Erstes Montagskonzert nach #wirsindmehr: Musiker rufen "Stadt der Liebe" aus

Zweites Konzert gegen Rechtsextremismus am Marx-Monument - Wunsch nach Harmonie wird deutlich

Chemnitz.

An das Motto "Chemnitz ist weder grau noch braun" hält sich am Montagabend selbst Karl Marx: Sein Kopf an der Brückenstraße wird nach Einbruch der Dunkelheit abwechselnd in verschiedenen Farben angestrahlt. Zum Konzert mit den Bands Steinlandpiraten, Apfeltraum und Die Zöllner sowie Sänger Robert Gläser sind nach Angaben des Organisators, der Chemnitzer Wirtschaftsförderung (CWE), etwa 2000 Zuhörer gekommen. Die Veranstaltungsreihe am Montag war als Reaktion auf Übergriffe durch Rechtsextremisten ins Leben gerufen worden.

Anders als beim Konzert von den Toten Hosen, Kraftklub und weiteren Bands eine Woche zuvor sind keine Plakate und kaum T-Shirts mit politischen Aufschriften zu sehen. Trotzdem machen viele Besucher deutlich, dass es ihnen nicht nur um die Musik geht. Den Satz "Wir wollen ein Zeichen gegen Rechts setzen" hört man immer wieder. Auch Inge und Hans-Joachim Schröder sagen ihn, die sich selbst in der "bunten Mitte" verorten. "Wenn alle nur zu Hause sitzen, ändert sich ja nichts", stellt die 65-jährige Chemnitzerin fest.

Drei junge Frauen, zwischen 23und 26 Jahre alt, haben sich in den vergangenen Tagen mehrfach an Demonstrationen und anderen Veranstaltungen gegen Rechtsextremismus beteiligt. "Wir wollen den Platz vor dem Marx-Kopf nicht anderen überlassen und das friedliche Chemnitz repräsentieren", sagen sie. Ihre Altersgruppe befindet sich in der Minderheit - kein Wunder angesichts der Künstler. Steinlandpiraten interpretieren die Songs des DDR-Liedermachers Gerhard Gundermann. Die Band Apfeltraum besteht zum Teil aus Söhnen von Peter Gläser, der mit der Klaus Renft Combo und Karussell Karriere machte, und spielt dessen Lieder nach. Als die Musiker das "Gänselieschen" aus dem Jahr 1973 anstimmen, singen viele Besucher textsicher mit. Die Stimmung ist ausgelassen, einige Gäste tanzen.

Während sich die meisten Künstler mit politischen Aussagen zurückhalten, äußert sich Sänger Dirk Zöllner umso ausführlicher. Wer gegen problematische Verhältnisse protestiert, dürfe nicht gleich als Rechtsextremist bezeichnet werden, sagt der Frontmann von Die Zöllner. Er führt die aufgeheizte Stimmung auch auf Fehlentwicklungen im Prozess der Wiedervereinigung zurück: "Die Integration der Ostdeutschen ist nicht gelungen. Wir waren nur als Kunden interessant." Anschließend ruft Zöllner mehrfach Chemnitz als "Stadt der Liebe" aus - und erntet viel Applaus. Der Musiker scheint an diesem Abend nicht der Einzige zu sein, der sich nach Harmonie sehnt. (jop)

Bewertung des Artikels: Ø 3.9 Sterne bei 9 Bewertungen
10Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 2
    2
    Blackadder
    12.09.2018

    @ArndtBremen: Ich finde es lächerlich, dass sich einer, der mit strammen Neonazis auf die Straße geht als die Mitte der Gesellschaft bezeichnet. Ich glaube, Sie haben da einen gravierenden Wahrnehmungsfehler.

  • 6
    7
    ArndtBremen
    11.09.2018

    Blackadder: Das Sie die Mitte der Gesellschaft lächerlich finden enttarnt Sie endgültig.

  • 5
    9
    Blackadder
    11.09.2018

    @ArndtBremen : Bei "Mitte der Gesellschaft" hab ich besonders gelacht.

  • 6
    7
    ArndtBremen
    11.09.2018

    @Blackadder: JA!!! Ich treffe mich dort mit vielen hunderten von Menschen aus der Mitte der Gesellschaft, die sich sowohl von Rechtsradikalismus als auch von linkem Terror distanzieren. Ob Ihnen das nun gefällt oder nicht, geht mir am Allerwertesten vorbei. Ich kämpfe für mein Vaterland und rede nich Unfug, wie manch ein Kommentator hier.

  • 5
    6
    Blackadder
    11.09.2018

    @hnterfragt: Wieso? Ich bin ganz entspannt, den Eindruck habe ich bei Ihnen nicht immer....

  • 4
    8
    Blackadder
    11.09.2018

    @ArndtBremen: Ach, Sie sind da dabei bei ProChemnitz? Na, das sagt ja vieles aus.

  • 7
    5
    Hinterfragt
    11.09.2018

    @Blackadder; und bei den Worten ist Ihnen nicht der Hals geplatzt ? ...

  • 8
    8
    ArndtBremen
    11.09.2018

    Aus dem "Wir sind mehr" wurde ein "Wir sind sehr wenig". Ein verachtenswerter Ausdruck des Mitgefühls und der Sorge um die Probleme in unserm Land. Am Freitag trifft sich "Pro Chemnitz" am Nischel und man wird sehen, "Wir sind mehr".

  • 4
    9
    Blackadder
    11.09.2018

    Sie waren da? Da hätten wir uns doch mal treffen können! Schade.

  • 10
    5
    Hinterfragt
    11.09.2018

    Nun ja 2000 ist schon etwas "großzügig" gezählt.
    https://www.tag24.de/nachrichten/andrang-bleibt-aus-naechtes-konzert-gegen-gewalt-und-hetze-in-chemnitz-sachsen-772278

    "...Wer gegen problematische Verhältnisse protestiert, dürfe nicht gleich als Rechtsextremist bezeichnet werden, sagt der Frontmann von Die Zöllner..."
    Es besteht also doch noch Hoffnung!
    Danke für diese Worte.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...