Schnellverfahren wegen Hitlergruß - Zweifel an Schuldfähigkeit

Chemnitz.

Vor dem Chemnitzer Amtsgericht hat sich am Montagmittag ein weiterer Mann wegen des Zeigens eines Hitlergrußes während einer von Pro Chemnitz initiierten Demonstration am 27. August verantworten müssen. Film- und Fotoaufnahmen von den Gesten des Chemnitzers waren im In- und Ausland in Medienberichten über die Ereignisse immer wieder zu sehen gewesen. Zudem wurde spekuliert, ob der eher ungepflegt wirkende Mann möglicherweise als Provokateur agierte, um die Kundgebung und deren Teilnehmer in Misskredit zu bringen.

Vor Gericht stellte sich heraus, dass es sich bei dem Angeklagten um einen Polizei und Justiz seit Jahren bekannten Chemnitzer mit einem ausgewachsenen Drogenproblem handelt. Er steht seit August unter Betreuung. In die Demo sei er eher zufällig geraten, sagte er. Zuvor habe er mit Bekannten und reichlich Alkohol an einer Bushaltestelle einen Geburtstag gefeiert. Überschlägige Berechnungen ergaben, dass der Mann zur Tatzeit zwei bis drei Promille Alkohol intus gehabt haben muss. Das Gericht will nun von einem Gutachter prüfen lassen, inwieweit der Angeklagte, der sich auch wegen Beleidigungen am Vortag der Demo verantworten muss, überhaupt schuldfähig ist. Erst danach wird neu verhandelt. (micm)

Bewertung des Artikels: Ø 3 Sterne bei 2 Bewertungen
4Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 3
    1
    Hankman
    01.10.2018

    @j35r99: Der Mann hat ja bereits Hilfe bekommen. Im Text steht, dass er seit August einen Betreuer hat - weil er offenbar allein seine Angelegenheiten nicht mehr regeln kann. Das Problem bei Drogen- und Alkoholabhängigkeit ist, dass man selbst den Wunsch und Willen haben muss, davon loszukommen. Nur dann bringt Hilfe etwas. Niemand kann gezwungen werden, von dem Zeug abzulassen. Ist leider so.

    Dass er nun "für Propaganda herhalten muss", kann man allenfalls ihm selbst anlasten. Er hat sich zu der Demo gesellt und eine verbotene Geste gezeigt - und mit dieser hat er (ob nun bewusst oder im Suff) Propaganda für Nazis gemacht. Sie unterstellen, dass jemand einen bedauernswerten Menschen schnöde benutzt habe. Das stimmt so nicht. Bis heute wusste niemand von uns, wer der Mann ist und was er für ein Problem hat. Wenn überhaupt, dann müssten Sie den Rechtsextremen, an deren Seite er bei der Demo stand und die vielleicht mitgekriegt haben, was mit ihm los war, einen Vorwurf machen - und nicht den Leuten, die ihn aus der Entfernung fotografiert haben.

  • 2
    10
    j35r99
    01.10.2018

    Es ist doch so traurig.
    Ein seit Jahren der Polizei und Justiz bekannter Mensch, der mit ausgewachsenen Drogenproblemen zu tun hat, noch für Propaganda herhalten muss!
    Das zeigt mir wieder einmal, wie krank diese ganze Gesellschaft ist.
    Er hätte doch schon längst mediziniesche Hilfe erhalten müssen!
    Wer hat wohl die Foto-und Filmaufnahmen für In- uind gemacht?

  • 8
    2
    BlackSheep
    01.10.2018

    @mathausmike, ist das nun wirklich ne neue Erkenntniss?

  • 13
    2
    mathausmike
    01.10.2018

    Klasse!
    Du mußt nur genügend"zugedröhnt"sein,
    dann kannst Du straffrei Straftaten begehen,da Du vorm Gesetz,nicht mehr schuldfähig bist!



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...