Anne Philipp verbringt gern Zeit mit ihren drei Kindern Sarah, Rahel und Joan (von links) an der frischen Luft auf dem Schachtweg in Grüna. Die Kinder flitzen auf Rollern und können sich dort austoben, auch wenn Mama im Rollstuhl sitzen muss.
Anne Philipp verbringt gern Zeit mit ihren drei Kindern Sarah, Rahel und Joan (von links) an der frischen Luft auf dem Schachtweg in Grüna. Die Kinder flitzen auf Rollern und können sich dort austoben, auch wenn Mama im Rollstuhl sitzen muss. Bild: Andreas Seidel
Chemnitz
Spendenaktion "Leser helfen": Eine Chemnitzer Familie hofft auf Entlastung

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Anne Philipp ist auf den Rollstuhl angewiesen und Mutter von drei Kindern. Der Alltag ist nicht einfach, aber eingespielt, vor allem dank eines großen Autos. Doch der Kleinbus ist kaputt. Eine wichtige Stütze, die wegzubrechen droht.

Es sind unbeschwerte Momente, wenn Anne Philipp mit ihren Kindern auf dem Schachtweg in Grüna unterwegs ist. Ihre Kinder fahren auf Rollern. Der älteste Sohn Joan ist zehn Jahre alt. Er fährt vornweg, die siebenjährige Schwester Rahel düst hinterher. Die Jüngste ist Sarah. Die Fünfjährige hält noch gern mit Mama Händchen und freut sich besonders, wenn es einen Abstecher zu den Pferdekoppeln gibt.

Das Besondere an der Situation: Anne Philipp sitzt im Rollstuhl. Sie leidet an gleich zwei seltenen neurologischen Erkrankungen, die sich als belastungsabhängige Muskelschwäche, Myasthenie genannt, äußern. Ausgebrochen sind die Autoimmunkrankheiten 2017, bis dahin blieben sie unentdeckt. "Innerhalb von Stunden konnte ich mich nicht mehr bewegen", erinnert sich Philipp an diese schlimme Zeit. Seitdem hat sich ihr Leben komplett verändert, sie ist dauerhaft auf den Rollstuhl angewiesen und kann ihren Beruf - Philipp ist promovierte Ärztin und hat in der Kinderheilkunde gearbeitet - nicht mehr ausüben.

An diesem kalten Herbsttag sind ihre Beine in einen warmen Schlafsack gepackt. Und als Rahel weint, kann sie ihr Kind nicht tröstend in den Arm nehmen, nur beruhigend streicheln. Um die Krankheit in Schach zu halten, ist ihr körpereigenes Immunsystem unterdrückt. "Ein Infekt wäre für mich einfach zu gefährlich", sagt die 35-Jährige. Da die Kinder in Einrichtungen gehen, in denen es Coronafälle gab, und auch selbst an Infekten leiden, muss sie Abstand zu ihnen halten. "Das fällt mir sehr schwer", sagt sie.

Sie und ihr Mann leben getrennt und betreuen die Kinder im Wechsel. Wenn Philipp mit ihnen Zeit zu Hause in Grüna verbringt, kann sie auch mal ohne das Auto auskommen. Aber für die meisten Wege im Alltag ist sie darauf angewiesen. Bisher ist das ein Fiat Ducato. In ihm finden alle drei Kinder Platz. Aber in den vergangenen anderthalb Jahren standen viele Reparaturen an. Kupplung und Getriebe machten Probleme. Zudem verfügt das Auto über eine elektrische Rampe, über die Philipp mit ihrem Rollstuhl hineinfahren kann. Auch sie wurde gebraucht gekauft und ist jetzt kaputt, funktioniert nur noch im Notbetrieb.

"Ich weiß nicht, wie lange das Auto für mich noch als Gesamtpaket funktionstüchtig bleibt", sagt Philipp. Doch sie könne sich kein neues leisten. Sie ist erwerbsunfähig und seit der Trennung finanziell auf sich gestellt. Ihren Alltag meistert sie mithilfe von derzeit sieben Assistenten. Diese beschäftigt sie als Arbeitgeberin. Das Geld dafür hat sie aus dem sogenannten trägerübergreifenden persönlichen Budget, ausgezahlt von Krankenkasse, Sozialamt und Pflegekasse. Das ermöglicht Menschen mit Behinderung, die in großem Umfang auf Unterstützung angewiesen sind, diese Hilfen selbst zu organisieren und weiterhin selbstbestimmt und gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Es wird statt konkreter Sach- und Dienstleistungen gezahlt. Die Assistenten unterstützen überall dort, wo es Arme und Beine zu ersetzen gilt. Sie assistieren beim Erledigen des Haushalts, Fahren des Autos, beim Bringen der Kinder in die Schule, die Kita oder zum Musikunterricht. Sie sind aber auch für die Intensivpflege für Philipp zuständig und helfen ihr im medizinischen Notfall. Doch bei der Anschaffung eines mehrere zehntausend Euro teuren Autos bringt ihr das Budget nichts. Ein Fahrzeug müsste sie komplett privat bezahlen. "Es gibt in meiner Lebenssituation keine Zuschüsse aufgrund der Behinderung für ein Auto", verdeutlicht sie.

Nun hofft der Verein "Leser helfen", mit Unterstützung der Leser der "Freien Presse" vielleicht doch noch eine Lösung zu finden. Das Ziel einer Spendenaktion in den kommenden Wochen ist es, Anne Philipp und ihren Kindern das dringend benötigte Fahrzeug zu finanzieren.

Details und Spendenformular: www.freiepresse.de/leser-helfen-anne

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