Diegos späte Heimkehr

Fußball-Bundesligist RB Leipzig bestreitet morgen das erste Europa- League-Spiel der Vereinsgeschichte. Sportlich und wirtschaftlich eine wichtige Partie. Für einen Spieler ist die Reise etwas Besonderes.

Leipzig.

Gestern hob die Maschine mit RB Leipzig in Richtung Italien ab. Beim Tabellenführer SSC Neapel wartet das nächste internationale Abenteuer. Der einst so große und immer noch stolze Club führt mit einem Punkt die Serie A an, will die erste Meisterschaft nach 1987 und 1990 holen.

Damals spielte ein gewisser Argentinier namens Diego Maradona für die Italiener. Ein anderer Diego war da noch gar nicht geboren. Erst 1991 erblickte Diego Demme das Licht der Welt. Dessen Vater, ein Italiener, war Fan des Ausnahmekönners und benannte seinen Filius nach ihm. Viel später sollte sich herausstellen: Es war vielleicht die falsche Wahl. Denn der Sechser von RB ist mehr Gennaro, denn Diego. Findet zumindest Bundestrainer Joachim Löw, der ihn vergangenen Sommer zur Nationalmannschaft einlud. "Ein kleiner Gennaro Gattuso. Einer, der giftig in die Zweikämpfe geht, physisch stark ist, der die Räume gut verteidigt."

Für das Spiel der Leipziger ist der unauffällige Dauerläufer extrem wichtig. Er räumt nicht nur ab, sondern ist durchaus auch ein Regisseur. Umso wichtiger, dass er nach überstandener Grippe mit an Bord der Maschine war, ebenso wie Teamkollege Marcel Sabitzer. "Wir fahren mit breiter Brust hin", sagte Kapitän Willi Orban, ergänzte aber auch: "Dass Neapel eine wahnsinnig starke Mannschaft und gefühlt ein Champions League-Los ist, ist allen klar." Mit der zuletzt gewonnen defensiven Stabilität wollen die Leipziger den Neapolitanern den Zahn ziehen. Den Sachsen spielt dabei absolut in die Karten, nicht in der Favoritenrolle zu sein. Zuletzt spielte RB immer dann gut, wenn der Gegner das Spiel machen musste. Dann können Pressing und Umschaltspiel am besten genutzt werden.

Für Leipzig hat das Spiel auch eine wirtschaftliche Dimension. Im Jahresabschlussbericht der Rasenballsport Leipzig GmbH stehen Schulden von fast 100 Millionen Euro zu Buche. Ein Fingerzeig auf die Dimension der "Anschubfinanzierung" des Vereins. Wegen des Uefa- Financial-Fairplays wird die Alimentierung durch den namensgebenden Getränkehersteller nicht ewig weitergehen können. Zusatzeinnahmen aus den internationalen Wettbewerben sind da sehr willkommen. Für das Erreichen der nächste Runde bekämen die Sachsen gerade einmal 750.000 Euro, für einen Titelgewinn aber immerhin schon 6,5 Millionen Euro.

Viel wichtiger ist aber die erneute Qualifikation für die Champions League. Das sehen wohl auch die Italiener so: Laut Medienberichten wird Neapel mit einer B-Elf auflaufen, um sich auf die Meisterschaft zu konzentrieren. Dazu sind gerade einmal 8000 Karten abgesetzt.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...