Auer Zentrum zum Sachsentag gesperrt

Mehr als 250.000 Gäste sollen Anfang September zum größten sächsischen Volksfest in die Stadt strömen. Auf Autofahrer kommen dann lange Umwege zu, ein Riesen- Chor wird das Steigerlied singen und die Bahn lässt zusätzliche Züge fahren.

Aue-Bad Schlema.

In 216 Tagen ist es soweit: Dann werden in Aue-Bad Schlema hunderttausende Besucher erwartet. Denn vom 4. bis 6. September ist die Stadt Ausrichterin des 29. Tags der Sachsen. In der Stadtratssitzung am Mittwochabend ließ sich die Stadtverwaltung erstmals in die Karten blicken, was genau geplant ist und verkündete gleich mehrere Neuigkeiten. "Freie Presse" fasst zusammen, was auf Gäste, Anwohner und Autofahrer zukommt.

Zentrum für Verkehr dicht: Das Festgelände ist gut 50 Hektar groß und soll sich fast über die gesamte Auer Innenstadt erstrecken - vom Anton-Günther-Platz über die Goethestraße, den Postplatz, den Altmarkt, die Wettinerstraße bis fast vor die Nikolaikirche (siehe Grafik). Das berichtete der Projektleiter Steffen Möckel. Das Areal wird als sogenannter innerer Sperrkreis für den Verkehr für drei Tage komplett abgeriegelt. Heißt: Die viel befahrenen Bundesstraßen 283 und 101 sind zum Teil dicht. Selbst Anwohner werden nicht mit dem Auto durchkommen. Nur Rettungsfahrzeugen sei die Passage erlaubt, heißt es.

Neben dem inneren gibt es auch einen äußeren Sperrkreis. Dieser beginnt aus Richtung Bad Schlema am Brünlasberg, aus Richtung Lößnitz an der sogenannten McDonalds-Kreuzung und aus Richtung Lauter-Bernsbach am Becherweg. Eine Aus- und Einfahrt in diesen Sperrkreis wird während des Sachsentags nur begrenzt - etwa für Anwohner - mit einer Art Vignette möglich sein.

Die Vollsperrung im Zentrum tritt nach ersten Informationen am 4. September ab 12 Uhr in Kraft.

Großer Rummel: Während des Sachsentages wird es in Aue voraussichtlich 14 Themenmeilen geben. So soll sich beispielsweise der Postplatz in eine Blaulichtmeile verwandeln, auf der sich Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei präsentieren. Weitere Ideen sind eine historische Meile, eine Parteienmeile, eine Städtepartnerschaftsmeile, eine Genuss- und eine Künstlermeile.

Auch ein großer Rummel mit Riesenrad und anderen Fahrgeschäften wird nicht fehlen. Anders als beim Stadtfest üblich wird dieser aber nicht auf dem Anton-Günther-Platz zu finden sein, sondern hinter dem Wellner-Bau an der Marie-Müller-Straße. Der Grund: Auf dem Anton-Günther-Platz bauen Radiosender große Bühnen auf.

Höhepunkt des Sachsentags soll ein etwa 2,3 Kilometer langer Festumzug mit gut 120 Bildern sein, der am Sonntag stattfindet und mitten durch das Festgebiet verläuft. Vom Gewerbegebiet am Bahnhof aus wird eine Schleife durch das Auer Zentrum gelaufen.

Anreise mit Tücken: Das Organisieren des An- und Abreiseverkehrs wird für die Stadt zu einer echten Mammutaufgabe. Nach Angaben aus dem Rathaus werden für die erwarteten Besucher mehr als 15.000 Parkplätze benötigt. Weil diese in Aue-Bad Schlema fehlen, ist geplant, mehrere Ackerflächen an den Autobahnzubringern zu Großraumparkplätzen umzufunktionieren. Abstellflächen sind am Auer Zubringer (S 255) am Abzweig Raum vorgesehen und am Schneeberger Zubringer (S 282) auf der Weißbacher Kuppe. Auch die alte Uranbergbau-Halde 65 in Bad Schlema dient als provisorischer Parkplatz. Von dort werden Gäste mit Shuttlebussen ins Auer Zentrum gefahren.

Probleme zeichnen sich auch bei der Anreise mit der Bahn ab. Weil an der Strecke von Aue nach Chemnitz zum Sachsentag noch gebaut wird, werden Zuggäste nur über Zwickau anreisen können. Dafür sollen mehr und längere Züge fahren. Derzeit ist eine Abfahrt im Halbstunden-Takt im Gespräch. Ob nicht wegen der Vielzahl der Besucher ein Viertelstunden-Takt besser sei, kam als Frage im Stadtrat auf. Oberbürgermeister Heinrich Kohl (CDU) sagte: "Das nehmen wir mit."

Extraprogramm für Kurort: Die ursprüngliche Idee, dass sich das Festgebiet von Aue bis nach Bad Schlema erstreckt, ist inzwischen vom Tisch. Laut Steffen Möckel hätte das einen "riesigen Sperrkreis" nach sich gezogen. Zudem gab es offenbar Sicherheitsbedenken der Polizei. OB Kohl dazu: "Die Sicherheitsbehörden haben uns gesagt, dass sie das nicht absichern können. Dieser Realität müssen wir uns beugen."

In dem Kurort soll es stattdessen im September eine "Erlebnisstrecke" geben, auf der das Welterbe und der Kurort im Fokus stehen. Als "Trostpflaster" bezeichnet Kohl, dass wegen der Entscheidung das Kurbad Actinon an dem Festwochenende offen bleiben könne.

Riesen-Chor singt Steigerlied: Wie die Stadtverwaltung berichtet, wird es erstmals beim Sachsentag ein großes Chorkonzert geben. Dieses soll am Samstag, 5. September, in der St.-Nicolai-Kirche stattfinden. Ebenfalls am Samstag ist eine besondere Mitsing-Aktion geplant: Um 18 Uhr soll auf allen Bühnen und mit allen Besuchern auf dem Festgelände das Steigerlied gesungen werden.

"Vielleicht wird es ja ein Weltrekord", erklärte dazu OB Kohl. Dass es sich um einen Weltrekordversuch handelt, wollen auf Nachfrage aber weder Steffen Möckel noch Stadtsprecherin Jana Hecker bestätigen. "Wer soll die Leute denn zählen?", fragt etwa Projektleiter Möckel. Es sei lediglich als einmalige Aktion gedacht, mit der zugleich an das Motto des Tags, "Herzlich willkommen im Schacht", angeknüpft werde.

Nächtlicher Partytrubel: Erstmals öffnen soll das Festgebiet am Freitag um 14 Uhr. Schluss ist 24 Uhr, am Samstag erst 2 Uhr. Am Sonntag gegen 19 Uhr hat der Festtrubel dann ein Ende.

Derzeit haben sich bereits 45 Vereine und 85 Caterer für den Sachsentag angemeldet. "Wir werden wohl mehr Leute abweisen müssen, als dass wir um Interessenten betteln müssen", sagte Steffen Möckel.

Erste Aufbauarbeiten für den Sachsentag starten nach Angaben der Stadtverwaltung am 31. August, der Abbau beginnt am 6. September gegen 20 Uhr.


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