Allgäuer strebt erneuten Titelgewinn an

Es gibt nicht allzu viele Sportarten, in denen man mit über 50 Jahren noch in der Weltspitze mitmischen kann. Segelfliegen bildet da eine Ausnahme.

Zwickau.

1986 ist er erstmals Deutscher Meister in der Standardklasse geworden. Bei den Titelkämpfen 2017, die derzeit in Zwickau ausgetragen werden, führt Robert Schröder das aktuelle Klassement an.

"Ich war damals vor 31 Jahren in Marpingen der jüngste Teilnehmer, und nun gehöre ich zu den Älteren. Jetzt versuche ich, dass die Jungen mich nicht abhängen", lacht Schröder. "Das Schöne am Segelfliegen ist ja, dass es kein so hartes Alterslimit gibt wie bei vielen anderen Sportarten. Mit 51 bin ich immer noch konkurrenzfähig." Er konnte sich sogar leisten, aus familiären Gründen mal eine achtjährige Pause einzulegen, um danach wieder an die Spitze zurückzukehren. Das wäre in jeder anderen Sportart wohl unmöglich.

Angefangen hat er mit 14. Über den Modellflug ist er zum Segelflug gekommen. Robert Schröder startet für den SFV Bad Wörishofen, den er als Erster Vorsitzender auch leitet. Zweimal war er WM-Dritter der Offenen Klasse (1995 in Neuseeland, 1997 in Frankreich). Bei den Weltmeisterschaften 2016 in Pociunai (Litauen) erreichte er unter 40 Piloten aus allen Kontinenten einen hervorragenden 5. Platz. Die Begeisterung für die Fliegerei liegt in der Familie. Seine Frau lernte der Allgäuer bei einem Segelflugwettbewerb kennen, Sohn Simon ist amtierender Deutscher Juniorenmeister.

In den drei Jahrzehnten seit seinem ersten Titelgewinn hat sich einiges geändert. "Die Flugzeuge sind besser geworden, mit GPS, ein Flugschreiber zeichnet alles auf", erzählt Schröder. "Das Wissen um Technik, Aerodynamik und Meteorologie hat sich erweitert. Und es ist transparenter geworden. Früher konnten die guten Leute ihr Wissen für sich behalten. Heutzutage sind die Flugaufzeichnungsgeräte so gut, dass man alles genau nachvollziehen kann. Wir sind wie gläserne Piloten. Da gibt es keine Geheimnisse mehr."

Erhöht hat sich auch der finanzielle Aufwand. Früher wurde für eine WM-Teilnahme sogar Sonderurlaub gewährt. Und der Verband erstattete die Kosten. Heute beschränkt sich die Unterstützung in Deutschland auf die Erstattung der Meldegebühr. "80 bis 90 Prozent müssen die Teilnehmer selber tragen. Bis auf ganz wenige Nationen, wo der Staat wirklich dahinter steht, ist das leider überall so", bedauert der 51-Jährige. "Oft kann nur derjenige zur WM auf einen anderen Kontinent fahren, der es sich leisten kann."

In Zwickau ist er nicht zum ersten Mal. Der Flugplatz gefällt ihm. "Das ist natürlich ein Traum. Das ist derart großzügig, was Platz und Ausstattung angeht, davon können wir nur träumen", lobt Robert Schröder das Domizil des Aero-Clubs an der Reichenbacher Straße. "Es ist für den Segelflug unheimlich wichtig, dass das so erhalten bleibt." Der Berufspilot, der ab München fliegt und Passagiere befördert, führt bei den deutschen Meisterschaften nach bisher fünf Wertungstagen das Klassement in der Standardklasse an. Und er will auch am Ende dort stehen. "Wenn man den sportlichen Ehrgeiz hat, sich der Konkurrenz zu stellen, dann möchte man natürlich auch vorn landen", betont Schröder. Sein Vorteil: Er fliegt zusammen im Team mit dem aktuellen Zweitplatzierten, seinem Vereinskollegen Kilian Biechele. Die Allgäuer haben ein großes Ziel vor Augen: Die beiden Besten der nationalen Titelkämpfe dürfen an der WM (2018 in Ostrów/Polen), teilnehmen, der Dritte und Vierte an der Europameisterschaft.

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