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In Aue-Bad Schlema scheinen Eltern besonders kreativ zu sein, was die Namensgebung für den Nachwuchs angeht. Klassische Vornamen wie Emma und Emil stehen in der Gunst zwar ganz oben, es geht aber auch ausgefallener.
Nicht nur mit ihrer Fußballmannschaft sorgt die Große Kreisstadt für Schlagzeilen. Auch aus dem Standesamt von Aue-Bad Schlema kommt immer zum Jahreswechsel eine Nachricht, die aufhorchen lässt. Es ist die Liste mit den Babynamen, die in den zurückliegenden Monaten in der Stadt vergeben wurden. Und diese Übersicht belegt jedes Jahr aufs Neue, wie kreativ die Mütter und Väter sind, was die Namensgebung für den Nachwuchs angeht. Blake, Sham, Amineh, Filistin, Rafif, Rayman, Wally und Yuna - das sind nur ein paar der weiblichen Vornamen, die Eltern im vergangenen Jahr für ihre Sprösslinge ausgewählt haben. Sie waren so einmalig wie Fips, Joona-Luces, Loan-Einar, Sirius, Timofej, Vlad und Wyatt für Jungen.
Die Stadtsprecherin Jana Hecker kann sich das Faible der Erzgebirger für ausgefallene Namen nicht so recht erklären. "Einer hat mal damit angefangen und andere zogen dann nach", sagt sie. Viele suchten offenbar nach etwas Besonderem. "Ich würde aber nicht unbedingt Filistin heißen wollen, auch wenn sich die Eltern sicher etwas dabei gedacht haben, weil nicht jeder sofort weiß, wie der Name ausgesprochen und geschrieben wird", so Jana Hecker. Klangvoll und schön findet sie hingegen Fips und Yuna. "Die haben das Potenzial, Modenamen zu werden."
Die diesjährige Liste liest sich im Vergleich zu den Jahren zuvor aber nicht ganz so exotisch. "Wir hatten schon wunderlichere Namen dabei", sagt Hecker und lacht. 2016 war das etwa Pepe-Joel, 2017 Tinkerbell und Woldemar, 2018 Jesselyn-Joleen und Leona Cassiopaia und 2019 dann Winnie-Loreen oder Poupette.
Wenig verwundert über solche Namen ist Gabriele Rodríguez, die sich in der Namensberatungsstelle der Universität Leipzig von Berufs wegen mit Namenstrends beschäftigt. Sie sagt: "Ich höre Ungewöhnlicheres." Als Beispiel nennt sie Makanalaika'aina'e, ein hawaiischer Name für Mädchen. Als Zweitname habe sie auch eine Anfrage zu Alucard erhalten. "Rückwärts gelesen heißt das Dracula." Es gebe einen stark ausgeprägten Individualismus. "Eltern wollen für ihr besonderes Kind einen besonderen Namen."
Gefragt seien ebenso zeitlose Vornamen wie Emma und Paul sowie altdeutsch-germanische Namen, etwa Ida. Einen großen Einfluss hätten zudem Medien, berichtet Gabriele Rodríguez. Immer wieder angefragt werde etwa der Name Lucifer, nachdem im Fernsehen eine gleichnamige Serie lief. "Letztes Jahr erst wieder." Eine positive Stellungnahme konnte sie dazu aber nicht abgeben. "Als Synonym für Teufel könnte es das Kindeswohl gefährden."
So beliebt neue und ungewöhnliche Vornamen sind - auch im hiesigen Standesamt führen eher traditionelle Namen die Hitliste an. Die gefragtesten für Mädchen sind vergangenes Jahr Emma, Ida und Leni gewesen, für Jungen Emil, Fritz und Ole. Bei den Zweitnamen waren Luise und Marie für Mädels besonders gefragt, bei den Buben führten Benjamin und Eric die Liste an.
Insgesamt sind 2020 in Aue-Bad Schlema die Vornamen von 518 Kindern beurkundet worden. Acht Kinder davon erhielten drei Vornamen, ein Kind sogar vier. Eine Besonderheit: Ein Junge bekam bislang noch gar keinen offiziellen Namen, weil ein eingetragenes Elternteil dem Beurkunden des Vornamens bisher nicht zugestimmt habe, so Sprecherin Jana Hecker. Läuft die Frist beim Standesamt bis zum Monatsende ab, müsste zur Not das Familiengericht entscheiden und ein Elternteil bestimmen, das einen Namen festlegt. Hecker erklärt: "Das kommt nur selten vor."





