Angriff auf linkes Zentrum während Pro-Chemnitz-Demo

Trotz des Einsatzes Hunderter Beamter kam es am Freitag erneut zu Zwischenfällen. Auch ein Fotograf wurde attackiert.

Während einer Demonstration der rechtspopulistischen Vereinigung Pro Chemnitz ist Freitagabend unweit des Getreidemarktes das linke Vereinszentrum Rothaus angegriffen worden. Dort haben unter anderem mehrere Landtagsabgeordnete ihre Büros. Wie die Polizei bestätigte, ging eine Fensterscheibe zu Bruch, zudem wurden Eier gegen das Gebäude geworfen. Drei Personen, darunter der Chemnitzer Linken-Vorsitzende Tim Detzner, konnten sich in dem Haus rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Der Vorfall ereignete sich, als der Demonstrationszug gerade die parallel verlaufende Theaterstraße passierte. Bei den Angreifern soll es sich um bis zu zehn junge Männer gehandelt haben. "Ich gehe davon aus, dass sie sich von der Demo abgesetzt haben", sagte ein Zeuge.

Nach Angaben der Versammlungsbehörde nahmen an der Demonstration etwa 2000 Menschen teil. Andere Schätzungen sprachen von 1000 bis 1500 Teilnehmern. Sie hatten sich zunächst am Marx-Monument versammelt, bevor sie über den Innenstadtring zogen. Ein Redner von Pro Chemnitz kündigte die Etablierung sogenannter Bürgerstreifen in den Chemnitzer Stadtteilen an und warb bei den Demonstranten um Unterstützung. Ähnliche Bestrebungen von Pro Chemnitz hatte es bereits vor einigen Jahren gegeben; vor allem in Stadtteilen mit Asylbewerber-Unterkünften. Die Polizei warnte seinerzeit vor Selbstjustiz und möglichen strafrechtlichen Konsequenzen.

Auf einer Gegenkundgebung mit bis zu 400 Teilnehmern im Stadthallenpark wurde am Freitag eine Grußadresse aus der britischen Partnerstadt Manchester verlesen. Mehrere Redner kritisierten Pro Chemnitz scharf. Die Vereinigung schade der Stadt und verbreite Unsicherheit, hieß es. Nicht mehr nur Migranten fürchteten zunehmend Übergriffe. Vergangene Woche waren nach der Pro-Chemnitz-Demo mehrere Personen festgenommen worden, weil sie an Angriffen einer "Bürgerwehr" am Schloßteich beteiligt gewesen sein sollen. Am Freitag registrierte die Polizei, die mit 800 Beamten im Einsatz war, 15 Straftaten, darunter einen Angriff auf einen Fotografen.

Bewertung des Artikels: Ø 3.2 Sterne bei 9 Bewertungen
23Kommentare
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  • 1
    5
    Blackadder
    23.09.2018

    Echt? Kohlmann kommt aus dem Westen? Ist mir neu.

  • 5
    1
    aussaugerges
    23.09.2018

    Sensationelle Meldung MDR Nachrichten.
    Herr Schäuble sagte,das die Drahtzieher der Neonazis den Altbundendesländern. kamen.
    Das ist für mich schon seit ,,Apfel'' bekannt.
    Wie oft wurde über die DDR hergezogen,und übelst angeprannert.

    Danke Herr Schäuble.

  • 4
    3
    Blackadder
    23.09.2018

    Vielleicht versuchen Sie es noch mal: ja oder nein. Wenn nein: einfach Titel des Liedes um das es geht.

  • 3
    3
    Steuerzahler
    23.09.2018

    @Blackadder: Ich habe Ihnen geantwortet, aber leider ist dies bis 16.03 Uhr noch nicht zu sehen.

  • 9
    4
    Blackadder
    23.09.2018

    Ok. Dann mal Butter bei die Fische, Steuerzahler! Auf welches Lied spielen Sie ganz konkret an? Auf "Ein Affe und ein Pferd" von KIZ? Das aus der Perspektive eines gewalttätigen Idioten geschrieben wurde, um ironisch überhöht über Leute zu singen, die keine Bildung haben, sich komplett daneben benehmen und in unserer Gesellschaft trotzdem was werde können (leider)? Warum man dieses Lied als Aufruf zu Gewalt versteht, kann ich, wenn man sich den kompletten Text ansieht und versteht, beim besten Willen nicht nachvollziehen. Oder ein anderes Lied? Bitte um Aufklärung.

  • 3
    9
    Steuerzahler
    23.09.2018

    @Hankman: „Sie wissen doch bestimmt, was Extremismus ist, oder?! Das Konzert hatte davon 0,00 Prozent.“
    Na wenn das kein Schönreden und keine Realitätsverweigerung ist, dann weiß ich nicht! Jeder kann die Texte, die dort propagiert wurden, im Internet nachlesen, wenn er sie schon selbst nicht gehört hat. Deshalb verzichte ich auch auf einen Link. Die Texte gehören ebenso wie die Rechte Hetze auf den Index. Angriffe auf die Polizei zu fördern sind also Ihrer Meinung nach keine extremistischen Handlungen? Da muss man schon ziemlich ignorant sein, um das zu verneinen oder man schreibt das aus einem anderen Grund? Einig sind wir uns, dass für eine Bürgerwehr kein Platz ist, da das Gewaltmonopol beim Staat liegt, mit Ausnahme der Jedermannsrechte, die aber auch dann ohne Ansehen der Person des Ausübenden und des Betroffenen wahrgenommen werden dürfen. Also immer schön auf dem Boden der Tatsachen bleiben, auch wenn es bequem ist, auf dem vorgegebenen Mainstream mitzuschwimmen.

  • 11
    4
    Hankman
    23.09.2018

    @franzudo2013: Die Einseitigkeit der Berichterstattung, die Sie beklagen, kann ich so nicht nachvollziehen. Ich kann in Sachen Hambacher Forst keine Verniedlichung erkennen (dort gab es zwar einzelne Zwischenfälle, aber beileibe keine Gewaltexzesse) und bei der jetzigen Berichterstattung keine Überdramatisierung. Ich weiß nicht, was Sie erwarten. Auch wenn Büros der AfD angegriffen werden, wird doch darüber berichtet. Also, ich halte den Vorwurf für nicht gerechtfertigt.

    Was jedoch das Konzert an der Johanniskirche betrifft - Sie meinen sicher das #wirsindmehr-Konzert - kann ich Ihre Wertung nicht ernst nehmen. Ich fürchte, da sind Ihnen jegliche Maßstäbe abhanden gekommen. Sie wissen doch bestimmt, was Extremismus ist, oder?! Das Konzert hatte davon 0,00 Prozent. Möglicherweise haben Sie sich über irgendwas geärgert und müssen Ihren Frust loswerden. Ich fürchte, dieses Forum ist dafür nicht der geeignete Ort.

  • 5
    5
    994374
    22.09.2018

    @Hankman: Eine Bürgerstreife mit Hund ist mir noch nie begegnet, dafür aber genügend Menschen, die mit ein bis zwei gefährlich aussehenden Hunden ohne Beißkorb "bewaffnet" sind!

    Vielleicht sollten Sie sich lieber darüber mal echauffieren!

  • 11
    15
    franzudo2013
    22.09.2018

    Hallo, selbstverständlich sind wir derselben Meinung, dass Demonstrationen ohne Ausschreitungen besser sind als mit. Gut.

    Das Konzert neben der Johanniskirche ist für meine Begriffe linksextremistisch gewesen. Da macht sich sicher jeder sein eigenes Bild.

    Die aktuelle Meldung ist ueberregional veröffentlicht. Wieder mit eindeutiger Gewichtung. Das passiert bei den Pressemeldungen aus dem Hambacher Forst nicht, da werden die Gewalttaten verniedlicht, denn es waren ja Aktivisten.

    Die mangelnde Verhältnismäßigkeit und tendenzioese Faerbung der Berichterstattung stört mich.

  • 7
    12
    ArndtBremen
    22.09.2018

    @Steuerzahler: Sie sprechen mir aus dem Herzen.

  • 10
    11
    Steuerzahler
    22.09.2018

    Oh Blackadder, da sind wir aber wieder beim Relativieren! „Wollt Ihr wirklich Woche für Woche Demonstrationen genehmigen, aus denen jedesmal dutzende Straftaten begangen werden?“ Wenn es nach Ihnen gehen würde, dann sehe es mit dem Rechtsstaat schlecht aus! Dann würde das Versammlungsrecht nach Gutdünken ausgelegt. Bei linken Randalierern kann man ruhig mitlaufen. Wenn Rechte dabei sind, wird das Otto Normalverbraucher zum Vorwurf. Immer schön wie man es braucht. Das nennt man Demagogie. Sollte dann auch manche Maidemo ausfallen, weil die Autonomen mitlaufen? Oder sollte am Hambacher Forst die Demo beendet werden, weil die Randalierer und Extreme, Entschuldigung Aktivisten, mit Exkrementen werfen? Also immer schön die Mitte wahren, auch wenn’s bei der eigenen Ideologie schwer fällt! Für Straftaten ist die StPO zuständig, für Aufzüge und Versammlungen das Vetsammlungsrecht.

  • 16
    8
    Hankman
    22.09.2018

    @franzudo: Was meinen Sie denn mit "linksextremistischen Konzerten"? Hab noch von keinem gehört - aber Sie können mir vielleicht weiterhelfen. Was regelmäßig stattfindet, sind politisierte rechte Musik-Events. Aber geschenkt, wir reden hier ohnehin über Demos, nicht Konzerte. Können wir uns hier bitte darauf einigen, dass es nicht in Ordnung ist, wenn bei oder nach einer Demo Straftaten begangen werden, egal von wem? Danke. Und dass Straftaten, die von einer bestimmten Seite begangen werden, die Straftaten auf der anderen Seite nicht besser machen? Danke. Und dass es unsinnig ist, immer mit dem Finger auf andere zu zeigen, wenn die "eigenen Leute" kritisiert werden? Gut.

    Und was Chemnitz betrifft, stimme ich Blackadder zu. Nur aus der ersten "heißen" Demowoche sind mir Straftaten bekannt, die im Zusammenhang mit Gegendemos von linken Protestlern standen. Danach sind nach meiner Kenntnis nur einige Teilnehmer der rechten Demos negativ aufgefallen. Ich würde nicht so weit gehen wollen, die Demos deswegen zu verbieten. Aber es zeigt mir eben, dass bei den Veranstaltungen von Pro Chemnitz, Pegida & Co. stets ein ordentliches Polizeiaufgebot nötig ist. Und ich halte es für eine dummdreiste Lüge, wenn diese Vereinigungen behaupten, die Polizei werde nur wegen der Gegendemonstranten gebraucht.

  • 17
    11
    Blackadder
    22.09.2018

    @franzudo: Der Vergleich mit den Liedern kam von Ihnen selbst, nicht von mir. Wo gab es denn diese und letzte Woche einen schwarzen Block der Straftaten begangen hätte? Bitte konkrete Beispiele.

    Sie lenken davon ab, dass es auch gestern wieder laut Polizeibericht 15 Straftaten bei der Pro Chemnitz Demo gab und da ist die eingeschlagene Scheibe noch nicht mal mit dabei.

    Liebe Stadt Chemnitz: Wollt Ihr wirklich Woche für Woche Demonstrationen genehmigen, aus denen jedesmal dutzende Straftaten begangen werden?

  • 8
    10
    Hinterfragt
    22.09.2018

    "... "Ich gehe davon aus, dass sie sich von der Demo abgesetzt haben", sagte ein Zeuge...."
    Na, was denn nun, hat er es gesehen oder glaubt er das nur???

  • 11
    13
    franzudo2013
    22.09.2018

    @blackadder: die Antifa und der Schwarze Block singen nur Lieder???? Schauen Sie sich Hamburg G20 an. Da sind eine beschädigte Scheibe und Eierwuerfe wirklich eine Muecke, die zum Elefanten aufgepumpt wird.

  • 22
    9
    DTRFC2005
    22.09.2018

    @ArndtBremen Es tut mir leid, aber Pro Chemnitz kann ich gar nicht vertrauen. Nur ein Beispiel. Vor 4 Wochen ( und davor) skandierte man " Ausländer raus". Jetzt heißt es plötzlich "Kriminelle Ausländer raus". Versucht man hier nur die Leute zu behalten, die sich einer Schockstarre gleich vor 4 Wochen angeschlossen hatten? Liest man in sozialen Netzwerken als stiller Beobachter mit, dann bekommt man einen ganz anderen Eindruck, nämlich denn das man am besten alle die nicht ins Weltbild passen, beseitigen will. Man muss nur ganz genau hinschauen und hinhören, um dem, und genau das nennt man ja allgemein Populismus, zu verfallen.

  • 13
    12
    Blackadder
    22.09.2018

    @ franzudo: Zwischen ein Lied singen und Scheiben einschlagen liegt schon noch ein Unterschied, nicht wahr?

    @hankman: Ihnen schließe ich mich komplett an. Wer mit Rechtsextremen läuft, entzieht sich dem Dialog.

  • 21
    15
    franzudo2013
    22.09.2018

    Vorab, die Gewalt gegen das Gebäude lehne ich ab.
    @hankmann: Ob sich die Wohlfühl-Linken immer überlegen, wen sie unterstützen, wenn sie auf linksextremistische Konzerte gehen?

  • 36
    15
    Hankman
    21.09.2018

    @ArndtBremen: Vielen Dank! Aber ich halte Pro Chemnitz für eine rechtsextremistische Gruppe. Und nicht nur ich. Mag sein, dass auch nicht-extremistische Leute da mitdemonstrieren. Aber die sollten sich dann man überlegen, wen sie da unterstützen.

  • 16
    28
    ArndtBremen
    21.09.2018

    @Hankmann: wären Sie mal zur Demo gekommen. Da hätten Sie besser verstanden, um was es geht. Und zu Ihren "Extremisten": auf der Demo gab es optisch etwas zu lesen. Ein Riesenplakat auf dem stand "Wir wollen keinen Faschismus! Auch keinen von Links." So viel nochmal zum Thema Populismus. Falls Sie Fragen haben, können Sie mich gern kontaktieren. Ich bin auch einem persönlichen Gespräch gegenüber nicht abgeneigt. Dialog ist eine kostenlose Investition.

  • 32
    5
    Hankman
    21.09.2018

    DTRFC2005: Eigentlich wären Bürgerstreifen keine schlechte Idee. Aber wenn diese Leute von Pro Chemnitz durch die Gegend streifen, am liebsten noch mit Hund, fühle ich mich auch verunsichert. Ich habe ein mieses Gefühl, wenn Leute sowas aufgrund einer politischen Agenda machen und insbesondere, wenn sie Extremisten sind.

    Rechtlich ist gegen dieses Hobby nichts einzuwenden, so lange die nur Präsenz zeigen, gucken und ggf. Straftaten/Verstöße melden. Nach dem Jedermannsrecht (StPO) dürfen sie sogar einen Straftäter auf frischer Tat festnehmen und festhalten, bis die Polizei kommt. Aber sobald sie sich uniformieren oder Ausweiskontrollen etc. machen wollen, gibt's ordentlich was auf die Finger.

  • 26
    15
    DTRFC2005
    21.09.2018

    Selbsternannte Bürgerstreifen ähneln doch sehr der Bürgerwehr. Da traut man sich ja erst Recht nicht mehr abends aus dem Haus. Das ist auch der Grund, warum ich so ungern in die Stadt gehe. Man ist sich ja gar nicht mehr sicher, ob man für einen Ausländer gehalten wird, weil man im Sommer der Sonne zu viel gefrönt hat.

  • 4
    21
    aussaugerges
    21.09.2018

    Minister Wöller hätte ja hier mal Kante geben können.



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