Hoher Zuspruch beim Chemnitzer Friedenstag

Die Chemnitzer erinnern an die Zerstörung der Stadt vor 75 Jahren. Die Jüdische Gemeinde gestaltet die zentrale Gedenkveranstaltung auf dem Neumarkt.

Chemnitz.

Die Veranstaltungen zum heutigen Chemnitzer Friedenstag aus Anlass der Zerstörung der Stadt vor 75 Jahre verzeichnen teilweise einen überraschend hohen Zuspruch. Eine erstmals gezeigte Ausstellung zu Chemnitzer Kriegsspuren und Orten der Erinnerung auf dem Neumarkt zählte nach Angaben der Organisatoren von der Opfervereinigung VVN-BdA allein am Vormittag mehrere Hundert Besucher, darunter zahlreiche Schülergruppen. Im Kino Metropol wurden am Nachmittag vor nahezu ausverkauftem Haus in einer Gedenkmatinee "Wider das Vergessen" Kurzfilme mit Erinnerungen an die Bombenangriffe 1945 gezeigt. Bei einer ähnlichen Veranstaltung im Stadtverordnetensaal im Rathaus gab es zudem Gelegenheit, mit Zeitzeugen persönlich ins Gespräch zu kommen.

 Um 17 Uhr beginnen dann an mehreren Orten in der Stadt die sogenannten Friedenswege zur zentralen Gedenkveranstaltung, die 18 Uhr auf dem Neumarkt beginnt. Sie wird in diesem Jahr erstmals von der Jüdischen Gemeinde Chemnitz gestaltet. 

Mit der Kranzniederlegung auf dem Städtischen Friedhof hatte am Donnerstagmorgen der diesjährige Friedenstag begonnen. Mehr als 200 Chemnitzer, darunter Bundes- und Landtagsabgeordnete, Vertreter der Stadtratsfraktionen, Bürgermeister und Schüler, hatten sich dazu um 9 Uhr auf dem Städtischen Friedhof an der Wartburgstraße eingefunden. Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig zitierte aus Berichten von Zeitzeugen des 5. März 1945 und erinnerte daran, dass der Krieg, der insgesamt rund 60 Millionen Menschenleben forderte, von Deutschland ausgegangen war. Mitglieder des Theaterjugendclubs schlugen mit ihren Worten den Bogen zu Kriegen und Flüchtlingen in der Gegenwart.

Vor Beginn der Kranzniederlegung hatten Ordnungskräfte der Stadt Blumengebinde von Pro Chemnitz und Pegida entfernt, die bereits am Mahnmal abgelegt worden waren. Laut einem Sprecher der Stadtverwaltung wurden beide Gebinde den Eigentümern mit der Bitte zurückgegeben, sich in die offizielle städtische Veranstaltung einzureihen. Etwa 20 Anhänger vom Pro Chemnitz, Pegida und der Partei Aufbruch deutscher Patrioten verfolgten den Ablauf jedoch ruhig vom Rande aus und legten ihre Gebinde erst anschließend nieder. Die Abordnung der AfD, die ihren Kranz im Vorjahr ebenfalls vorzeitig ablegen wollte, reihte sich diesmal hinter den Stadtratsfraktionen von Linken, SPD, Grünen und CDU ein.

Bereits am Morgen hatten Friedhofsmitarbeiter die Polizei über Schmierereien an zwei Denkmalen für gefallene Soldaten informiert, die seit Mittwochnachmittag erfolgt sein müssen. Mit roter und weißer Farbe war unter anderem "Nie wieder!" und "Tod den Faschisten" auf die Grabmale geschrieben worden. Es wurden Ermittlungen wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung aufgenommen. Nachdem die Schmierereien dokumentiert worden waren, wurden sie entfernt. (mib/micm)

Spezial: Friedenstag in Chemnitz


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