Kommunalwahl: Überraschendes aus dem Erzgebirgskreis im Überblick

Annaberg-Buchholz.

Die CDU hat ordentlich Federn lassen müssen. War sie einst fast Alleinherrscher im Dorfparlament, geben sie nun nicht nur zwei Sitze an die Liste Zukunft Niederdorf, sondern vor allem auch drei Sitze an die Liste der Niederdorfer Bürger - einer rechts zu verortenden Gruppierung mit Thomas Witte an der Spitze, der wiederum explizit im Verfassungsschutzbericht genannt worden ist.

Mehr Wähler wählen rechts - allen voran die AfD. Allen voran Europa. Beispiel: Thalheim. Hier holt die Partei fast 15 Prozent. Im Vergleich zu den großen Spielern im Rat aber noch verhältnismäßig wenig. "Wir sind schon erstaunt über unser Ergebnis", sagt Maik Nobis von den Freien Wählern. "Wir liegen grob etwa 1000 Stimmen vor der CDU - und noch mehr vor der AfD. Natürlich ist eine Kommunalwahl immer eine Nasenwahl", so Nobis weiter. "Aber unser Ergebnis ist eben auch eine Anerkennung für unsere Arbeit im Rat", so der Abgeordnete.


Auch in Stollberg holte die AfD Sitze: Mit 16,5 Prozent ist sie drittstärkste Kraft, die Freien Wähler landen wieder weit vor der zweitplatzierten CDU. "Im Grunde genommen hat es nicht viel verändert. Für uns ist es schade, dass wir nicht mehr geholt haben. Das Ziel, die Mehrheit der Freien Wähler zu schmälern oder gar zu brechen, haben wir leider nicht geschafft", so Stollbergs CDU-Fraktionschef Raphael Jenatschke. Die wahrscheinliche Sitzverteilung: FWU 11 Sitze, CDU 5, Linke 3, AfD 3.

Während in manchen Gemeinden es richtige politische Erdrutsche gab, war es in anderen wiederum auffallend unspektakulär. Einige Beispiele:

In Niederwürschnitz rutschte die SPD nicht nur in den Keller, sondern noch eine Etage tiefer: Einst fast 50 Prozent auf der Habenseite, holten die Sozialdemokraten nur noch drei Prozent. Die Freien Wähler konnten aus dem Stand dagegen fast 35, die AfD-Kandidaten immerhin 14 Prozent holen.

Ganz anders dagegen in Gornsdorf: Hier ist alles so geblieben- zwischen CDU, Freien Wählern und Linken gab es nur Gewinne und Verluste innerhalb eines Prozentpunktes.

Ganz entgegen dem bundesweiten Trend kann die SPD wenigstens mit der Grenzstadt Johanngeorgenstadt mit 33 Prozent einen Ort vermelden, in der sie die Nase vorn hat. Ein einsamer roter Punkt auf der Karte.

Ein Traumergebnis fährt die FDP im erzgebirgischen Stützengrün mit 26,3 Prozent ein. Dort verlieren die Christdemokraten 15,6 Prozentpunkte und die Liberalen gewinnen 15,7 Prozent hinzu. Eine klassische Wählerwanderung.

Die erste Kommune, die am Sonntagabend im Altlandkreis mit dem Auszählen der Stadtratswahl fertig war, war Jöhstadt. Mit Abstand stärkste Kraft wurde die CDU. 73,1 Prozent (2014: 34,9%) der Wähler setzten ihr Kreuz bei den Christdemokraten. Die AfD holte 18,1%, die Grünen 8,8%. Dass sich die CDU bei diesen Wahlen so deutlich durchsetzen konnte, liegt vermutlich auch daran, dass andere Wählervereinigung nicht mehr antraten.

In Thermalbad Wiesenbad konnte die Wählervereinigung Freie Wähler Bürgerforum (FWBF) ihr Ergebnis von 2014 toppen. 50,9% der Wähler (2014: 48,3%) stimmten für sie. Die CDU verschlechterte sich etwa. Mit 37,7% landete die Partei auf dem zweiten Platz. Die Freunde der Feuerwehr kamen auf 11,4% der Stimmen.

Ein deutliches Ergebnis gibt es in Tannenberg. FWBF kommt auf 73, die CDU auf 27%. Ähnlich ging bereits die Wahl 2014 aus. Damals stellte sich allerdings noch die FDP zur Wahl.

In der ihrer lokalen Hochburg Deutschneudorf musste die FDP herbe Verluste verkraften. Die Liberalen verloren ihre absolute Mehrheit und fielen von 74,3 auf 40,4 Prozent. Vom Absturz der FDP profitierte vor allem die neugegründete Wählervereinigung "Wir für Deutschneudorf" (WfD), die auf Anhieb 56,5 Prozent der Wählerstimmen gewinnen konnte und fortan die stärkste Kraft im Gemeinderat stellen werden.

In Pockau-Lengefeld hat die AfD mit 17,8 Prozent auf Anhieb den Sprung in den Stadtrat geschafft. Sie wird damit hinter der CDU (38,2) und den Freien Wählern (26,1) drittstärkste Kraft im Gremium. (alu/ jwen)

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6Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    2
    ralf66
    29.05.2019

    @Blackadder, aber vielleicht kommt wieder einmal Gerd Dudenhöffer oder auch Uwe Steimle in die Stadthalle Chemnitz, die sind auch ganz lustig.

  • 4
    6
    Blackadder
    27.05.2019

    @DTRF: Oh, da bin ich ganz bei Ihnen. Die hält den Parteien im EU Parlament schön den Spiegel vor, auch wenn man wohl jetzt Nico Semsrott so schnell nicht wieder LIVE in der Stadthalle erleben wird.

  • 5
    6
    DTRFC2005
    27.05.2019

    @Blackadder: Die Partei, hat was Heute Show, ganz mein Humor. Als Alternative für diejenigen, die nicht wissen, was sie tun, sorry, ich meinte natürlich wählen.

  • 4
    4
    Blackadder
    27.05.2019

    @DTRFC: Und die wäre?

  • 3
    6
    DTRFC2005
    27.05.2019

    Da hab ich doch gerade eine sehr interessante Partei entdeckt, die all das abdeckt, was uns wichtig ist, ohne Ausgrenzung, ohne Populismus und recht vielfälig auch inhaltlich.

  • 8
    8
    Martin43
    27.05.2019

    Guten Tag Euch allen,

    Na da schau her, ich denke das Volk wird immer wacher es bewegt sich was! Denkt an die Landtagswahl im September da können alle die jetzt nicht gewählt haben, nochmal den Rest aus der Erfolgsfrucht rauspressen, und zeigen was echte Demokratie Menschen und Kinderrecht bedeutet. Was mich besonders freut der Aufstieg der sonst kleineren Parteien in Stadt Kreis und Europa
    SUPER richtig und noch mehr bei der Landtagswahl!

    DENKT IMMER DARAN NUR WEHR GEGEN DEN STROM SCHWIMMT, GELANGT ZUR QUELLE, DENN NUR TOTE FISCHE SCHWIMMEN MIT DEM STROM



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