzielen, können Sie mit guten dividendenstarken Aktien noch regelmäßig attraktive Ausschüttungen erhalten.

Was ist von Beteiligungen an chinesischen Solaranlagen zu halten?

Solche Spezialanlageformen sollten Sie nur als Beimischung bei großen Vermögen nutzen. Achten Sie auf seriöse Anbieter, die vom Bundesamt für Finanzdienstleistungen (BaFin) zertifiziert sind. Solche Beteiligungen sind beratungsintensive Produkte, für die Sie einen Spezialisten der Bank hinzuziehen sollten.

Ich habe einen kleinen Teil meines Vermögens in Aktienanleihen investiert. Ist das ratsam?

Aktienanleihen kommen bezüglich ihres Risikos Aktien sehr nahe. In seitwärts gerichteten Börsenphasen, also wenn die Kurse relativ stabil sind, eignen sich diese Papiere für erfahrene Anleger durchaus. Dabei muss jedoch viel Wert auf eine gute Titelauswahl gelegt werden.

Sind Rentenfonds noch eine empfehlenswerte Anlage?

In der Vergangenheit haben Rentenfonds von den fallenden Zinsen profitiert. Denn fallende Zinsen bedeuteten Kurssteigerungen bei festverzinslichen Wertpapieren. Bei dem aktuell bereits extrem niedrigen Zinsniveau ist mit weiteren Kurssteigerungen aber nicht zu rechnen.

Wir haben Dividendenfonds. Sollten wir die halten, vielleicht sogar aufstocken?

Ja, bei längerem Anlagehorizont sind Dividendenfonds ein guter Baustein in der Anlagestrategie. Einerseits bieten diese Fonds eine regelmäßige Ausschüttung, andererseits investieren Sie damit in substanzstarke Sachwerte, in Aktien.

Mir wurde von meinem Bankberater für eine fällige Sparanlage ein Kombiangebot gemacht: Eine Hälfte mit einem Prozent festverzinst für ein Jahr, der Rest in Mischfonds. Ist das lukrativ?

Ja, wenn der Mischfonds zu Ihren Anlagezielen passt. Der Zinssatz für ein Jahr ist attraktiv. Achten Sie aber auf Kosten und Risiken des empfohlenen Mischfonds. Sie sollten für Mischfonds grundsätzlich einen Anlagehorizont von mindestens drei bis fünf Jahren haben.

Wir haben 20 Prozent unseres Vermögens in Gold angelegt. Sollen wir noch aufstocken?

Ihr Goldanteil am Vermögen ist bereits sehr hoch. Da Gold keine laufenden Erträge erwirtschaftet, aber kräftigen Preisschwankungen unterliegt, eignet es sich nur zur Beimischung mit einem kleinen Anteil von etwa fünf bis zehn Prozent. Alles andere wäre Spekulation.

Lohnen sich ab 2018 ETF-Fonds für fünf bis zehn Jahre hinsichtlich der Erträge noch?

ETFs (Exchange Traded Funds) sind Investmentfonds, die einen bestimmten Index, zum Beispiel den Dax nachbilden. Ein ETF auf den Dax würde also in die 30 Aktien anlegen, die im Dax vertreten sind. ETFs sind eine gute Möglichkeit, breit gestreut und kostengünstig am Kapitalmarkt anzulegen. Daran ändert auch die Investmentsteuerreform 2018 nichts, da Privatanleger dadurch insgesamt nicht mit einer höheren Steuerbelastung rechnen müssen. Achten Sie auf ETFs, die "physisch replizierend" sind, das heißt den zugrunde liegenden Index tatsächlich mit den entsprechenden Wertpapieren nachbilden. Wer das Risiko breit streuen will, sollte weltweit investieren.

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