Mein Oldie - Schrauberfreundlich und besser als sein Ruf

Einst verpönt, heute bestaunt - Wildenfelser Tilo Vogl schafft aus seinem Schrott-Saporoshez schmucken Oldtimer

Als die ersten Saporoshez im Straßenbild der DDR auftauchten, hatte der Volksmund gleich mehrere Spitznamen parat. Bezeichnungen wie "Zappelfrosch", "Kremlwanze" oder "Russenpanzer" zeigten, wie man den knatternden Sowjet-Import hierzulande aufnahm. Der zunächst rundliche, dann kantige Kleinwagen aus dem "Saporoshski Awtosawod Kommunar" (SAS) aus der ukrainischen Stadt Saporoshje am Dnjepr besaß gegenüber Trabant & Co. allerdings einen wesentlichen Vorzug: Er war ohne Wartezeit erhältlich.

Dieser Vorteil währte nicht lange, wie sich Tilo Vogl aus Wildenfels erinnert. Nachdem er und seine Frau sich Anfang der Siebzigerjahre für den Kauf eines Saporoshez entschieden hatten, erfuhren sie, dass es inzwischen auch für dieses Auto Lieferfristen gab. Sie kauften sich einen gebrauchten Škoda, doch der Gedanke an den Saporoshez ließ Tilo Vogl nie mehr los. Gut dreißig Jahre dauerte es, bis der Diplomingenieur für Maschinenbau doch noch zu seinem "Sapo" kam - nun als Oldtimer.

Ein nahezu schrottreifer SAS 968 A aus dem Jahr 1973 und eine zusätzlich erworbene Karosserie bildeten die Basis für die Restaurierung. In vier Jahre währender Kleinarbeit baute Tilo Vogl, unterstützt von Sohn Henry, den Wagen Schritt für Schritt neu auf. "Das schlimmste war die Elektrik. Oft haben auch Teile gefehlt, die nicht mehr aufzuarbeiten oder zu beschaffen waren. Trotzdem haben wir nie den Mut verloren. Im Frühjahr 2008 war es schließlich soweit, der Motor lief das erste Mal." Der im Heck befindliche Vierzylinder-Viertakt-V-Motor arbeitet mit Luftkühlung, was den charakteristischen, an den VW-Käfer erinnernden Klang erkärt.

Die Leistung des 1196 ccm-Triebwerks beträgt 40 PS bei ca. 4000 U/min. Eine hydraulisch betätigte Einscheiben- Trockenkupplung überträgt das Drehmoment über das Vierganggetriebe auf die Hinterräder. Die selbsttragende zweitürige Ganzstahlkarosserie ruht vorn und hinten auf Schraubenfedern, die einen erstaunlich guten Fahrkomfort gewährleisten. "Der Heckantrieb war im Winter ein großer Vorteil. Wenn alle anderen stecken blieben, der Sapo kam durch", sagt Tilo Vogl.

Problematischer war dagegen die eingebaute Benzinheizung, die schon mal einen Brand auslösen konnte. "Sie kennt bloß zwei Zustände. Heiß oder kalt, also Sahara oder Sibirien. Aber sie funktioniert, und die Brandgefahr lässt sich mit wenigen Handgriffen ausschließen." Tilo Vogls Fazit: "Der Saporoshez hatte in der DDR einen schlechten Ruf, aber den hat er nicht verdient. Er ist ein schrauberfreundliches, robustes Auto, man muss ihn nur pflegen und immer dranbleiben. Hinzu kommt die Besonderheit, dass bei der Karosserieform der NSU-Prinz Pate gestanden hat." (jnrs)

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