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Göttliche Vollversammlung

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Das Schloßbergmuseum zeigt Skulpturen von Joachim Karsch und Gemälde von Manfred Pietsch. Nicht jedes Motiv ist religiös.

Persönlich hatten Manfred Pietsch und der deutlich ältere Joachim Karsch nichts miteinander zu tun. Sie verbindet die Herkunft aus Schlesien und vor allem die Neigung zu Mythologie und Religion als Motivquellen ihrer Kunst.

Karsch wurde 1897 in Breslau (heute Wrocław) geboren, seine künstlerische Karriere fand aber vor allem in Berlin statt. Zwar wurde er geschätzt und erhielt diverse Preise, ist aber heute fast vergessen. Im Zweiten Weltkrieg wurde zuerst sein Berliner Atelier zerstört, danach das Ausweichquartier im Oderbruch. Gemeinsam mit seiner Frau nahm er sich im Februar 1945 das Leben.

Die Bronzeplastiken, die jetzt im Chemnitzer Schloßbergmuseum zu sehen sind, gehören zu den wenigen, die von seinem Lebenswerk erhalten geblieben sind. Sie zeigen Karsch als einen Künstler zwischen Tradition und Moderne. Einflüsse des Expressionismus sind nicht zu übersehen, doch ebenso die Nähe zur mittelalterlichen Kunst. Uwe Fiedler, Direktor des Schloßbergmuseums, betont die Selbstverständlichkeit solch einer Präsentation in dieser Einrichtung mit dem Auftrag zur Darstellung der Stadtgeschichte: "Der Bogenschlag von unserer Sammlung gotischer Skulptur zur Kunst der Moderne sind Narrative, Topoi, Bilder."

Joachim Karsch benutzte zwar bevorzugt biblische Erzählungen als Vorlage für seine Bildfindungen, doch genau diese eignen sich immer wieder für die Darstellung allgemeiner zwischenmenschlicher Beziehungen und deren Krisen.

Dieses Interesse war es auch bei Manfred Pietsch, sich auf die Mythologie zu konzentrieren. 1936 im schlesischen Bernstadt (heute Bieru- tów) geboren, kam er nach den Krieg in die Niederlausitz, studierte in Dresden zunächst Bauwesen, danach in Berlin-Weißensee Kunst. Er gehörte nicht zu den bekanntesten Künstlern der DDR, kann aber bezüglich der handwerklichen Fähigkeiten an den großen Namen gemessen werden.

Jörg Schneider, Kurator der Ausstellung im Schloßbergmuseum, weist darauf hin, dass Pietsch vor allem das Aquarell in unterschiedlichen Anwendungen beherrschte. "Da gibt es nasse Aquarelle mit zerfließender Farbe, aber auch ganz trockene, exakt gezeichnete."

Wie viele andere Künstler seiner Generation hat Manfred Pietsch in der DDR sowohl die antike Götterwelt wie auch die biblische Mythologie benutzt, um gesellschaftliche Reibungen zu thematisieren. Doch er konnte auch auf sehr direkte Weise Kritik üben. Seine "Kathedrale des Sozialismus" ist eine Collage aus inhaltsleeren Schlagzeilen des "Neuen Deutschland", dem damaligen Zentralorgan der Staatspartei. Und der Staats- und Parteichef Erich Honecker als Halbgott wird vom Gast Michail Gorbatschow im Oktober 1989 mit einem höhnischen Lächeln beklatscht.

Die Ausstellung "Von Göttern, Menschen und Heldensagen" im Schloßbergmuseum Chemnitz ist bis zum 26. Juni zu sehen. Geöffnet ist das Museum dienstags und donnerstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs von 14 bis 21 Uhr.