"Der mit dem Esel geht" muss in Waschleithe pausieren

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Michael Rinderle ist auf einer äußerst ungewöhnlichen Tour. Der 59-Jährige will zu Fuß und in Begleitung eines Esels in den nächsten drei Jahren bis nach China laufen. Doch sein vierbeiniger Weggefährte benötigte jetzt ein Zwangspause.

Waschleithe.

Für einen Mann, der fast 40 Jahre als Straßenbaupolier tätig war, ist der Weg das Ziel. Hinzu kommt, dass Michael Rinderle von sich selbst sagt: "Ich liebe die Natur, das Draußensein." Jetzt ist er zu seinem bislang wohl größten Abenteuer aufgebrochen: Der 59-Jährige will zu Fuß und begleitet von seinem 14-jährigen Esel Vaillant bis nach China laufen. Über seinen Internetblog "Der mit dem Esel geht" lässt er dabei alle, die Lust haben, an dieser ungewöhnlichen Tour teilhaben.

Gestartet ist "de Michel", wie ihn in seiner Heimatstadt Spaichingen im südlichen Baden-Württemberg viele nennen und kennen würden, im April dieses Jahres. Auf seinem Blog hat er auch das Motiv seiner Reise verraten: "Die einzige Reise, die man bereut, ist die, die man nicht macht."

Doch wie kommt es, dass der Mann mit seinem Esel ausgerechnet in Waschleithe pausiert? Sein vierbeiniger Freund ist verletzt. "Er hat sich am Huf aufgescheuert und braucht eine Pause", sagt der Abenteurer, der die Nacht zuvor in Wildenau bei einer Hütte übernachtet hatte und am Freitag am Schaubergwerk Waschleithe kurz sein Gepäck ablud, um seinen Esel zu entlasten.

Martin Riedel, Chef vom Schaubergwerk, erkannte die Not, in der sich der Wandersmann befand und vermittelte ihm Quartier im Haus Fürstenberg, das von Mirko und Jana Geißler betrieben wird. "Die haben ja auch Esel", schoss es Martin Riedel durch den Kopf. Selbstverständlich durften die Wanderer in Waschleithe pausieren.

"Ich kam nichts ahnend um die Ecke zum Stall und dachte: Was ist denn mit meiner Wanda passiert?", erzählt Jana Geißler. Zu diesem Zeitpunkt wusste sie nämlich noch nichts vom vierbeinigen Gast im Stall. "Mein Vaillant ist ja wesentlich größer. Er ist ein französischer Provence-Esel mit Trekkingerfahrung", erklärt Michael Rinderle. Nach einem kurzen Anruf bei seinem Tierarzt wusste der 59-Jährige auch sofort, wie er seinem Weggefährten helfen kann. Spezielle Salben und Verbandszeug hat er für solche Fälle dabei. Während sein Esel gemeinsam mit dem Eselpaar Heinz und Wanda die kommenden beiden Nächte im komfortablen Stall der Geißlers verbringen durfte, begnügte sich der "Zweibeiner" mit einem Stück Wiese im Garten und einer heißen Dusche in der Pension. "Ich hab ihm ein Zimmer angeboten, doch er wollte lieber in seinem Zelt schlafen", erzählt Pensionsbetreiber Mirko Geißler. "Ich bin wirklich lieber draußen", so Rinderle, der die spontane Gastfreundschaft der Erzgebirger einfach toll fand. "Das ist es, was für mich zählt", meint der 59-Jährige. Die Begegnungen mit den Menschen. "Man trifft immer jemand, und es geht immer weiter. Das Bauchgefühl sagt dir schon, geht noch ein Stück", sagt er, dessen Ziel noch in weiter Ferne liegt.

Es ist keineswegs seine erste "verrückte" Tour. Bereits 2013 habe er Südafrika mit dem Motorrad durchquert. Auch dieser Art zu reisen, kann er etwas abgewinnen: "Den Fahrtwind im Gesicht zu spüren, frei zu sein." Auf dieser Reise lernte er zwei junge Frauen kennen, die ebenfalls durch Südafrika unterwegs waren, allerdings zu Fuß. Das war sehr beschwerlich und so beschlossen sie, sich einen Esel zu besorgen. "Ich half ihnen noch, einen Eselskarren zu bauen, und dann zogen sie los", erzählt Rinderle. Das sei der Impuls für ihn gewesen, irgendwann genauso unterwegs zu sein.

Dieser Zeitpunkt sei nun gekommen. "Meine drei Kinder sind erwachsen und gut versorgt. Ich habe nach 39 Jahren meinen Job gekündigt. Wenn ich das jetzt nicht mache, wann dann? Ich will nicht erst bis zur Rente warten. Wer weiß, was bis dahin ist", sagt er, der am Sonntag mit Vaillant wieder loszog. Hauptrichtung: Der europäische Fernwanderweg E 3 in Richtung Budapest. Von dort aus will er weiter in Richtung Osten. "Ob ich China erreiche, weiß ich noch nicht. Aber dann ist das eben so", sagt er.

Geplant hatte Michael Rinderle gut 20 Kilometer pro Tag zu Fuß zurückzulegen. "Bis jetzt schaff' ich nur gut die Hälfte, doch wen stört's", sagt der, der mit dem Esel geht und für den der Weg das Ziel ist.

Wer ihm auf seinem Blog folgen will:

michelrinderle.wixsite.com

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