CFC-Krise und die Frage: Spenden auch die Profis?

Dem Fußball-Drittligisten steht das Wasser bis zum Hals. "Freie Presse" wollte gestern von Spielern wissen, ob sie ihrem Club ein wenig unter die Arme greifen werden. Nur einer hatte dazu eine klare Meinung.

Sie legten die Stirn in Falten, verzogen das Gesicht oder waren im ersten Moment sprachlos. Mit der Frage, ob sie zu einer Spende für ihren finanziell schwer angeschlagenen Verein bereit sind oder auf Prämien verzichten, hatten die Profis des Chemnitzer FC offenbar nicht gerechnet. "Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht", sagte Jan Koch vor dem Training am gestrigen Nachmittag im Sport- forum.

Julius Reinhardt verwies zunächst darauf, dass der Mannschaft "von allen Seiten" versichert worden sei: Es wird keine Einschnitte im sportlichen Bereich geben. "Sollte sich herausstellen, dass dringend Hilfe notwendig ist, kann man darüber nachdenken. Letztlich sind wir als Spieler aber nicht dafür zuständig, ein Millionenloch zu stopfen", fügte Reinhardt hinzu. Das Team sollte auf dem Platz seine Leistung bringen. "Alles andere ist erst einmal hypothetisch", so der 28-Jährige.

Björn Jopek hatte zu diesem Thema nicht viel zu sagen. "Es liegt an jedem selbst, ob er etwas spendet. Als Spieler haben wir unsere sport- lichen Aufgaben", bemerkte Jopek. Youngster Florian Hansch zeigte sich von der Frage auch nicht so recht begeistert. "Aber ich bin ehrlich. Ich habe mir einige Gedanken darüber gemacht, ob man als Spieler etwas dazugeben sollte. Bisher habe ich nichts gespendet", sagte der 21-Jährige und ergänzte: "Wenn viele andere Spieler das tun, werde ich auf dieser Welle mitschwimmen." Für Kapitän Kevin Conrad stand unterdessen fest: "Das ist eine sehr undankbare Frage, zu der ich nichts sage. Man kann nur eine falsche Antwort geben." Conrad ließ durchblicken, dass er seine Mit- spieler unter Druck setzen würde, wenn er eine eigene Spende ankündigt.

Der einzige befragte CFC-Profi, der sich zu dem Thema locker vom Hocker äußerte, war Torjäger Daniel Frahn. "Das muss jeder mit sich selbst ausmachen. Was mich angeht, so werde ich mich beteiligen und etwas spenden", erklärte der 29-Jährige. Das wird er wohl nicht als Einziger bei den Himmelblauen tun. Wie Co-Trainer Ulf Mehlhorn auf Anfrage erklärte, habe man sich im Trainerteam darüber unterhalten, wie man auf die Krise im Verein reagiert. "Ich gehe davon aus, dass es eine Spende oder den Verzicht auf etwas geben wird. In dieser Woche reden wir noch mal darüber", kündigte Mehlhorn an.

Nach Lage der Dinge wird der Profi-Kader am kommenden Montag komplett bei der mit großer Spannung erwarteten Mitgliederversammlung des CFC in der Chemnitz-Arena vertreten sein. "Es geht darum, alle Fakten zu erfahren, um Klarheit zu haben. Die Karten müssen auf den Tisch", betonte Daniel Frahn. In die selbe Kerbe schlug Julius Reinhardt. "Es liegt auch im Interesse der Spieler, dass die offensichtlichen Missstände im Verein aufgeklärt werden", so Reinhardt. Laut Sport-Geschäftsführer Stephan Beutel sollte das Thema Finanzkrise bestmöglich von den Spielern ferngehalten werden - doch nun die Teilnahme des Teams an der Mit- gliederversammlung. Ein Widerspruch? Assistenztrainer Mehlhorn verneint. "Wir alle sind Profis genug, um die Dinge trennen zu können", sagte der 48-Jährige gestern.

Sportlich bereiten sich die Schützlinge von Cheftrainer Sven Köhler auf ihr letztes Heimspiel des Jahres vor. Am Samstag ab 14 Uhr geht es in der Community4you- Arena gegen Jahn Regensburg. Anlässlich dieser Partie hat der Verein Fanszene das Projekt "10.000 + X" gestartet. Ziel ist eine fünfstellige Anzahl an Zuschauern, um dem Club zu mehr Einnahmen zu verhelfen. Bis gestern Abend waren nach Angaben des Drittligisten annähernd 5000 Tickets verkauft.

Eintrittskarten für die Heimspiele des Chemnitzer FC sind in den Shops der "Freien Presse" erhältlich.


Weihnachts-Sportstammtisch für den Nachwuchs

Im Vereinslokal "Zur Vogelweid" an der Fürstenstraße findet aus organisatorischen Gründen nicht wie gewohnt an einem Dienstag, sondern am morgigen Mittwoch der traditionelle CFC-Weihnachtsstammtisch statt. Beginn ist 18 Uhr. Als Gäste aus der Profi-Mannschaft wurden Kapitän Kevin Conrad, Anton Fink, Daniel Frahn, Marc Endres, Kevin Kunz und Tom Scheffel eingeladen. Zudem hat der Geschäftsführer Sport des Drittligisten, Stephan Beutel, seine Teilnahme zugesagt.

Im Laufe der Veranstaltung wird Geld zugunsten der Nachwuchs- abteilung des CFC gesammelt. Dazu gibt es unter anderem eine Trikotversteigerung. Bereits im Vorfeld sind laut Organisatoren Spenden eingegangen. So sammelten die Mitarbeiter der Bäckerei Reimann 610 Euro. (ms)

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1Kommentare
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  • 9
    2
    acals
    06.12.2016

    Persoenlich kann ich das sehr gut nachvollziehen, dass sich die Profis des CFC mindestens bedeckt geben - was hatten sie auch fuer eine Chance in die "Buecher" zu schauen. Wenn die Spieler dann doch etwas beitragen wollen, ist das toll. Wenn es auch nur finanzielle Kosmetik waere, haette es schon hohen symbolische Wert.

    Es ist also Recht, das die CFC Spieler nicht zahlen.

    Es ist anderesseits billig, das andere -und noch weiter entfernte Unbeteiligte- auch nichts zahlen. Da fiele mir sofort der Chemnitzer Steuerzahler an. Die Kassierin im Supermarkt, die jeden Morgen noch schnell ihr Kind in die KITA bringt; die Grundschullehrerinnen, die den kleinen Chemnitzerinnen Lesen, Schreiben, Rechnen beibringen; die Gymnasial- und Oberstufenlehrerinnen - besonders die, die im Fach "Ethik" unterrichten und sagen duerfen
    =was Recht, und was Billig ist=
    usw.

    In meinen Augen waere es eine Farce, auch alle diese Unbeteiligten zu einer (zusaetzlichen) Stadionzwangsabgabe zu verdonnern.



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