Sophie Scheder startet Comeback vor heimischer Kulisse

Gemeinsam mit Weltmeisterin Pauline Schäfer gehört die Olympiadritte zu den Favoritinnen der EM-Qualifikation der Turnerinnen am Sonnabend in Chemnitz. Der Fokus liegt nicht nur auf dem internationalen Championat.

Chemnitz.

In ihrer bisherigen Laufbahn hat Sophie Scheder schon zahlreiche Qualifikationswettkämpfe für internationale Höhepunkte erfolgreich bestritten. Seit über sechs Jahren gehört sie der deutschen Spitze an und meisterte ihre Starts bei den Topereignissen mit Bravour. Dennoch besitzen die Auftritte am Sonnabend in ihrer Wahlheimat für die elegante Gerätkünstlerin eine ganz besondere Bedeutung. "Es kribbelt schon seit zwei Monaten bei mir, die Nervosität steigt. Aber es überwiegt eindeutig die Vorfreude", meinte sie mit Blick auf ihr Comeback. Denn seit ihrem grandiosen Olympiatriumph von Rio, als sie am 14. August 2016 die Bronzemedaille am Stufenbarren gewann und damit ein besonderes Geschichtskapitel nicht nur für den Turnsport in der Region schrieb, zeigte sie vor Kampfrichtern keine Übung mehr.

Und nun nach dieser ungewohnt langen Abstinenz möchte sie sich auf Anhieb für den ersten Saison- höhepunkt, die EM Anfang August in Glasgow, empfehlen. "Ich bin einfach glücklich, dass ich einen konkurrenzfähigen Mehrkampf auf gutem Niveau anbieten kann", sagte Sophie Scheder und machte zudem neugierig: "Am Stufenbarren werde ich eine neue Übung zeigen." Ihrem Paradegerät, an dem sie ebenso bei Welt- und Europameisterschaften schon im Finale stand, konnte sie sich in den vergangenen Monaten auch in schwierigen Phasen am meisten widmen. Denn ursprünglich hatte die gebürtige Wolfsburgerin, die seit 2008 am Bundesstützpunkt in Chemnitz bei Gabi Frehse trainiert, nicht damit gerechnet, dass sich ihre Wettkampfabstinenz so lange hinzieht.

Nachdem ihre Kniebeschwerden nach Rio trotz Ruhe und speziellen Behandlungen nicht behoben werden konnten, unterzog sie sich auf Anraten des renommierten Sportmediziners Dr. Hans-Wilhelm Müller Wohlfahrt im April 2017 einer Operation bei einem Spezialisten im amerikanischen Vail. Der Eingriff war komplizierter als gedacht, dementsprechend dauerten auch die folgenden Reha-Maßnahmen länger.

Im Januar fing sie dann wieder mit dem spezifischen Training an, musste aber fast stetig mit zusätzlichen Problemen kämpfen. Zunächst plagte sie sich bis März mit einem Virus herum, der sie mehrfach zu Pausen zwang. Zudem wurde ein Belastungsasthma diagnostiziert. Dann zog sie sich einen Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel zu, der sie erneut zurückwarf. "Das Auf und Ab war auch für Psyche sehr anstrengend", erzählte die 21-Jährige, die dennoch immer ihren Optimismus behielt. Nach einem internen Test Ende vergangener Woche, der ihr sehr gut gelang, fühlt sich Sophie Scheder nun bestens gewappnet, um die Fans zu begeistern.

Ähnlich zuversichtlich zeigte sich auch Pauline Schäfer während einer Trainingspause. Sie hatte bei der WM vergangenen Oktober im kanadischen Montreal für den Paukenschlag schlechthin gesorgt, als sie überraschend den Titel am Schwebebalken gewann. Seither meisterte sie auch unzählige Termine bei verschiedenen Veranstaltungen und Ehrungen mit Bravour, avancierte sogar zu einer Werbeträgerin eines Möbelhauses in Österreich. Ihren bislang letzten Wettbewerb bestritt sie im Dezember 2017 beim Bundesligafinale. Dass sich die 21-Jährige danach gleichfalls nicht der Konkurrenz stellte, hatte sie mit Trainerin Gabi Frehse langfristig so geplant. "Ich bin froh, bereue diese Entscheidung nicht. Nach dem nervenaufreibenden Jahr war es einfach gut, nicht so schnell wieder so viel Stress zu haben", meinte Pauline Schäfer, die zudem mit dem Abiturkurs an der Abendschule ein vollgepacktes Tagesprogramm bewältigt.

Sie nutzte die vergangenen Monate vorrangig, um neue Übungen aufzubauen oder weitere Schwierigkeiten zu erlernen. "Es läuft alles nach Plan. Um auf höchstes Niveau zu kommen, gibt es aber natürlich noch Arbeit", berichtete die gebürtige Saarländerin, die beispielsweise an ihrem Paradegerät eine weiteres hochkarätiges Element bis zur WM Ende Oktober einbauen will. Doch zunächst möchte auch sie vor heimischer Kulisse glänzen und das Ticket für die EM buchen.

Nationale Turnelite in Chemnitz zu Gast

Der erste Qualifikationswettkampf der deutschen Turnerinnen für die EM Anfang August in Glasgow findet am Sonnabend in Chemnitz statt. Sowohl die besten Damen als auch die Juniorinnen kämpfen um die begehrten Tickets. Nach diesen Wettkämpfen erfolgt bereits die Vornominierung von jeweils 6 Athletinnen, bei abschließenden Länderkämpfen wird davon die jeweilige Ersatzturnerin bestimmt.

Die besten Nachwuchsturnerinnen aus allen Bundesländern starten am Sonnabend beim Kaderturncup (AK 11) und am Sonntag beim Turn-Talentschulpokal (AK 9/10).

Zeitplan: Sonnabend: 12.30 Uhr: Kaderturncup (AK 11); 17.30 Uhr: EM-Qualifikation der Damen und Juniorinnen; Sonntag: Turn-Talentschulpokal: 9 Uhr: AK 10; 13.30 Uhr: AK 9.

Austragungsort: Hartmannhalle.

Kartenbestellungen für EM-Qualifikation: telefonisch: 0371-363522, per Mail: info@tus-chemnitz.de; Rabatt im Vorverkauf. (fp)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
 Artikel versenden
Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...