Ambulant Operieren Teil 8: OP an der Hand

Frauen erkranken häufiger im Alter an der Hand, Männer verletzen sich öfter. Meist genügt ein ambulanter Eingriff, um die Beschwerden zu beheben oder zu lindern.

Wir gebrauchen sie zum Essen und Streicheln, zum Schreiben und Zählen, zum Grüßen und - falls uns die Worte fehlen - zum Sprechen. Kurzum: Ohne Hände wären wir arm dran. Wie so oft bemerken wir das aber erst, wenn diese menschlichen Werkzeuge ihren Dienst versagen. Dann ist etwa die Hilfe von Spezialisten wie Dr. Jörg Rößler gefragt: Der 46-jährige Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie ist auch Handspezialist. In der Dresdner Praxisklinik bietet er mit seinem Kollegen Dr. Till Illert - ebenfalls Handchirurg - alle ambulanten Eingriffe an der Hand an, entfernt aber auch krankhafte oder verdächtige Hautveränderungen. Ein weiterer Schwerpunkt sind operative und sanfte Schönheitsbehandlungen wie Brustkorrekturen und Faltenbehandlungen. Hier erläutert er die häufigsten ambulanten OPs an der Hand. Das Karpaltunnelsyndrom bleibt dabei unberücksichtigt; diese Erkrankung hatten wir bereits am 9. November näher betrachtet.

Welche Erkrankungen der Hand werden am meisten behandelt?

Schnappfinger: Sehr häufig diagnostiziert Dr. Rößler den sogenannten Schnappfinger. Hinter der seltsamen Bezeichnung verbirgt sich eine Sehnenscheidenentzündung im Bereich des ersten Ringbandes. Die Sehnen sind geschwollen und können nicht mehr ohne Weiteres durch die Ringbänder gleiten. Die Reibung führt früher oder später zu einer Entzündung. "Häufigste Ursache sind monotone Bewegungen, die die Hand übermäßig belasten", erklärt der Arzt. Das kann Garten- oder Fließbandarbeit sein. Aber auch junge Eltern sind gefährdet, die ihren Säugling in einer ganz bestimmten Position halten; dabei kommt es zur Reizung im Bereich des ersten Streckerfaches des Handgelenks. Ein erfahrener Handchirurg könne die Erkrankung "relativ einfach" erkennen, sagt Dr. Rößler. Trotzdem werde die Erkrankung oft verwechselt - mit der Folge überflüssiger, teurer Untersuchungen.

Dupuytren'sche Kontraktur: Die Krankheit wurde zuerst von dem französischen Arzt Dupuytren beschrieben. Eine Veränderung des Bindegewebes im Bereich von Hohlhand und Fingern sorgt dafür, dass sich die Finger krümmen und nicht mehr gestreckt werden können. Jörg Rößler hat an Studien mitgewirkt, die eine genetische Veränderung als Ursache nachwiesen. "Etwa jeder fünfte Mann hat die Veranlagung, und die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung ist umso größer, wenn der Vater oder beide Elternteile ebenfalls davon betroffen sind."

Verletzungen: Zu den häufigeren Handverletzungen gehört der sogenannte Skidaumen. Dabei handelt es sich um einen Riss des inneren Seitenbandes des Daumengrundgelenks infolge einer starken Überdehnung - beispielsweise wenn Skifahrer bei einem Sturz den Daumen abspreizen oder in der Schlaufe des Skistocks hängenbleiben. Auch beim Fußball, Turnen oder Radfahren kann es zu der unglücklichen Verletzung kommen. Betroffene spüren Schmerzen im Daumen und können nicht mehr richtig zugreifen, das Daumengrundgelenk schwillt an, und der Daumen knickt bei Belastung seitlich weg. "Zur Diagnose prüft der Arzt die Stabilität des Daumengrundgelenks", sagt der Spezialist. Mit einer Röntgen-Aufnahme könne zudem ein Knochenbruch ausgeschlossen werden. Zur Diagnosesicherung ist hier auch ein MRT sinnvoll.

Eine typische Sportverletzung - insbesondere bei jungen Männern - ist die Kahnbeinfraktur. Zu dem Bruch des Handwurzelknochens kann es kommen, wenn man auf die nach hinten überstreckte Hand stürzt. Nach den Worten von Dr. Rößler wird der Bruch häufig übersehen. "Dann wachsen die Knochen nicht zusammen und reiben im Handgelenk." Eine frühzeitige Arthrose ist die Folge. Mithilfe einer Computertomografie (CT) oder einer Kernspintomografie (MRT) kann der Arzt den Bruch in der Handwurzel erkennen. Übrigens: Das Kahnbein gibt es auch im Fuß, eine Fraktur ist dort aber sehr viel seltener.

Polyarthrose: Unsere Hände sind im Laufe eines Lebens starker Belastung ausgesetzt. Dies fördert den Verschleiß in Fingermittel-, Fingerend- und Handgelenk. Überdurchschnittlich häufig tritt dies im Daumensattelgelenk auf; Fachleute sprechen von einer Rhizarthrose. "Es ist eine typische weibliche Alterserkrankung, jede dritte Frau ist irgendwann einmal davon betroffen." Erste Anzeichen sind Schwellungen und Schmerzen im Daumensattelgelenk unter Belastung, die später auch bei Ruhe auftreten. Die Diagnose wird mithilfe von Röntgenbildern gestellt. Häufig wird die degenerative Polyarthrose der Fingergelenke mit einer chronischen Polyarthritis, also einer Entzündung der Gelenke, verwechselt.

Was kann ambulant, was muss stationär behandelt werden?

In der Regel wird versucht, Erkrankungen an den Händen konservativ zu behandeln. Bewährte Methoden sind der therapeutische Ultraschall, die galvanische Strombehandlung sowie in akuten Fällen schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente wie Ibuprofen und Diclofenac. "Bei einer fortgeschrittenen Dupuytren'schen Kontraktur und bei blockierten Schmerzfingern kommen Patienten um eine OP aber nicht herum", sagt Dr. Rößler. Die meisten planbaren Operationen an der Hand könnten ambulant durchgeführt werden. Patienten sollten sich im Zweifel an spezialisierte Handchirurgen wenden, die über eine zusätzliche dreijährige Fachausbildung verfügen. Große Eingriffe und offene Frakturen werden in der Regel in einem Krankenhaus durchgeführt, da es zu starken Schwellungen und Schmerzen kommen kann.

Welche Risiken sind mit einer Hand-OP verbunden?

Grundsätzlich kann es zu den gleichen unerwünschten Ereignissen kommen wie bei jeder anderen Operation. Dazu gehören Wundheilungsstörungen, Nachblutungen und Infekte. In seltenen Fällen werden bei dem Eingriff Blutgefäße, Nerven und Sehnen verletzt.

Was kosten ambulante Eingriffean der Hand?

Der Aufwand für die Eingriffe ist sehr verschieden - entsprechend groß ist die Spannbreite der Beträge, die die Kassen dafür zahlen. Sie reicht nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen von 95 bis 706 Euro inklusive aller Verbrauchsmaterialien.

Die Hand

Drei Nerven  versorgen die Hand mit Informationen. 27  Knochen hat die Hand eines Menschen, 14 davon in den Fingern. 25 Millionen  Mal werden die Finger im Laufe eines Lebens gebeugt und gestreckt.


Dr. Rößler erklärt die OP der Rhizarthrose

Die Sattelgelenksarthroplastik  ist die OP-Technik, die bei einer Rhizarthrose am häufigsten angewendet wird. Sie erfolgt unter Vollnarkose, oder auch in Regionalanästhesie.

Wie bei der jeder Hand-Operation  wird zunächst der Blutfluss mithilfe einer Manschette unterbrochen. Anschließend schneidet der Arzt Haut und Gewebe über dem beschädigten Gelenk auf und entfernt dann miteiner Hohlmeißelzange das große Vieleckbein - die Trapezektomie.

Wenn der Daumenstrahl  instabil ist, wird der erste Mittelhandknochen mit Sehnen am Nachbarknochen aufgehängt.

Die OP dauert  eine bis anderthalb Stunden. Anschließend sollte die Hand drei Wochen mit einer Schiene ruhiggestellt werden, ehe sich eine Physiotherapie anschließt. (sk)


So urteilen die Patienten: Vielerorts gibt es nach einer Hand-OP Beschwerden

Geht es um die Häufigkeit von ambulanten Eingriffen, stehen Operationen an der Hand in Sachsen an dritter Stelle: Rund 16.000 solcher Leistungen rechneten Kassenärzte im vergangenen Jahr ab. Auch zahlreiche Krankenhäuser bieten Hand-OPs ambulant an - überwiegend aber in kleinerem Umfang.

Im Rahmen unserer Patientenumfrage konnten Professor Joachim Kugler und sein Team von der TU Dresden 1.527 Fragebögen auswerten. Haben weniger als 15 Patienten geantwortet, erfolgte keine Auswertung. Behandlungen des Karpaltunnelsyndroms wurden gesondert betrachtet ("Freie Presse" vom 9. November 2015).

Die Mehrheit der Patienten war mit der Behandlung insgesamt zufrieden. Geht es allein um das Behandlungsergebnis, dann erreichen allerdings die niedergelassenen Ärzte fast durchweg bessere Noten als die ambulant tätigen Krankenhäuser, was möglicherweise mit einem anderen Patientenklientel zu erklären ist. Interessanterweise würden vergleichsweise viele Patienten beim nächsten Mal lieber eine andere Praxis bzw. Klinik wählen, obwohl sie mit der Behandlung zufrieden waren.

Die Wartezeiten liegen - von wenigen Ausnahmen abgesehen - im Rahmen. In den Krankenhäusern erhielten Patienten immer binnen drei Monaten einen Termin. Kostenpflichtige Zusatzleistungen wurden nur in geringem Umfang angeboten.

Das Fazit von Professor Kugler: Patienten haben eine große Auswahl, wobei es bei der Qualität offensichtlich große Unterschiede gibt. Erfreulich ist, dass kostenpflichtige Zusatzleistungen kaum eine Rolle spielen und viele Patienten Wert auf eine Zweitmeinung legen. Weniger schön ist die recht große Zahl von Patienten, die über unerwartete Beschwerden nach der Entlassung klagten. Das deutet auf eine ungenügende Aufklärung hin. (sk)

 

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