Stadionsprecher müssen nicht schreien

... können aber. Seine Stimme kennt jeder, der schon mal ein Heimspiel des FSV Zwickau besucht hat - ein langer Nachmittag mit Detlef Fischer.

Zwickau.

Eine kleine Hütte, eingezwängt zwischen zwei Baugerüsttribünen, ist das Reich von Detlef Fischer, besser bekannt als Fischer-Det. Zumindest, wenn der FSV Zwickau zu Heimspielen im Sportforum "Sojus" auftritt. Dann bereitet der 58-jährige Stadionsprecher die Bühne für die elf Rot-Weißen.

Drei Stunden vor dem Spiel beginnt der Arbeitstag für Fischer. Er baut die Musikanlage, Laptop, Mischpult und Lautsprecher auf, zieht die Stromkabel von den Boxen auf der Tartanbahn zu seiner Hütte, die ein wenig an einen Taubenschlag erinnert - und in der es auch ähnlich zugeht: ständig flattern Informationen rein und raus. "Det, haste mal noch ne Aufstellung", fragen Fans von der Tribüne nebenan.

Im "Zwicker", dem offiziellen Stadionheft (es gibt auch noch das Heft der Ultras namens "Azione Kaos"), war die genaue Aufstellung beim Spiel gegen Jena vergangenen Sonntag nicht abgedruckt. Det hat mehrere Kopien zur Hand und reicht sie nach oben. "Kannste mal noch einen Geburtstagsgruß durchsagen", fragt jemand anders. Klar, geht. Die Gewinner der Verlosung eines FSV-Sponsors werden noch schnell durchgegeben, die Info, dass das Spiel zehn Minuten später los geht, weil noch viele Fans auf Einlass warten, und so weiter. Fischer macht routiniert und mit sonorer Radio-Stimme seine Ansagen, wählt nebenbei noch die Musik aus, und bei allem Trubel ist immer noch genug Zeit für einen Plausch mit den Zuschauern. "Gute Kampfansage, Det", sagt einer. Seit drei Jahren ist der Veranstalter und Moderator Stadionsprecher, auch zu Zweitligazeiten hat er den Job schon gelegentlich gemacht. Sein Vorbild ist Stefan Lehman vom FC Bayern München. "Der macht es genau richtig, sagt nicht zu viel und nicht zu wenig und macht dabei nicht so ein Geschrei", sagt Fischer. "Auch Norbert Dickel von Borussia Dortmund ist richtig gut. Aber der ist eher ein Typ, der richtig emotional reagiert."

Die zwei Tore für den FSV kommentiert er mit einem lang gezogenen Toooooor-Ruf. Während der letzten Oberliga-Saison des FSV hat Fischer noch unter Trainer Nico Quade mit der Mannschaft ein neues Vereinslied aufgenommen - "Sachsenring, o Sachsenring olé". "Die Spieler wollten damals nicht mehr die alten Zöpfe hören", sagt er. Die Fans bestanden aber auf den Klassiker aus den Zweitliga-Tagen "FSV, das ist unser Leben" - nun sind beide Titel zu hören. Nach dem Spiel interviewt Fischer, der selbst als Trainer beim VfB Eckersbach und bei Fortuna 97 Pölbitz aktiv war, noch FSV-Coach Torsten Ziegner. Dann baut er die Anlage ab. Im Taubenschlag kehrt erst wieder Ruhe ein, als das Sportforum schon fast leer ist - bis zum nächsten Heimspiel. http://detfischer.magix.net

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