Desinfektionsmittel - Lautergolds neuer Verkaufsschlager geht kanisterweise vom Hof

Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen: Wegen des vielerorts enormen Bedarfs an Desinfektionsmitteln in der Coronavirus-Pandemie hat der Spirituosenhersteller aus Lauter seine Produktion komplett umgestellt.

Lauter-Bernsbach.

Not macht erfinderisch: Am Dienstag ist bei Lautergold erstmals in der 285-jährigen Unternehmensgeschichte die Produktion von Desinfektionsmitteln angelaufen. Schon am Nachmittag gingen erste Lieferungen raus, sagt Mike Schneising. Laut dem Betriebsleiter des Spirituosenherstellers aus Lauter-Bernsbach ist der Bedarf enorm. "Deshalb handeln wir entschlossen."

Bedeutet: Jeder Tropfen hochprozentiger Alkohol kommt medizinischen Einrichtungen wie Krankenhäusern und Apotheken der Region zugute. Die Coronavirus-Pandemie macht Desinfektionsmittel zur Mangelware, auch im Erzgebirge. In einem ersten Schritt bot Lautergold seinen gesamten Lagerbestand an Hochprozentigem den Apotheken des Freistaats an, damit sie dringend nötige Hand-desinfektionsmittel herstellen können. "Die Nachfrage war gewaltig. In drei Tagen lagen 350 Bestellungen vor", so Schneising, der die Abgabemenge pro Apotheke und Krankenhaus deshalb rationieren musste. "Damit jeder etwas bekommt."

Aber mehr noch: Das Team der Lautergold Paul Schubert GmbH erweiterte quasi über Nacht seine Produktionslinie um das eigene Handdesinfektionsmittel SeptoEx. Die restliche Produktion - sprich der Liköre Schnäpse  & Co. - ruht derzeit. "Wir mussten die Reißleine ziehen, stellten um und beliefern Kliniken unter anderem in Aue, Zwickau und Glauchau sowie Apotheken der Region. Dazu nutzen wir alles, was wir an hochprozentigem Alkohol haben und kriegen können", so Schneising.

Das rund 20-köpfige Team - von Herstellung über Abfüllung bis Verwaltung und Versand - sei voll gefordert. "Aber keiner murrt. Ich bin stolz auf meine Leute und ihren unermüdlichen Einsatz in dieser Ausnahmesituation." Zwar wolle die Bundesregierung nun sicherstellen, dass alle Krankenhäuser mit hoch-prozentigem Alkohol versorgt wer-den. "Die Desinfektion müssten sie daraus noch herstellen. Diesen Arbeitsschritt können wir leisten", so Schneising. Die nötigen Zulassungen für SeptoEx waren rasch eingeholt. Im ersten Schub gehen in Plastekanistern 50.000 Liter auf den Markt - zu moderaten Preisen, wie der Betriebsleiter betont. "Schwarze Schafe der Branche wuchern derzeit mit diesen Mitteln. Das finde ich widerlich. Wir haben in dieser Lage eine gesellschaftliche Verantwortung und wollen fair und schnell helfen." Nicht zuletzt mit Blick auf einen Kundenstamm auch für später. So soll SeptoEx fester Bestandteil im Sortiment werden.

Engpässe bei den "Zutaten" für SeptoEx befürchtet Schneising vorerst keine. Auch in dieser schwierigen Zeit könne er auf zuverlässige Lieferanten bauen. "Das Netzwerk bauten wir uns über Jahre auf und profitieren jetzt davon - am Ende zum Wohl aller in dieser Krise, die hoffentlich schnell vorübergeht", sagt der Betriebsleiter, der sich über den Arbeitsstress freut. "Das lenkt ab."


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