Ein Dämpfer zur rechten Zeit?

Der FC Erzgebirge verliert nach acht Spielen ohne Niederlage bei Arminia Bielefeld. Aue steckt damit weiter im Abstiegskampf der 2. Bundesliga, hat es aber selbst in der Hand.

Bielefeld.

Im Fußball zählen Tore und nicht die Bewertungen der Halbzeiten. Wäre dies der Fall, dann hätten sich die Auer am Sonnabend womöglich ein 1:1-Unentschieden verdient. Da Arminia Bielefeld aber vor allem in der Offensive zielstrebiger agierte beziehungsweise kleine Schaltpausen des FCE clever zu Treffern nutzte, kehrten die Erzgebirger mit leeren Händen aus Ostwestfalen zurück.

Keine Tore, keine Punkte und keine Rede mehr von einer neuen Rekordmarke . Nach acht ungeschlagenen Spielen in Folge musste die Mannschaft von Trainer Hannes Drews mit dem 0:2 (0:1) wieder eine Niederlage einstecken. Ein weiterer Befreiungsschlag im Abstiegskampf gelang nicht. Pascal Köpke konnte dem Ergebnis trotzdem Positives abgewinnen. "Ich glaube, dass uns der Dämpfer vielleicht noch mal gut tut. Dass wir jetzt aufwachen und in den letzten vier Spielen Punkte holen müssen", sagte der Stürmer.

Das müssen die Auer in dieser verrückten zweiten Fußball-Bundesliga, in der neben dem nächsten Gegner MSV Duisburg noch viele Mannschaften im Abstiegskampf stecken, bestimmt. Dass es in Bielefeld nicht gelang, lag auch an Köpke. Der zuletzt so treffsichere Torjäger schoss bei der ersten verheißungsvollen Chance der Auer (26.) den Ball aus spitzem Winkel am langen Pfosten vorbei. Zehn Minuten später parierte Stefan Ortega Morena, der Arminia-Torhüter mit deutsch- spanischen Wurzeln, im Anschluss an eine Ecke einen Kopfball des 22-Jährigen Angreifers stark. Den Nachschuss klärten die Hausherren auf der Linie. Zwei gute Chancen, die die bessere Spielanlage und die leichte Dominanz der Gäste in der ersten Halbzeit untermauerten. "Da kann ich der Mannschaft nicht so viele Vorwürfe machen", unterstrich FCE-Torhüter Martin Männel den guten Eindruck, den sein Team hinterließ.

Der reichte aber nicht, um in Führung zu gehen. Das schafften die Gastgeber kurz vor dem Halbzeitpfiff überraschend durch Andreas Voglsammer. Ein Einwurf landete über die Stationen Klos und Kerschbaumer passgenau im Lauf des schnellen Stürmers, der Männel den Ball durch die Beine schoss. "Das darf nicht passieren. Da fangen wir uns ein Tor wie aus dem Nichts. Wir hatten klar besprochen, dass Florian Dick super Einwürfe macht und schnell ausführt. Das müssen wir uns hinter die Ohren schreiben", monierte Dimitrij Nazarov diese mitentscheidende Szene. Denn sie hing den Männern aus dem Lößnitztal in den zweiten 45 Minuten an. "Da waren wir ein Stück weit zu hektisch und haben dadurch viele Fehler gemacht", analysierte Männel völlig korrekt.

Die Mannschaft des luxemburgischen Trainers Jeff Saibene, der Aues Ridge Munsy aus gemeinsamen Zeiten beim FC Thun kennt und herzlich begrüßte, legte ihre Zurückhaltung mehr und mehr ab. Ein von Calogero Rizzuto abgefälschter Voglsammer-Schuss (59.) landete noch am Pfosten. Doch gegen die Wucht von Fabian Klos (69.) war kein Kraut gewachsen. Den ersten Versuch des 1,94 Meter großen Offensivmannes konnte Christian Tiffert abblocken, dann setzte sich das Bielefelder Urgestein jedoch stark im Strafraum durch und schoss zum 2:0 ein. Die Aktion von Klos, dessen 111. Tor für die Bielefelder ausgiebig bejubelt wurde, veranschaulichte, was den Auern abging. "Uns fehlte die letzte Galligkeit, die letzten paar Prozente aus den letzten Spielen", sagte Hannes Drews.

Neben Zielstrebigkeit und Entschlossenheit, etwa bei 11:3 Eckbällen für Aue, fehlte seiner Mannschaft zwar auch ein wenig Glück. So landete ein abgefälschter Schuss des eingewechselten Dominik Wydra (88.) nur am Pfosten. Jedoch geht der Sieg der Bielefelder letztendlich in Ordnung - und für die Auer die Welt nicht unter. "Wir stehen noch nicht mit dem Rücken zur Wand, haben noch Luft zum Atmen. Und wir haben uns in den letzten Wochen so viel Selbstvertrauen geholt, das macht ein Spiel nicht kaputt", sagte Martin Männel und verwies auf den entscheidenden Faktor: "Wir haben es in den letzten vier Spielen selbst in der Hand." Eigene Tore wären dabei ganz hilfreich.

"Bielefeld hat verdient gewonnen"

Dimitrij Nazarov (zur Tabellensituation): "Ich schaue mir das gar nicht richtig an, ich bin so ein Typ. Und im Endeffekt kannst du dich auf keinen mehr verlassen. Du musst deine Hausaufgaben machen. Und wenn du sie machst, bist du durch."

FCE-Präsident Helge Leonhardt (zum Spiel): "Wir sind ja hier nicht wie abgeschossene Tauben runtergeflogen, so war es nicht. Es war eine ansehnliche Partie, und beide Mannschaften haben alles rausgehauen. Aber aufgrund der zweiten Halbzeit - egal, ob wir gefühlt hundert Ecken hatten - muss man auch sagen: Bielefeld hat verdient gewonnen."

FCE-Trainer Hannes Drews (zum nächsten Spiel): "Ich kann versprechen, dass wir aus der Niederlage lernen und uns gegen Duisburg' besser präsentieren werden."

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