Keine Angst vorm Proktologen

Hämorrhoiden, Marisken, Abszesse - am Po gibt es viele unangenehme Leiden, gegen die man etwas tun kann, sagen drei Ärzte aus Sachsen

Jeder zweite Erwachsene hat Probleme mit vergrößerten Hämorrhoiden. Aber auch andere Enddarmleiden machen den Toilettengang zur Qual. Drei Proktologen aus Sachsen haben Fragen von Lesern dazu beim Telefonforum beantwortet. Stephanie Wesely hat die wichtigsten Antworten zusammengefasst.

Ich habe Hämorrhoiden, die bluten und schmerzen. Es ist mir aber peinlich, beim Arzt darüber zu sprechen. Helfen Salben?

Salben lindern vielleicht den Juckreiz, aber behandeln nicht die Ursache der Beschwerden. Schnell wird auch ein Tumor übersehen. Deshalb sollten Sie sich in einer proktologischen Praxis vorstellen. Die Intimsphäre wird dort in jedem Fall gewährleistet, peinlich muss Ihnen das nicht sein.

Bei mir wurden von zehn Jahren Hämorrhoiden mit Gummiband abgeschnürt. Der Erfolg währte nicht lange. Kann ich dieses Lifting der Darmschleimhaut noch machen lassen?

Bei der Gummibandligatur ist in 70 Prozent der Fälle mit einem Rückfall oder dem erneuten Auftreten von vergrößerten Hämorrhoiden zu rechnen. Das Lifting kann trotzdem durchgeführt werden.

Mit Interesse habe ich den Artikel über das Lifting der Darmschleimhaut gelesen. Ist das auch möglich, wenn man täglich blutverdünnende Mittel nehmen muss? Wann wird das Verfahren ambulant angeboten?

Die blutverdünnenden Mittel nehmen Sie sicher nicht ohne Grund. Bei Herzleiden oder Emboliegefahr ist eine ambulante OP oft zu riskant. Im Arzt-Patientengespräch muss ein Therapiekonzept für Sie erstellt werden. Unter stationären Bedingungen ist auch bei Einnahme von Blutverdünnern eine OP möglich.

Kann aus vergrößerten Hämorrhoiden Darmkrebs entstehen? Muss ich die unbedingt behandeln lassen?

Hämorrhoiden können die gleichen Symptome wie Darmkrebs zeigen, deshalb ist es wichtig, eine proktologische Untersuchung vornehmen zu lassen. Behandelt werden sollten Hämorrhoiden nur, wenn sie Ihre Lebensqualität beeinträchtigen.

Kann man Hämorrhoiden lindern, wenn man Abführmittel nimmt?

Vorteilhaft ist es, für weichen Stuhlgang zu sorgen. Eine dauerhafte Einnahme von Abführmitteln wird aber nicht empfohlen. Besser ist es, durch viel Bewegung, reichlich Flüssigkeit und ballaststoffreiche Kost die Darmentleerung zu erleichtern.

Der Arzt hat bei mir Marisken festgestellt. Ist das gefährlich? Ich habe außerdem Hämorrhoiden. Was wird zuerst behandelt?

Marisken sind Hautanhängsel ohne Krankheitswert, es sei denn, sie stören bei der Analhygiene. Dann kann es gelegentlich zu Entzündungen kommen. Hinsichtlich der Hämorrhoiden sollte eine Untersuchung durchgeführt werden, um das genaue Stadium festzustellen. Danach und Ihrem Beschwerdebild richtet sich die Behandlung.

Ich habe öfters Juckreiz am Po, behandle das mit Kortisonsalbe. Manchmal ist auch Blut am Papier. Ist das schlimm?

Der Juckreiz ist ein ernstzunehmendes Symptom, denn es kann auf Hauterkrankungen wie Ekzeme oder Schuppenflechte hindeuten, aber auch Begleiterscheinung von Enddarmerkrankungen wie Hämorrhoiden, Darmvorfall, Inkontinenz oder Tumoren sein. Von einer Selbstbehandlung ist deshalb abzuraten. Eine dauerhafte Kortisonbehandlung ist nicht zu empfehlen, denn sie kann die Haut schädigen.

Seit einiger Zeit habe ich beim Darmentleeren ein wenig Blut im Stuhl. Es fühlt sich an, als ob etwas verletzt ist. Nach der Entleerung stülpen sich oft Wülste nach außen. Was kann das sein? Muss das behandelt werden?

Dabei kann es sich um vergrößerte Hämorrhoiden, um Längseinrisse - sogenannte Fissuren - oder um einen Vorfall von Analschleimhaut handeln. Das muss in einer Untersuchung ermittelt werden. Danach richtet sich auch die Behandlung. Blut auf oder im Stuhl kann aber auch ein Alarmsignal für andere Krankheiten sein und sollte durch Darmspiegelung abgeklärt werden.

Ich bin 44 Jahre alt und hatte schon einen Abszess, der operiert wurde. Die Wunde hat sich nicht verschlossen, weil ein Fistelgang festgestellt wurde. Geht das auch minimalinvasiv? Wie lange wird man dafür krankgeschrieben?

Zunächst muss die Fistel untersucht werden, um die Lagebeziehung zum Schließmuskel festzustellen. Danach richtet sich das Therapieverfahren. Die Dauer der Krankschreibung ist abhängig vom Heilungsverlauf und Ihrer beruflichen Tätigkeit. Eine Mindestdauer von zwei Wochen müssen Sie aber einplanen.

Am Darmausgang habe ich seit zwei Wochen eine erbsengroße Verdickung. Am Anfang sah das wie eine Blutblase aus. Jetzt ist es verblasst. Verheilt das von alleine wieder?

Das ist eine häufig auftretende Veränderung, die oft nach starker körperlicher oder mechanischer Belastung des Analkanals durch Verstopfung oder auch Durchfallerkrankungen auftritt. Es handelt sich um eine sogenannte Analvenenthrombose. Die Veränderung geht oft mit Schmerzen und Druckgefühl einher. In frühen Stadien kann das Ausschneiden unter örtlicher Betäubung helfen. Es gibt alternativ eine konservative Behandlung mit Sitzbädern aus Schwarztee, lokaler Kühlung und Anwendung abschwellender Salben. Die Selbstheilung dauert dann entsprechend länger. Als Folge kann ein Hautanhängsel - eine sogenannte Mariske - bestehenbleiben.

Seit vielen Jahren leide ich an Marisken. Ich scheue eine proktologische Untersuchung. Wie kann ich mir das Leben mit den Marisken erleichtern?

Durch richtige Analhygiene, zum Beispiel Abbrausen nach dem Stuhlgang mit einer Po-Dusche, Reinigung mit olivenölgetränktem weichen Toilettenpapier und Hautpflege mit Präparaten ohne Konservierungs- und Duftstoffe. Keinesfalls sollten Sie feuchtes Toilettenpapier verwenden.

Wegen meiner Hämorrhoiden wurde ich vor einigen Jahren mit der Lifting-Methode behandelt und habe auch gute Erfahrungen gemacht. Sie haben aber geschrieben, dass die Methode neu ist. War das bei mir ein anderes Verfahren?

Es gibt mehrere Verfahren, die auf diesem Prinzip beruhen. Sie heißen zum Beispiel HAL-RAR, THD-Slide. Das HPS Plus ist in Deutschland eine neue Methode, die aus den beiden hervorgegangen ist.

Ich lese gerne auf der Toilette Zeitung. Da kann schon mal eine halbe Stunde ins Land gehen. Das soll gefährlich sein. Warum?

Dadurch wird zu viel Druck auf den Enddarm ausgeübt. Das fördert die Vergrößerung von Hämorrhoiden. Die "Sitzung" sollte deshalb nicht länger als drei Minuten dauern und möglichst ohne Pressen vonstattengehen. Beim Pressen können vergrößerte Hämorrhoiden einreißen und bluten.

Ich habe im After- und Genitalbereich viele kleine Furunkel. Was kann das sein? Kann man das behandeln?

Es handelt sich möglicherweise um das Krankheitsbild einer Akne inversa, das durch Rauchen begünstigt wird. Hier sollten Sie sich im Akutfall beim Chirurgen vorstellen. Bei schweren chronischen Verläufen stehen Hautärzten neue Behandlungsmethoden zur Verfügung.

Ich leide häufig an plötzlich auftretenden Schmerzen im Analbereich. Sie sind sehr stark, gehen aber relativ schnell wieder weg. Was kann das sein?

Mit großer Wahrscheinlichkeit ist das eine Proktalgia fugax - der einschießende Afterschmerz. Die Ursache ist nicht genau geklärt. Möglicherweise sind das Gefäßkrämpfe. Bekannt ist aber auch ein gemeinsames Auftreten mit Hämorrhoiden ersten und zweiten Grades. Nach erfolgreicher Hämorrhoidenbehandlung bessern sich meist auch die Beschwerden. Kurzfristig helfen lokale krampflösende Anwendungen, zum Beispiel feuchte Wärme.

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