Ein Abend mit Zündstoff

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Ein erfolgreicher Drehbuchautor kommt zur Uraufführung seines ersten Theaterstücks ins Erzgebirge. Der Regisseur verspricht im doppelten Sinn einen Abend voller Unterhaltung.

Annaberg-Buchholz.

"Und wer nimmt den Hund?", "Hilfe, wir sind offline", "Schleuderprogramm" oder auch "Familienfest" - die Drehbücher zu diesen Filmen stammen allesamt aus der Feder von Martin Rauhaus. Bereits seit Anfang der 1990er-Jahre schreibt der heute 63-Jährige für Film und Fernsehen, wurde mehrfach ausgezeichnet. So erhielt er den deutschen Filmpreis und die Goldene Kamera. Oft stand und steht die erste Garde deutscher Schauspieler für seine Drehbücher bereit. Nun geht Rauhaus ganz neue Wege: Erstmals hat er sich für das Theater an den Rechner gesetzt. Die Welturaufführung der Komödie "Seit Beginn der Wetteraufzeichnung" geht an diesem Samstag im Eduard-von-Winterstein-Theater über die Bühne. "Wir freuen uns sehr, dass wir diese Uraufführung erhalten haben", sagt Intendant Moritz Gogg und fügt hinzu: "Es haben einige darum gebuhlt."

Ein bisschen Glück und ein gutes Netzwerk haben dazu geführt, dass das Annaberger Theater den Zuschlag erhielt. Zudem kann sich das Ensemble freuen, dass der renommierte Drehbuchautor selbst zur Premiere anreisen wird. Schauspieldramaturgin Silvia Giese weiß, dass die Bitte fürs Theater zu schreiben, von einem Theaterverlag an ihn herangetragen wurde. "Seine Filme leben auch von pfiffigen und guten Dialogen", sagt Giese. Und genau diese braucht schließlich auch ein gutes Theaterstück. Zudem habe sich Rauhaus ziemlich schnell daran gemacht.

Die Inszenierung des Rauhaus-Stücks liegt in Annaberg-Buchholz in den Händen von Stefan Behrendt. "Es ist ein Konversationsdrama", erklärt der 43-Jährige, der erstmals am Winterstein-Theater inszeniert. Harry (Nenad Žanić) und Sigrun (Marie-Louise von Gottberg) laden zwei befreundete Paare in ihr neues Haus ein. Der erfolgreiche und millionenschwere Unternehmer protzt vor seinen Freunden mit materiellen Dingen, während seine Frau dem Alkohol sehr zu getan ist. Klaus (Udo Prucha) arbeitet mit im Unternehmen und seine Frau Lisa (Gisa Kümmerling), eine Kunstlehrerin, befindet sich gerade im Aufbruch und entdeckt die Malerei wieder neu für sich. Simon (Marvin Thiede), ein mittelmäßiger Filmregisseur, hat Vanessa (Elisabeth Nelhiebel) an seiner Seite. "Sie ist bei den Grünen und erlebt gerade den Aufwind", so Behrendt, der schon ein bisschen Annalena Baerbock in ihr erkennen will. Eine Bundeskanzlerkandidatin sei diese Vanessa aber nicht. Zudem haben Harry und Sigrun eine Hausangestellte. Natascha (Nadja Schimonsky) habe Harry wohl in einem Edelbordell kennengelernt. Die Mischung an Charakteren zeigt, dass an einem Abend unter Freunden sicher viel zu besprechen ist und sehr schnell auch die Oberflächlichkeit verfliegt und eine unerwartete Offenheit, die etlichen Zündstoff liefert, Einzug hält. Befeuert auch, weil Harry erwähnt, dass er sich im Untergeschoss einen Bunker hat einbauen lassen. "Harry hat durchaus narzisstische Tendenzen", so Behrendt. Zudem seien in ihm durchaus die Lindners und Söders dieser Welt zu erkennen. Rauhaus' Text beginne mit einer ewig langen Figurenbeschreibung, die man so nur selten finde.

Premiere ist am Samstag 19.30 Uhr. Weitere Aufführungen im Oktober finden am 13, 16, 22 und 31. des Monats jeweils 19.30 Uhr statt. Karten: Ruf 03733 1407131 www.winterstein-theater.de

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